Kirchenbezirk Esslingen „Schnupperkurs Kirche“ für junge Menschen

Matthias Vögele (links) und Ulrich Enderle freuen sich auf 300 Konfirmanden im Kirchenbezirk Esslingen. Foto: /Barbara Scherer

Katechismus auswendig lernen war gestern. Heute will der Konfirmandenunterricht junge Menschen auch mit alternativen Modellen für die Kirche gewinnen.

In diesen Tagen sind junge Menschen im evangelischen Kirchenbezirk Esslingen aufgerufen, sich zum Konfirmandenunterricht in Vorbereitung auf ihre Konfirmation im nächsten Jahr anzumelden. Und in den kommenden Wochen finden die aktuellen Konfirmationen statt. Der Konfirmandenunterricht von früher, der oft das reine Auswendiglernen des Katechismus beinhaltete, ist längst abgelöst von offenen Diskussionen über Glaubens- und Sinnfragen, kreativen Beschäftigungen und Gemeinschaftserlebnissen. Das betont Ulrich Enderle, der Jugendpfarrer des Kirchenbezirks Esslingen. Und laut Enderle haben Studien unter Mitgliedern der evangelischen Kirche ergeben, dass der Konfirmandenunterricht als das prägendste Erlebnis im Hinblick auf die Kirchenzugehörigkeit genannt wird. Für Enderle ist die Konfirmation beziehungsweise die Vorbereitung darauf die „letzte Einstiegsmöglichkeit“ in Kirche.

 

Rund 300 Mädchen und Jungen im Alter von 14 Jahren haben sich bei Pfarrer Matthias Vögele, im Kirchenbezirk für die Konfi-Arbeit zuständig, angemeldet. Die Vorbereitungszeit startet für gewöhnlich mit einem „Konfi-Camp“, gefolgt von Mittwochsnachmittagen, an denen sich die Jugendlichen regelmäßig treffen, und etlichen Samstagen für unterschiedliche Aktivitäten. Bei Vögele wird gemeinsam gekocht, handwerklich gearbeitet oder ein Theaterstück eingeprobt. „Wir bringen in unserer Konfi-Arbeit auch die unterschiedlichsten Schultypen zusammen“, betont Vögele. Die Jugendlichen begegneten sich in einem leistungsfreien und geschützten Raum. Vögele berichtet von „suchenden und fragenden“ jungen Menschen, die ihre Fragen nach Sinn und Glauben stellen können – jede und jeder auf ihre und seine individuelle Art. Das Gemeinschaftserlebnis mache Gemeindearbeit praktisch erfahrbar. „Konfi als Schupperkurs Kirche“, nennt es Vögele. Er und Enderle finden es nicht schwer, junge Menschen auch über die Konfirmation hinaus in der Kirche zu halten – wenn man ihnen den Raum gebe, ihre Themen selbst zu gestalten. Das betrifft laut Vögele auch Konfirmanden, die sich nach ihrer Konfirmation zu Jugendleitern ausbilden lassen, ihrerseits dann Jungen und Mädchen auf die Konfirmation vorbereiten oder sich in der Jugendarbeit der Gemeinden engagieren.

„Konfi light“ als Alternative

Es gibt seit der Jahrtausendwende einen alternativen Ansatz, Kinder für Kirche zu begeistern – mit dem Programm „Konfi 3“. Es wendet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 3, also an Neunjährige, die mit anderen, meist spielerischen Formaten an kirchliche Themen herangeführt werden sollen. Dieses Modell ist optional und wird nur in rund 20 Prozent der Kirchengemeinden in Württemberg genutzt. Die Notwendigkeit alternativer Formate sehen Vögele und Enderle sowieso, denn der Trend zeige in eine Zukunft, in der sich immer weniger Menschen kirchlich orientierten. Wie in den ostdeutschen Bundesländern. Dort ließen sich junge Menschen kaum für die für sie hohe Hürde der Konfirmation gewinnen, wohl aber für etwas, das Enderle „Konfi light“ nennt – etwa in Form einer Segnungsfeier

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