Kinokritik: Fritzi- Eine Wendewundergeschichte Hundeliebe und der Mauerfall

Von Ina Hochreuther 

Das gesamtdeutsche Trickfilmprojekt lebt von einer wunderschönen Gestaltung und dynamisch animierten Zeichentrickfiguren.

Fritzi kümmert sich um  Sputnik,den Hund ihrer Freundin Sophie – die über Ungarn in den Westen ausgereist ist. Foto: Verleih
Fritzi kümmert sich um Sputnik,den Hund ihrer Freundin Sophie – die über Ungarn in den Westen ausgereist ist. Foto: Verleih

Stuttgart - Wenn sich am 9. November der Mauerfall zum dreißigsten Mal jährt, ist das für Generationen von Kindern heute einfach ein Stück Zeitgeschichte. Wie dramatisch und emotional ergreifend es damals im Herbst 1989 zuging, lässt nun kleine wie große Zuschauer­ ein Kino-Animationsfilm nachempfinden mit dem bezeichnenden Titel „Fritzi – eine Wendewundergeschichte“.

Die zwölfjährige Fritzi und ihre beste Freundin Sophie leben in Leipzig. Sophie reist mit ihrer Mutter im Sommer 1989 nach Ungarn und gibt ihren kleinen Hund Sputnik für diese Zeit in Fritzis Obhut. Doch nach den Ferien kommen sie nicht wieder. Fritzi begreift schließlich, dass Sophies­ Mutter plante, in den Westen zu flüchten, und Sophie nichts davon ahnte. Sie weiß, dass die Grenze nach Westdeutschland für DDR-Bürger unüberwindbar ist. Aber Fritzi würde Sophie so gerne ihren Hund zurückgeben.

Das Drehbuch ist stimmig

In Leipzig finden Demonstrationen statt, weil die Menschen nicht mehr eingesperrt sein wollen. Fritzi entwickelt abenteuerliche Pläne, wie sie Sputnik über die Grenze schmuggeln könnte, die natürlich alle scheitern. Da erscheint es wie ein Wunder, als es am 9. November 1989 plötzlich möglich wird, zwischen Ost und West hin- und herzureisen und sich die beiden Mädchen noch in dieser Nacht in die Arme fallen können.

Der Film basiert auf Motiven des eindrucksvollen, 2009 erschienenen Büchleins „Fritzi war dabei“ von Hanna Schott mit farbigen Zeichnungen von Gerda Raidt. Die in Berlin lebende Dramaturgin und Autorin Beate Völcker hat daraus ein stimmiges Drehbuch entwickelt, das Episoden aus der literarischen Vorlage weiterentwickelt und zuspitzt. Beim Internationalen Trickfilmfest Stuttgart erhielt sie dafür 2012 den Drehbuchpreis.

Die Figuren sind fein animiert

Die im besten Sinne „gesamtdeutsche“ Produktion – beide Regisseure sind Jahrgang 1962, Ralf Kukula wuchs im Osten auf, Matthias Bruhn im Westen – hat noch einen weiteren Stuttgart-Bezug. In aller Regel braucht es mehrere Standorte samt deren Filmförderungen, um ein solches Projekt zu stemmen. Neben den Hauptproduktionsfirmen Balance Film aus Dresden und Trickstudio Lutterbeck aus Köln waren auch die MFG-Filmförderung und das hiesige Studio Filmbilder beteiligt. Hier wurden die Figuren des Films quasi zum Leben erweckt.

Acht Leute haben ein Jahr lang daran gewerkelt. Dass die comicartigen Filmhelden so quirlig wirken, liegt an der aufwendigen Zeichentechnik. Produzent Thomas Meyer-Hermann vom Studio Filmbilder erklärt dazu: „Der gute alte Zeichentrickstil, mit zwölf Bildern pro Sekunde Bild für Bild am Grafiktablett gezeichnet, funktioniert im Prinzip nicht anders als früher auf Papier, nur dass die Bilder jetzt gleich im Computer sind, während man sie früher einscannen musste.“ Wunderbar gestaltet muten auch die authentisch wirkenden, detailfreudigen Hintergrundbilder an. In ihnen spaziert man gleichsam durch die Straßen des damaligen­ Leipzigs.

Die richtige Botschaft zur richtigen Zeit

Bestechend aber ist die untergründige Botschaft dieses kleinen, feinen, absolut sehenswerten Films: In der einen Hälfte unserer heutigen selbstverständlich erscheinenden­ gesamtdeutschen Republik gelang einst eine friedliche Revolution. Nun müssen wir alle gemeinsam alles dafür­ tun, um unsere Demokratie und unsere staatsbürgerlichen Freiheiten vor Demagogen zu bewahren­.