Kirche im Stuttgarter Norden Segen für Homopaare in Brenzkirche und Co.
In den vier Gotteshäusern der Evangelischen Nordgemeinde können sich Schwule und Lesben das Ja-Wort geben. Allerdings werden sie nur gesegnet, nicht getraut.
In den vier Gotteshäusern der Evangelischen Nordgemeinde können sich Schwule und Lesben das Ja-Wort geben. Allerdings werden sie nur gesegnet, nicht getraut.
Stuttgart-Nord - Glockengeläut, feierliche Orgelmusik und am Ende des Gottesdienstes der Segen von Pfarrer oder Pfarrerin für das gleichgeschlechtliche Paar: Die Württembergische Landeskirche tut sich noch immer schwer damit. Doch die Evangelische Nordgemeinde hat es geschafft. Ab sofort können sich homosexuelle Paare nach ihrer standesamtlichen Trauung in der Erlöser-, Brenz- Christoph- oder Martinskirche segnen lassen. Vergangene Woche hat der Oberkirchenrat dafür grünes Licht gegeben.
Damit ist die Nordgemeinde die zweite Gemeinde nach der Leonhardsgemeinde im Dekanat Stuttgart, die das möglich macht. Allerdings dürfen eine solche Segnung nur ein Viertel der Kirchengemeinden in der Evangelischen Landeskirche anbieten. Und: Eine Segnung ist keine Trauung. „Wir unterscheiden zwischen Trauung und Segnung – wir halten Abstand zur bürgerlichen Gesetzgebung“, stellte Landesbischof Frank Otfried July bei der Landessynode im März 2019 fest.
Damals hat die Synode beschlossen, dass „öffentliche Segnungsgottesdienste anlässlich der Eheschließung gleichgeschlechtlicher Paare“ möglich sein sollen. In Kraft getreten ist die Änderung zum 1. Januar. Damit können Evangelische Kirchengemeinden beim Oberkirchenrat beantragen, Lesben und Schwule segnen zu dürfen. Bevor der Antrag allerdings gestellt werden kann, muss sich der Kirchengemeinderat mit einer Dreiviertelmehrheit für die Segnung aussprechen, und alle Pfarrer einer Gemeinde müssen zustimmen. Außerdem müssen die Gemeindemitglieder durch Veranstaltungen und Informationsabende von den Plänen Kenntnis erhalten. Und sie müssen sich dazu äußern.
In seiner Gemeinde wurde das Thema laut Jochen Maurer, noch bis Ende des Monats Geschäftsführender Pfarrer der Nordgemeinde, nicht kontrovers diskutiert. „Einer unserer früheren Pfarrer war homosexuell. Wir sind als eine der ersten Gemeinden 2015 der Initiative Regenbogen (sie setzt sich für die Gleichstellung Homosexueller in der Evangelischen Landeskirche ein, d. Red.) beigetreten. Und es gab Vorträge und Artikel im Gemeindebrief zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“, stellt er fest. Und der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Christian Schwinge erinnert sich, dass die Entscheidung für die Segnung in der Sitzung einstimmig gefallen ist. „Dass wir bei dem Thema Vorreiter sind, entspricht unserem Selbstverständnis als Christen“, sagt er. Er sagt aber auch, dass er die Position der Gegner der Segnung respektiert.
Die bilden nach Auskunft von Eva Deimling, Referentin von Stadtdekan Søren Schwesig, in der Württembergischen Landeskirche immer noch die Mehrheit. „Die allermeisten Kirchengemeinden sind dagegen“, sagt sie. An der Leonhardskirche, an der sie stellvertretende Pfarrerin war, können sich homosexuelle Paare bereits seit Mitte Februar segnen lassen. Ende Mai werden dort zwei Männer gesegnet, und es gibt einen weiteren festen Termin. Auch in der Leonhardgemeinde stimmte der Kirchengemeinderat einstimmig für eine Segnung. Bei der Diskussion mit Gemeindemitgliedern habe nur ein älterer Mann sein Unverständnis geäußert.
Von den 17 Gemeinden im Dekanat Stuttgart strebenaktuell derzeit die Kirchengemeinden Ost, die Petrusgemeinde in Gablenberg und die Thomasgemeinde in Kaltental die Segnung homosexueller Paare an. Schwierig wird’s, wenn mehr als ein Viertel der Gemeinden in der Landeskirche die Segnung anbieten wollen. Deimling: „Dann muss man sich was einfallen lassen.“ Stadtdekan Schwesig stellt fest, dass mit der Segnung zwar ein Anfang gemacht ist, das aber nicht der Schlusspunkt sein könne. „Ich hoffe, dass ich auch noch Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare erlebe.“ Der Unterschied: Bei der Trauung wird der Ehebund gesegnet. Bei der Segnung kommt das Wort Ehebund gar nicht vor. Gesegnet wird das Paar.