Nach zwei Coronajahren mit Einschränkungen ziehen jetzt die Sternsinger wieder von Haus zu Haus. Sie bringen den königlichen Segen und sammeln Geld für Kinder in Not.

Gespannte Betriebsamkeit im katholischen Gemeindezentrum Untertürkheim. Nach zwei Coronawintern mit Einschränkungen bereiten sich Kinder und Jugendliche in der ersten Januarwoche auf ihre Mission vor: Mit Begeisterung tauschen sie ihre Jacken gegen festliche Gewänder und setzen sich eine goldene Krone auf den Kopf. Schnell schlüpfen sie vom Ferienkind in die Rolle der Heiligen Drei Könige.

Auf die Tube mit der Theaterschminke wird verzichtet. „Aus politischen Gründen wird kein Gesicht mehr dunkel gefärbt“, sagt Xenia Diem. Die Ehrenamtliche organisiert die Sternsingeraktion in Untertürkheim. Ein Dutzend Kinder und Jugendliche hat sich für den traditionellen Brauch zu Jahresbeginn gemeldet. Viele Jugendliche sind seit Kindesbeinen an dabei. Karl, Mila, Hanna und Marie sind durch die Sternsinger AG der Luginslandschule dazugestoßen. „Irgendwie gehört die Sternsingeraktion zum Jahresbeginn. Es macht Spaß, den Menschen eine Freude zu bereiten“, sagt Lydia. „Und wir tun zudem noch etwas Gutes für Gleichaltrige in der Welt“, ergänzt ihre Freundin Mila.

Die Untertürkheimer Weisen aus dem Morgenland erfüllen eine doppelte Mission: Zum einen bringen sie den Segen zu den Menschen ins Haus, zum anderen sammeln sie „Gaben“ für Kinder in Not. „Dieses Jahr kommen die Spenden der Bürgerinnen und Bürger auch einem Kinderhilfsprojekt für Kinder in Indonesien zugute“, sagt Karl.

Königlicher Segen am Türrahmen

Dass der persönliche Besuch von den Bewohnerinnen und Bewohnern – vor allem nach zwei Jahren Pandemie – geschätzt wird, merken die Könige schnell. Begleitet von Franziska Kirn-Reinhardt machen sich Lydia, Karl, Mila, Tim, Marie und Hanna auf ihre Tour durch die Wallmersiedlung und einen Teil von Alt-Untertürkheim. Die Liste mit Namen der Kirchgänger, die sich einen Besuch wünschen, weist den Sternsingern den Weg. An mehr als 200 Haushalte in Untertürkheim, Luginsland und Rotenberg werden die Dreier- bis Sechser-Gruppen von Montag bis Donnerstag läuten und gespannt warten, ob jemand öffnen.

Sichtlich bewegt steht eine Seniorin unter der Tür. Ein Geldschein wandert in die goldene Box, als „Wegzehrung“ erhalten die Majestäten etwas Süßes. Tim als größter Sternsinger hat die Aufgabe, den traditionellen Segen am Türrahmen zu verewigen. Die meisten Bewohner wünschen einen Aufkleber. Das ein oder andere Mal greift Lydia aber auch zur Kreide und schreibt „20*C+M+B+23“ an die Tür. Mit „Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus. Die Liebe sei mächtig, der Hass sei verbannt, das wünschen die Weisen aus dem Morgenland“ verabschieden sich die Sternsinger und ziehen weiter.