Kinokritik: Das Leben ist ein Fest So schön ist das Dasein

Von Bernd Haasis 

Intelligent spiegelt diese köstliche französische Ensemblekomödie Bruchstellen der Gegenwart – und erzählt vom Leben und Lebenlassen.

Gilles Lellouche als verhinderter Popstar in „Das Leben ist ein Fest“ Foto: Verleih
Gilles Lellouche als verhinderter Popstar in „Das Leben ist ein Fest“ Foto: Verleih

Stuttgart - Mit Eselsgeduld organisiert der ­erfahrene Hochzeitsplaner Max (Jean-Pierre Bacri) die Feier von Pierre (Benjamin Lavernhe) und Héléna (Judith Chemla) in einem Schloss – doch Probleme mit dem Personal, der Musik, dem Essen, dem Feuerwerk häufen sich zu einem derartigen Chaos, dass selbst der Routinier kapituliert.

Das sehr menschliche Treiben ist ausgesprochen amüsant und weit entfernt von Klamauk: Die Erfolgs-Regisseure Éric ­Toledano und Olivier Nakache („Ziemlich beste Freunde“, 2011) verhandeln unter der Komödienoberfläche reale Problemlagen. Der Stoiker Max etwa hat ein viel zu großes Herz für die globalisierte Gegenwart und beschäftigt viele Abgehängte, die kein Renditeversprechen vorweisen können.

Ein Fotograf beklagt, dass er nicht mehr gebucht wird

Max’ introvertierter Schwager Julien (Vincent Macaigne) etwa ist ein intellektueller Sprachfetischist, dem seine Verkopftheit auch als Servicekraft im Weg steht. Dass er die Braut von früher kennt und seither in sie verliebt ist, macht die Sache nicht einfacher. Die gut organisierte Assistentin Adèle (Eye Haidara) mit afrikanischen Wurzeln überkompensiert, indem sie sich permanent im Ton vergreift. Der Fotograf Guy (Jean-Paul Rouve) belagert das Büffet und die weiblichen Gäste und beklagt zugleich, dass ihn niemand mehr bucht, weil heute jeder glaubt, dank Smartphone selbst ein großer Fotograf zu sein. Die Digitalisierung droht nicht nur seinen Berufsstand hinwegzuraffen. Absolut köstlich ist Gilles Lellouche als Sänger der Tanzband, der sich als Popstar geriert, um den sich bitteschön die ganze Party zu drehen hat, dabei hat er tatsächlich eine Stimme und Charme. Der Bräutigam schließlich ist der Prototyp des bourgeoisen Spießers, der alles besser weiß und bei dessen ausladender Rede die Hochzeitsgesellschaft schon nach zehn Sekunden ins kollektive Koma zu fallen droht.

„Das Leben ist ein Fest“ ist der französische Beitrag zu einer Reihe, in der Klassiker wie „Der Partyschreck“ oder „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ stehen. In der gnadenlosen neoliberalen Gegenwart – deren Propagandisten sagen: „Eigenverantwortung!“ – strahlt dieser Film wohltuende Wärme aus, er zeigt Sympathie auch für die ungelenkeren Kreaturen unter der Sonne. Und er erinnert an gar nicht so lange vergangene Zeiten, in denen die Menschheit nicht alle Gewinne privatisiert, sondern einen Teil in die Gesellschaft reinvestiert hat. Gerade in Frankreich, wo man die Kunst, das Dasein zu genießen, schon immer ein wenig ausgeprägter gepflegt hat.




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