„Wir wollen die Lust am gemeinsamen Filme- Schauen neu erwecken und in Zeiten des Streamens daran erinnern, dass es etwas Besonderes ist, an einem Ort zusammenzukommen, um gutes Kino zu genießen. Vor allem auch die jüngere Generation, die wir so dringend wieder ins Kino bringen müssen“, sagt der Scala-Gesellschafter und Produzent Jochen Laube, der das Festival vor wenigen Jahren initiiert hatte. „Die Lichtspielliebe ist kein gängiges Festival mit einer Jury und Preisen. Uns geht es darum, neue, erfrischende und sehr gute Filme zu zeigen und darüber ins Gespräch zu kommen, aber auch Events mit einem besonderen Flair anzubieten.“
Damit wartet die „Lichtspielliebe“ in der Tat auf: So gibt es am 5. November beispielsweise ein kleines Konzert mit dem angesagten Singer-Songwriter Thees Uhlmann, der auf seinem aktuellen Album dem Horror-Autor Stephen King mit dem Song „Danke für die Angst“ huldigt, und im Anschluss daran eine lange Kino-Nacht, bei der Stephen-King-Verfilmungen bis zum Umfallen gezeigt werden – Einschlaf-Gefahr herrscht angesichts des Genres dabei womöglich weniger. „Die Leute werden mit Schlafsäcken und Kissen anrücken, zwischendurch gibt’s Kaffee, Tee und eine warme Suppe, und sich die Nacht mit den King-Filmen um die Ohren schlagen“, freut sich Laube.
Slammen zu Kurzfilmen und Kino-Assoziationen
Und am 6. November gibt es einen Movie-Slam: Poetry Slammer treten zu Kurzfilmen, die ihnen zugelost wurden und die es selbstredend an dem Abend zu sehen gibt, in den Dichter-Wettstreit; in der nächsten Runde slammen sie zum Thema Film allgemein. Und zu einem Dokumentarfilm über den Pianisten Igor Levit spielen lokale Pianisten.
Die Festivaltage werden aber auch jenseits solcher kombinierten Veranstaltungen reich an Höhepunkten sein, versprechen Jochen Laube und Edgar Lichtner, Geschäftsführer des Scala. Denn zu den Dokumentar- und Spielfilmen kommen in mehreren Fällen die Regisseure oder Darsteller selbst nach Ludwigsburg. Etwa gleich zum Auftakt am 3. November: Wenn „Rheingold“ über die Leinwand flimmert – inklusive einer Performance der Ludwigsburger Jugendinitiative LubuBeatz – , werden sowohl Fatih Akin als auch die beiden Darsteller Arman Kashani und Hüseyin Top im Scala dabei sein. Auch Dimitrij Schaad, der es dieses Jahr schaffte, als Hauptdarsteller der „Känguru-Verschwörung“ auf Platz eins der Kinocharts und als Hauptdarsteller von „Kleo“ auf Platz eins der Netflix-Charts zu klettern, kommt am 4. November, wenn „Aus meiner Haut“ läuft.
Das liege aber nicht daran, dass er viele Branchengrößen persönlich kenne, übt sich Laube im Understatement. „Man stellt sich das manchmal vielleicht falsch vor. Die Künstler kommen nicht, weil man sich vielleicht schon mal hallo gesagt hat. Sie kommen, weil sie beim Begriff Lichtspielliebe hellhörig werden und sich freuen, wenn man sich für ihre Arbeit wirklich interessiert.“ Er habe zum Beispiel Wim Wenders nicht gekannt. Trotzdem kam der Starregisseur 2018 zur „Lichtspielliebe“, als dort die restaurierte Version von „Der Himmel über Berlin“ lief.
Die Eintrittspreise sind gezielt so günstig wie möglich gehalten
Dass trotz mancher großer Namen die Eintritte sehr günstig sind, machten in Zeiten, in denen es um die Kultur nicht rosig bestellt sei, Fördermittel von mehreren Seiten möglich, sagt Edgar Lichtner. „Es ist eine dicke Mischkalkulation, mit der wir es hinkriegen sollten.“ Jeder soll sich den Besuch der Tage, „denen explizit kein elitärer Festival-Grundgedanke zugrunde liegt“, wie Jochen Laube betont, leisten können. Er hofft, dass das Publikum dabei sein wird: „Es sind immer noch weniger Leute in den Kinos als im letzten Oktober vor Corona. Wir wollen einen Impuls setzen und etwas Besonderes bieten, um sie in die Säle zurückzuholen.“
Das Festival
Die „Lichtspielliebe“ findet vom 3. bis 6. November statt. Der Eintritt beträgt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ermäßigt fünf Euro. Mehr Informationen gibt es unter www.scala.live/events .
Die Filme
Donnerstag, 3. November: „Rheingold“ (19 Uhr, mit Regisseur Fatih Akin); Freitag, 4. November: „Rise up“ (15 Uhr), „Girl Gang“ (17.30 Uhr, mit Regisseurin Susanne Meures), „Aus meiner Haut“ (20 Uhr, mit Darsteller Dimitrij Schaad); Samstag, 5. November: „Wo ist Gott?“ (14 Uhr, mit Regisseurin Sandra Gold), „The Ordinaries“ (17.30 Uhr, mit Regisseurin Sophie Linnenbaum), „Danke für die Angst“: Thees Uhlmann (21 Uhr) mit anschließender Stephen-King-FilmNacht; Sonntag, 6. November: „Igor Levit – No fear“ (11 Uhr), „Im Westen nichts Neues“ (15.30 Uhr, mit Regisseur Edward Berger), „Movie Slam“ (20 Uhr).