K.I.Z. in Stuttgart Partystimmung beim provokanten Berliner Rap

K.I.Z. in der Stuttgarter Schleyerhalle Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die Berliner Rapper K.I.Z haben über zwei Stunden lang im großen Stil gefeiert in der Stuttgarter Schleyerhalle: mit Satire, Moshpits und Feuer.

Aus dem Off ist eine Frauenstimme zu hören. Sie beschreibt eine psychiatrische Klinik, in der es viel zum Wohlfühlen gibt – vor allem Musiktherapie sei sehr wichtig. Und da erscheint mit einem großen Knall das Berliner Rap-Trio K.I.Z auf die Bühne, in weißer Insassenkluft, auf den Rücken die Aufschrift „Nervenheilanstalt Birkenhain“.

 

Das Bühnenbild ist ebenfalls im Stil einer Klinik gehalten. Dorther sind die Berliner Rapper scheinbar geradewegs in die Stuttgarter Schleyerhalle entsprungen, um am Dienstagabend ihren Fans über zwei Stunden lang einzuheizen. „VIP in der Psychiatrie“ ist der erste Titel des Abends und Pogo tanzen lautet die Devise, passend zum Song.

HipHop verschmilzt mit Punk

Das Konzert ist zwar nicht ausverkauft, die Halle aber gut gefüllt mit Männern und Frauen, die K.I.Z feiern wollen . Es ist ein Konzert von seltener Länge, die über zwei Stunden vergehen ohne Längen. Dafür sorgen auch die Fans. Sie bilden in den vorderen Reihen unentwegt Moshpits, als wollten sie HipHop und Punk miteinander verschmelzen zu einer Art Punk-Hop. In einem Post fragte die Band schon vorneweg, ob das Konzert „ehrenlos“ oder „ehrenhaft“ werden würde. Die Antwort ist eindeutig: „Ehrenlos“, auch das ein Songtitel.

K.I.Z sind auf Tour zu ihrem sechsten Studioalbum „Rap über Hass“, die coronabedingt vom Frühjahr in den Herbst verschoben werden musste. An diesem Abend sind einige „Klassiker“ zu hören, wie sie selbst diese Stücke nennen: „Hurra die Welt geht unter“, oder „Ein Affe und ein Pferd“. Im Vorprogramm war der Rapper Audio88 zu sehen und zu hören, der später noch für zwei Songs auf die Bühne kommt.

Bitterböse Satire

Tarek, Nico und Maxim pflegen bitterböse Satire und Ironie. Ihre derben Texte sollte man oder frau auf mehreren Ebenen verstehen und auch als Spiegel denken. K.I.Z gehe es darum, „progressiv Leute zu beleidigen“ und Dinge zu sagen, die man sonst nicht so sagt. Das führt unter anderem zur inflationären Verwendung von Begriffen wie „Hurensohn“ oder „ficken“. Manche Texte klingen, als wären es Mitschriebe aus Bargesprächen. Die Band sagt, das Leben würde sie ihnen liefern.

Das Bühnenbild an diesem Abend nimmt immer wieder andere Formen an: Es wird zum Club, zum Späti, zum Plattenladen, zum Weinkeller, zum Waffenladen, zum Bunker. Auch die Band wechselt noch ihr Outfit und trägt irgendwann Uniformen. Feuerfontänen heizen in der Halle ein. Es gibt Glitzer und Konfetti.

Jedes Jahr ein Konzert zum Weltfrautentag

K.I.Z sind gesellschaftskritisch und haben eine politische Botschaft. Sie seien „Batman der Linken“, sagen sie. Das geschieht ganz reflektiert. In ihrem Instagram-Kanal ist dann zu lesen, dass sie „dankbar dafür sind, in einem Land leben zu dürfen, in dem es möglich ist, auch solche Zeilen zu rappen“.

Seit 2011 geben die drei Rapper regelmäßig ein Konzert zum Weltfrauentag – nur für Frauen. Auch dieses Jahr tun sie dies wieder in Köln. Sie parodieren in ihren Texten toxische Männlichkeit. Was die Abkürzung K.I.Z genau bedeutet, kann keiner so genau sagen. „Kannibalen in Zivil“ wird häufig genannt, oder auch „Klosterschüler im Zölibat“. Ihr Konzert an diesem Abend in Stuttgart ist in jedem Fall ein großes Event – die Fans sind voll auf ihre Kosten gekommen.

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