Kindesmissbrauch Neonazi Tino Brandt muss fünf Jahre in Haft

Der Thüringer Neonazi Tino Brandt ist wegen Kindesmissbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Foto: dpa
Der Thüringer Neonazi Tino Brandt ist wegen Kindesmissbrauchs zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Foto: dpa

Der Thüringer Neonazi Tino Brandt ist wegen Kindesmissbrauchs zu mehr als fünf Jahren gefängnis verurteilt worden. Der 39-Jährige wurde am Donnerstag in 66 Fällen schuldig gesprochen.

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Gera - Er war V-Mann des Verfassungsschutzes, Anführer einer Neonazi-Kameradschaft, NPD-Funktionär und Zeuge im NSU-Prozess: Nun muss der prominente Thüringer Neonazi Tino Brandt wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Nach Überzeugung des Landgerichts Gera hat er sich nicht nur selbst an den Jungen vergangen, sondern sie auch gegen Geld an andere Männer vermittelt - strafbar als Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger. Insgesamt wurde der 39-Jährige am Donnerstag in 66 Fällen schuldig gesprochen.

Brandt hatte nach Darstellung des Vorsitzenden Richters Berndt Neidhardt hinter verschlossenen Türen ein Geständnis abgelegt. Für diesen Fall hatte ihm das Gericht einen Strafrahmen von fünf bis sechs Jahren Haft zugesichert. Schon zuvor war auch beim Verlesen der Anklage und bei der Aussage einer Polizistin die Öffentlichkeit aus der Gerichtsverhandlung ausgeschlossen worden. Das ist in solchen Prozessen mit Rücksicht auf den Schutz der Privat- und Intimsphäre der Opfer nicht ungewöhnlich.

Fünf Jungen Opfer von Brandt

Opfer von Brandts Machenschaften in den Jahren von 2011 bis 2014 waren laut Urteil fünf Jungen, einer davon war erst 13 Jahre und gilt damit juristisch noch als Kind. Brandt ist bislang nicht einschlägig vorbestraft. Von den fünf Opfern wurden drei im Prozess als Nebenkläger vertreten.

Nach den Worten Neidhardts hat Brandt sein freundschaftliches Verhältnis zu den Jungen ausgenutzt, um sie für diese Straftaten zu gewinnen. Sie stammten aus prekären sozialen Verhältnissen und seien durch die Taten traumatisiert, erläuterte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Seit dem Sommer sitzt Brandt in dieser Sache in Untersuchungshaft. Er wurde am Donnerstag in Handschellen vorgeführt: Eine schwarze Kapuze über dem Kopf und ein schwarzer Hefter verbargen sein Gesicht vor den vielen Kameras im Gerichtssaal. Für den Prozess waren die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, doch blieben viele Plätze im Zuschauerraum leer.

Auf die Sexgeschäfte Brandts war die Staatsanwaltschaft bei Ermittlungen gegen ihn wegen Versicherungsbetrugs gestoßen. In diesem Fall, in dem es um einen Schaden von mehr als eine Million Euro geht, dauern die Ermittlungen den Angaben zufolge noch an.




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