Kinokritik: Der geheime Roman des Monsieur Pick Ein Detektiv im Literaturzirkus

Von Kathrin Horster 

„Der geheime Roman des Monsieur Pick“ unterscheidet sich angenehm vom Gros der lauten, politisch unkorrekten Komödien aus Frankreich.

Der Literaturkritiker Jean-Michel (Fabrice Luchini) und die Bäckerstochter Joséphine  (Camille Cottin) Foto:  
Der Literaturkritiker Jean-Michel (Fabrice Luchini) und die Bäckerstochter Joséphine (Camille Cottin) Foto:  

Stuttgart - Um ein literarisches Buch zu schreiben, braucht es neben Talent auch ein gewisses Handwerk; ohne reichen Wortschatz und viel Fantasie können Nachwuchs-Autoren gleich einpacken. Weil der Pizza-Bäcker Monsieur Pick zu seinen Lebzeiten für eben diese Fertigkeiten nicht bekannt war, glaubt der renommierte Literaturkritiker Jean-Michel Rouche (Fabrice Luchini) nicht daran, dass der Bretone vor seinem Tod ein glänzendes, jedoch unveröffentlichtes Manuskript verfasst hat, das wiederum der jungen Literaturagentin Daphné Despero (Alice Isaaz) beim Stöbern in einer Dorfbibliothek in Hände gefallen ist.

Im Gegensatz zum erfahreneren Kollegen ist Daphné vom Wert ihrer Entdeckung überzeugt und steckt auch die Hinterbliebenen des Toten – dessen Gattin Madeleine (Josiane Stoléru) und Tochter Joséphine (Camille Cottin) – mit der Idee an, der stille Mann könne ein viel zu spät entdecktes, literarisches Genie gewesen sein. Daphné bringt den Text groß heraus und Jean-Michel geht auf kriminalistische Spurensuche: Ist dieser Pick wirklich der Urheber des Werkes?

Der Ermittler riskiert alles

Rémi Bezançons Krimikomödie „Der geheime Roman des Monsieur Pick“ nach dem Buch von David Foenkinos ist ein kleiner Lichtblick im Getümmel der schlichteren französischen Erfolgskomödien. Hier geht es einmal nicht um lauten, politisch unkorrekten Schenkelklopfer-Humor, sondern um die teils merkwürdigen Codes und Gesetze des Literaturzirkus. Der Kritiker Jean-Michel Rouche verkörpert zwar sämtliche Klischees, die mit diesem Berufsstand oft verbunden werden, er wird aber dennoch zur sympathischen Identifikationsfigur. Rührend sind Rouches akribische Suche nach dem echten Autor, sein n Engagement und sein Erkenntnishunger, weil er im Zuge seiner Ermittlungen alles riskiert; die Ehe, die fachliche Reputation, den Job bei einem Fernsehsender. Rouches Widersacherin Daphné ist ebenbürtig interessant: eine junge Frau, die im noch immer von Männern dominierten Literaturgeschäft versucht, Fuß zu fassen und sich dabei in ihre Version der Wahrheit verbeißt. Daphnés Freund Frédéric (Bastien Bouillon) muss allerdings mindestens so hart darum kämpfen, als Jungautor von Verlagen und Kritikern überhaupt wahrgenommen zu werden.

Diese Charakterzeichnungen und die Anlage des Falls sind gelungen, nur das Tempo beginnt ab der Mitte des Films zu schleppen. Es gibt einige witzige Wendungen, etwa im Verhältnis von Rouche und Joséphine Pick, doch weil Bezançon auch noch romantische Aspekte in die Krimi-Handlung integrieren wollte, bleibt die Spannung auf der Strecke. Einen frech-humorvollen Einblick in die Gesetze des Literaturmarktes bekommt man aber allemal.

Der Geheime Roman des Monsieur Pick. Frankreich 2019. Regie: Rémi Bezançon. Mit Fabrice Luchini, Alice Isaaz, Bastien Bouillon, Camille Cotin. 101 Minuten. Ohne Altersbeschränkung.