Kinokritik: Robin Hood Der Rächer spielt Revolution

Von Bernd Haasis 

Eine schrille Neuinszenierung soll den klassischen Stoff der Generation Youtube nahebringen – doch der Film ist
so wirr wie die Gegenwart.

Ein hübsches Paar: Taron Egerton als Robin, Eve Hewson als Marian Foto: Verleih 11 Bilder
Ein hübsches Paar: Taron Egerton als Robin, Eve Hewson als Marian Foto: Verleih

Stuttgart - In einer Videospielsequenz agieren Kreuzritter wie moderne US-Marines, im Wüstenkaff bekämpfen sie vermummte Araber, die mit mechanischen Geschützen monströse Pfeile verschießen. Dort lernt Robin Hood den Sarazenen Yah­ya kennen, der mit ihm nach England geht, um ihm als Little John im Kampf gegen ein korruptes Regime beizustehen. Der Verschwörungsplot passt in die aus den Fugen geratene Gegenwart: Der Sheriff von Nottingham und die Kirche unterstützen die Araber, damit England den Krieg verliert und sie den König stürzen können; die Umsetzung allerdings ist hanebüchen.

Einen wilden Mix aus Videospiel, Youtube-Clip, Superhelden-Comic und „Tribute von Panem“-Dystopie verarbeitet Otto Bathurst zu einem Film, der alles sein möchte, aber nichts sein kann. Der Regisseur schielt zu sehr auf digitale Jugendkultur und nimmt dabei weder seine ­Geschichte noch das Medium Film wirklich ernst. Entsprechend verloren wirkt in der Titelrolle Taron Egerton, der in der „Kingsman“-Reihe ein famoser Sidekick von Colin Firth war und nun als „The Hood“ einen anarchischen Saboteur gibt, der Revolution nur spielt – wenn er nicht mit Marian (Eve Hewson) turtelt und beide aussehen wie aus einem Modekatalog, farblich perfekt abge­stimmt und völlig ohne Anbindung.

Der Jugendfreigabe wegen fließt kein Blut

Den Dreh mit dem Araber kennt man aus dem Kevin-Costner-Film von 1991, in dem Morgan Freeman als Sarazene auftrat. ­Jamie Foxx („Django Unchained“) als ­Yahya nun hat aber ein Handicap, das ihn zum Ausbilder wehrloser Zivilisten degradiert. Und Ben Mendelsohn, der in „Bloodline“ und „Ready Player One“ großartig mondäne Bösewichte gespielt hat, macht eine tragische Figur als Choleriker in einem Jäckchen wie aus einem dystopischen Scifi-Fantasy-Thriller.

Der Jugendfreigabe wegen fließt kein Blut, wenn Hände abgeschlagen werden, und Armbrust-Pfeile im Oberschenkel oder in der linken Brust zieht man einfach wieder heraus – Spontanheilung! Weiter geht die bunte Popcorn-Unterhaltung, die jungen Zuschauern vermittelt: Belastet euch nicht mit historischen Fakten, die Welt lässt sich nach Belieben völlig neu konstruieren als digitaler Spielplatz. Bathurst hat in Interviews behauptet, er habe die Verwerfungen der Gegenwart spiegeln wollen; in Wahrheit benutzt er den Robin- Hood-Mythos nur – und das offene Ende droht eine Fortsetzung an.