Kinokritik: After the Wedding Augen auf beim Geschlechtertausch

Von Kathrin Horster 

Remakes gehen oft schief. Bart Freundlich will es mit „After the Wedding“ besser machen.

Michelle Williams (links) und Julianne Moore in „After the Wedding“ Foto: Verleih/Elizabeth Fisher 9 Bilder
Michelle Williams (links) und Julianne Moore in „After the Wedding“ Foto: Verleih/Elizabeth Fisher

Stuttgart - Manche Geschichten sind zu gut, um sie nur einmal zu erzählen – mit dieser Begründung drehen Filmemacher Remakes einst erfolgreicher Films. Oft ärgern sich Fans des Originals dann über den flaueren Aufguss. Wer den Vorläufer nicht kennt, kann unvoreingenommen auf das neue Werk schauen. Bart Freundlichs Re-Inszenierung von Susanne Biers Familiendrama „After the Wedding“ (2006) grenzt sich schon durch die Besetzung ab und macht so auch Skeptiker neugierig: Bei Bier agierten Mads Mikkelsen und Rolf Lassgard in den Hauptrollen, nun geben Julianne Moore und Michelle Williams die zwei gegensätzlichen, auf spezielle Weise verbundenen Charaktere.

Aufopferungsvoll engagiert sich die Amerikanerin Isabel (Williams) für Waisenkinder von Kalkutta. Als ihrem Heim die Mittel ausgehen, nimmt sie die Einladung der Multimillionärin Theresa (Moore) an, in New York eine Spende abzuholen. Vor Ort eröffnet ihr Theresa, die Gabe überdenken zu wollen. Isabel solle ein paar Tage bleiben und an der Hochzeit ihrer ältesten Tochter Grace (Abby Quinn) teilnehmen. Bei den Feierlichkeiten trifft Isabel auf Oscar (Billy Crudup), Theresas Ehemann – den Isabel 20 Jahre zuvor verlassen hat, um als Entwicklungshelferin zu arbeiten.

Viele Wendungen wirken zurechtgebogen

Abseits des Geschlechtertauschs der Hauptfiguren hält sich Freundlich genau an Biers Vorlage. Dennoch läuft nicht alles rund, weil bestimmte Wendungen an geschlechtsspezifische Bedingungen geknüpft sind. Bei Bier verlässt Isabels männliches Pendant Jacob seine schwangere Freundin, ohne etwas von deren Zustand zu wissen. Freundlich konstruiert, dass Isabel mit Oscar auch die gemeinsame, zur Adoption freigegebene Tochter verlässt und nicht weiß, dass Oscar das Kind behalten möchte – eine nicht sehr plausible Herleitung. Überhaupt wirken viele Wendungen künstlich zurechtgebogen, und die glattpolierten Bilder in erdig-warmer Farbpalette erscheinen gerade aufgrund der bewusst gefälligen Komposition steril. Freundlich hält dagegen und setzt auf große Gefühle. Weil Michelle Williams und Julianne Moore die Not der Figuren ernstnehmen, ringen sie der Oberfläche tatsächlich etwas Tiefe ab. Und retten damit die eher blasse Version eines guten Originals.

After the Wedding. USA 2019. Regie: Bart Freundlich. Mit Michelle Williams, Billy Crudup, Julianne Moore. 110 Minuten. Ab 6 Jahren. Atelier, EM