Kirchheim Die Autobahn wird zum Schlachtfeld

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Eine Wildschwein-Rotte quert die Autobahn. Sieben Tiere bleiben auf der Strecke.

Ein zerbeultes Auto zeugt von der Wucht des Aufpralls. Foto: 7aktuell/Moritz Bassermann
Ein zerbeultes Auto zeugt von der Wucht des Aufpralls. Foto: 7aktuell/Moritz Bassermann

Kirchheim - Auf der von Scheinwerfern erhellten Autobahn muss es ausgesehen haben wie auf einem Schlachtfeld. Verbeultes Blech, gesplittertes Glas, Karosserieteile über eine Strecke von mehreren hundert Metern über den Asphalt verteilt und dazwischen sieben tote Wildschweine. Die Tiere hatten keine Chance, die Autofahrer auch nicht.

In der Nacht zum Sonntag, gegen 2 Uhr, hatte eine Wildschweinrotte die Autobahn 8 auf Höhe der Anschlussstelle Kirchheim/Teck-West überqueren wollen. Auf der Fahrbahn in Richtung Stuttgart wurden die Tiere nacheinander von drei Autos erfasst und überrollt. Eine Frau schleuderte Angaben der Polizei zufolge mit ihrem Auto nach dem Zusammenprall mit den Tieren in die Leitplanke und zog sich dabei leichte Verletzungen zu. Sie wurde vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht. Die Fahrer der beiden anderen Autos blieben unverletzt. Augenzeugen zufolge steckte eines der getöteten Tiere im Kühlergrill eines VW-Busses.

Ein Tier steckt im Kühlergrill

Um zu schauen, ob sich weitere verletzte Tiere im Bereich der Autobahn befanden, kreiste ein mit einer Wärmebildkamera ausgestatteter Polizeihubschrauber über der Unfallstelle. „Wir wollten vor allem sicherstellen, dass sich keines der Tiere noch im Mittelstreifen zwischen den Richtungsfahrbahnen verkrochen hat“, sagte ein Polizeisprecher. Erst knapp drei Stunden später konnte die Strecke wieder freigegeben werden.

Noch in der Nacht hat die Polizei den zuständigen Jagdpächter verständigt, der eine weitergehende Suche veranlasst hat. „Der Hubschrauber genügt nicht. Der Jagdpächter muss zwingend eine Nachsuche veranlassen“, erklärt German Kälberer, der Kreisjägermeister der Jägervereinigung Kirchheim/Teck. Verletzte Tiere könnten noch weit von der Unfallstelle entfernt einen Unterschlupf finden. Um sie aufzuspüren, verfüge die Jägervereinigung über speziell ausgebildete Kollegen mit Spürhunden, die über Reviergrenzen hinweg berechtigt sind, die Tiere zu verfolgen und zur Strecke zu bringen.

Im Herbst steigt die Zahl der Wildunfälle

Im Herbst, ebenso wie im Frühjahr, steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, dass es auf den Straßen zu Wildunfällen kommt. Besonders häufig und wegen der Schwere der bis zu 200 Kilogramm wiegenden Tiere besonders gefährlich sind Zusammenstöße mit Wildschweinen. „Es gibt immer mehr Wildschweine. Entsprechend steigt auch die Zahl der Unfälle“, sagt Kälberer. Dass sich Tiere auf die Autobahn verirren, sei allerdings eher selten. „In der Regel sind Autobahnen durch Zäune gesichert. Möglicherweise war das an dieser Stelle wegen der Bauarbeiten an der ICE-Trasse nicht der Fall“, vermutet der Kreisjägermeister.

Seinen Worten zufolge ist der Bereich rund um das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb eher ein Unfallschwerpunkt. „Und seit auf der Strecke zwischen Kirchheim-Nabern und Weilheim vor einem halben Jahr der Zaun abgebaut worden ist, hat es dort bestimmt schon zehn Mal gekracht“, sagt Kälberer. Weil die Polizei zu Wildunfällen keine Statistik führe, sei der Deutsche Jagdverband derzeit dabei, ein Tierunfallkataster aufzubauen. „So können wir wenigstens nachvollziehen, wo es gefährlich ist“, sagt Kälberer.