Kirchberger-Ausstellung in Bad Boll Als Musiker hätte er Punk gemacht

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Der Künstler Günther C. Kirchberger genießt weltweit Anerkennung. Die Schloss-Filseck-Stiftung der Kreissparkasse verwaltet seinen Nachlass und zeigt Ausschnitte seines Werks.

Satte und klar:  Günther C. Kirchberger Foto: Horst Rudel
Satte und klar: Günther C. Kirchberger Foto: Horst Rudel

Bad Boll - Satte Farben, klare Linien, wilder Pinselstrich: diese Bildsprache kann unmöglich das Werk eines 75 Jahre alten Künstlers sein. Kann es doch. Zumindest – wie sich bei einer Ausstellung in der Bad Boller Kreissparkasse zeigt – wenn es sich um das Schaffen von Günter C. Kirchberger handelt, und zwar ganz gleich, ob um sein frühes oder um sein spätes.

Mittendrin in der Szene war der international gefragte, stets bescheidene Schwabe, der im April 2010 gestorben ist, zu jeder Zeit. Er selbst hat nie großes Aufsehen darum gemacht. „Es war ihm eher unangenehm, als Person im Mittelpunkt zu stehen“, erklärte sein langjähriger Galerist, der Konstanzer Kunsthistoriker Stephan Geiger, während der Vernissage.

Beim Blick auf Kirchbergers Bilder fällt es nicht leicht, das zu glauben. Wäre er ein Musiker gewesen, hätte er sich wohl zeitlebens dem Trash-Punk verschrieben, zumindest aber hätte er sich ähnlich extrovertiert geben müssen, wie selbst ein in die Jahre gekommener Mick Jagger das nach wie vor zu tun pflegt.

Ein bodenständiger Avantgardist

Doch Kirchberger war anders, obwohl er sich, und das deutlich früher als viele andere, der weltweiten Avantgarde zugehörig fühlen durfte. 1956 hat sich der gebürtige Kornwestheimer (Kreis Ludwigsburg) bei einem London-Aufenthalt die notwendige Inspiration geholt, um sie im zu dieser Zeit heimischen Stuttgart umzusetzen. Er war Mitbegründer der „gruppe 11“, lebte sich zunächst im Action Painting aus, um dann ins streng Signalhafte der sechziger Jahre einzutauchen. So genannte Hard-Edge-Bilder wurden zu seinem Markenzeichen. „Er hat vieles gemacht, was zu seiner Zeit sonst keiner gemacht hat“, erzählte Geiger. Später sei es um ihn etwas ruhiger geworden.

Kirchberger trat eine Professor an der Werkkunstschule Krefeld an. Es begann die Zeit des Pendelns – und des Lehrens, dem er sich ebenso verschrieb wie seiner Kunst. Viele später prominente Schüler, etwa der Starfotograf Peter Lindbergh, nahm er bei deren ersten Schritten an die Hand. Nach seiner Emeritierung entschloss sich Kirchberger dann 1996 mit seiner Frau Marianne nach Bad Boll zu ziehen, forcierte sein eigenes künstlerisches Schaffen wieder, und brachte sich in das kulturelle Leben ein.

Schloss-Filseck-Stiftung verwaltet den Nachlass

Rasch ergaben sich Kontakte zu Knut Deeg, der für die Göppinger Kreissparkasse in der Unternehmenskommunikation tätig ist, und 1998 fand in den Räumen des Kreditinstituts in der Badgemeinde die erste Kirchberger-Ausstellung statt. Es folgten weitere und aus der Geschäftsbeziehung zu Deeg wurde eine Freundschaft. Der renommierte Künstler begann wieder mit Ölfarben zu malen, die er, wie Deeg zu berichten wusste, „bei seinem Umzug zufällig gefunden hatte“. An seiner Wildheit indes habe sich nichts geändert, ergänzte er. Ebenso bewusst blickte das kinderlose Ehepaar Kirchberger jedoch in die Zukunft, suchte einen Partner, der den künstlerischen Nachlass als Ganzes würde verwalten können. In der Schloss-Filseck-Stiftung der Sparkasse war dieser rasch gefunden.

Mit den rund 400 Werken und einigen hundert Druckgrafiken hat diese nun Großes vor. Der Stiftungsgeschäftsführer Thomas Wolf gab Einblick in die Pläne: „Wir könnten uns, neben einer Dauerausstellung und wechselnden Werkschauen, gut vorstellen, auf dem Schloss ein Kirchberger-Zimmer einzurichten.“ Dorthin ließe sich dann auch das Bad Boller Atelier des Künstlers, das heute noch so aussieht, als hätte er seine Staffelei gerade erst für eine kreative Pause verlassen, transferieren.




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