Vor drei Jahren feierte die katholische Kirchengemeinde Wangen bereits Abschied von „ihrer“ Kindertagesstätte in der Buchauer Straße. Das Gebäude, in der auch das Pfarrbüro beheimatet ist, sowie das in die Tage gekommene Gemeindezentrum sollten zeitnah abgerissen werden. Die Kirchengemeinde will in Kooperation mit dem Caritasverband das Kirchengelände neu strukturieren. Auf dem Eckgelände soll das neue Zentrum St. Christophorus entstehen. Der Stuttgarter Caritasverband will im Rahmen des Projektes „Aufbrechen – katholische Kirche in Stuttgart“ dort zwei Neubauten errichten. Menschen mit mehrfacher Behinderung sollen künftig dort leben und arbeiten. Gleichzeitig wird Raum geschaffen für ein lebendiges Gemeindeleben. Das Kirchengebäude mit dem charakteristischen Turm bleibt natürlich erhalten. Sie wird von der Orts- und der kroatisch-katholischen Gemeinde für Gottesdienste genutzt. Kleinere Gruppen können sich zudem im Kolpingsaal treffen. Zusätzlich soll die Kirchengemeinde an Wochenenden – als Ersatz für den Gemeindesaal – den Mehrzwecksaal im Neubau für größere Veranstaltungen beanspruchen können. Ein spannendes Inklusionsprojekt, das die katholische Kirche wagt.
Ursprünglich war geplant, das bisherige Gebäude in der ersten Jahreshälfte 2022 abzureißen und das gesamte Bauvorhaben bis 2024 abzuschließen. Der Zeitplan ist nicht mehr haltbar. Der Caritasverband als Bauträger geht davon aus, dass mit dem Abbruch erst Ende 2024 begonnen werden kann. Denn der Abschluss des Vorhaben- und Erschließungsplanverfahrens durch die Stadt wird sich voraussichtlich bis Februar 2024 verzögern.„Leider liegt uns weiterhin keine baurechtliche Genehmigung vor“, erklärt Raphael Graf von Deym, Vorstand des Caritasverbands für Stuttgart. Als Gründe für die Verzögerung nenne das Amt für Stadtplanung und Wohnen die Auswirkungen der Corona-Pandemie, personelle Engpässe und die dadurch erforderliche Priorisierung von Großprojekten. Der Zeitverzug wurde auch im Bezirksbeirat angesprochen, oft die Kirchengemeinde kritisiert worden.
Dabei ist sie die Leidtragende. „Wir bedauern, dass sich das Bauprojekt verzögert und die Gemeinde auf ihre neue Mitte warten muss“, erklärt von Deym. „Eine Beschleunigung des Projektes liegt nicht in unserer Hand. Uns ist es aber ein Anliegen, dass das bestehende Gebäude bis zum Baubeginn nicht leer steht, sondern möglichst sinnvoll genutzt wird.“ Im vergangenen Jahr hat der Caritasverband das Gebäude dem Jungen Ensemble Stuttgart für seine Aufführung „Hotel Europa“ zur Verfügung gestellt. Jetzt prüfe man, ob das Gebäude bis zum Abrissbeginn als Wohnraum für Auszubildende oder FSJler genutzt werden könne. Die ehemalige Kita möchte man Gruppen und Initiativen aus Wangen zur Verfügung stellen.
Dieses Gebäude wird dann einem Wohnhaus mit betreutem Wohnen für 18 Menschen mit Behinderung Platz machen. An der Stelle des Gemeindesaals wird ein mehrstöckiger Neubau mit Tiefgarage errichtet. Ins Erdgeschoss wird die Verwaltung der Kirchengemeinde einziehen. Im ersten Obergeschoss werden die Neckartalwerkstätten ein Beschäftigungs- und Betreuungsangebot für die Bewohner des Nachbargebäudes schaffen. Im zweiten und im Dachgeschoss werden neun barrierefreie Wohnungen für Senioren entstehen. Der Mehrzwecksaal kann während der Werkstattzeiten von Mitarbeitern des Förderbereichs und abends für Feste der Gemeinde genutzt werden.
Zukunftsmusik – die Verzögerung hat aktuell Auswirkungen auf die Gemeinde. „Wir bedauern sehr, dass sich das Projekt deutlich verzögert und wir länger als gedacht ohne Pfarramt vor Ort auskommen müssen. Dennoch freuen wir uns über die Kooperation mit der Caritas und sehen das Miteinander zwischen Neckartalwerkstätten, Seniorenwohnungen und Gemeinde als große Chance für Wangen und für unsere Kirchengemeinde“, sagt Pfarrer Andreas Gälle.