Kinderspielstadt in Untertürkheim In Ratzelbach ist niemand arbeitslos

In der Kinderspielstadt Ratzelbach werden viele Postkarten hergestellt und von Hand geschrieben. Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Mehr als 150 Kinder sind in der Kinderpielstadt Ratzelbach des Jugendhauses Untertürkheim aktiv. Sie arbeiten wie im richtigen Leben als Bankangestellte, Postbeamte, Gärtner oder Bäcker – und das mit Feuereifer.

Lokales: Iris Frey (if)

Die Beliebtheit ist ungebrochen: 152 Kinder nehmen am Projekt des Kinder- und Jugendhauses Café Ratz in Untertürkheim teil. Sie haben die Kinderspielstadt wieder mit Leben gefüllt, mit der eigenen Währung, dem Ratzel, an 22 Stationen ein bisschen Erwachsenenwelt simuliert.

 

Kurz vor Ende der Kinderspielstadt war schon einiges geschafft: Am Feinkostladen wird aus Basilikum, Olivenöl und Sonnenblumenkernen Pesto zubereitet. Eine Zehnjährige erzählt, dass sie am Montag dreieinhalb Stunden gearbeitet und 28 Ratzel verdient habe, am Mittwoch seien es sechs Stunden Arbeit für 48 Ratzel gewesen. Alles vermerkt im Kinderstadt-Ausweis, der auch den Text des Ratzelbach-Song enthält, der morgens und abends bei der Ratz-Show gesungen wird. Zum Gärtnerei-Stand, an dem Kräutersalz hergestellt wird, kommt eine Reporterin der Ratzelbach-Zeitung. Sie sammelt Zauberwitze, denn das Tagesmotto heißt „verzaubert“.

Das Motto des Tages lautet „verzaubert“

Ein Thema, dass sich auch in der Poststation niederschlägt. Hier sitzen Jungs und Mädchen und entwerfen ihre eigenen Postkarten, die sie anschließend in der Post verkaufen. Sie drucken, malen und kleben Sterne und zaubern Muster mit buntem Sand. Auch Dankespostkarten für Spender werden produziert. „Bei uns ist viel los“, sagt eine ehrenamtliche Helferin. Innerhalb von Ratzelbach werden übrigens selbst geschriebene Briefe und Postkarten versandt, auch Firmenpost. Denn Handys sind in der Kinderspielstadt nicht erlaubt – doch die wenigsten Ratzelbacher scheinen sie zu vermissen.

Anderes ist wichtig: auf der Bühne nebenan wird fleißig geprobt. Ein Quartett aus neunjährigen Mädchen, allesamt zirkusbegeistert, üben für die Ratz-Show. Die Turnerinnen freuen sich, dass sie ihre Akrobatik zeigen können. Sie sind in der Luginslandschule seit zwei Jahren im Zirkus Lugirello und schon im Circus Circuli aufgetreten.

Der wertvollste Ratzel-Geldschein ist ein Fünfziger

In der Bank indes läuft alles gut. Der größte und wertvollste Ratzel-Schein, ein Fünfziger, ist sicher im Tresor gelagert. Die Bankangestellten haben alles im Griff. Sie zeigen, wo die Betriebe ihre Konten haben – auf dem Rechner. „So kann beispielsweise der Großmarkt auf Rechnung einkaufen“, erklärt ein Junge. Im Arbeitsamt wird zwar immer wieder mal ein Job gekündigt, doch die Arbeitslosenquote liegt bei Null. „Man kann hier arbeiten und viel Spaß haben“, sagt ein junger Jobberater.

Wo man hinschaut, wird gewerkelt: sei es in der Schmuck- oder der Knetwerkstatt oder an der Popcorn-Maschine beim Café. Im Großmarkt empfängt Silvia Rehm mit Team die jungen Firmen-Mitarbeiter, die hier einkaufen. Zugleich bereitet sie einen „Schnickschnack-Shop“ vor, während in der Backstube Pizzas entstehen. Mit einem Markttag samt Fest endet am Freitag die Spielstadt. Die Spielleiter Christian Aldinger und Johanna Klein sind trotz des wechselhaften Wetters zufrieden. Die Schreinerei hat jedenfalls schon vorgesorgt und eine große Sonne aus Holz gebaut. Für alle Fälle.

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