Philip Hopf (links) und Kiarash Hossainpour betreiben den Podcast „Hoss und Hopf“, der auch auf Youtube zu finden ist. Foto: Youtube/Hoss & Hopf
Philip Hopf ist Finanzunternehmer. Nebenher betreibt er einen Podcast, mit dem er über Tiktok und YouTube Jugendliche mit seinem Weltbild infiltriert. Es geht um vieles – auch ums Geschäft.
Die Frau mit ihrem Rollator ist etwas verdattert. Gerade hat ihr ein wildfremder Mann auf der Straße mehrere Hundert Euro in die Hand gedrückt. „Vielen Dank, dass Sie Deutschland aufgebaut haben“, sagt der, und schon wird der nächste Rentner bedacht. Ein kurzes Video, zu sehen auf Tiktok und auf anderen Kanälen, hält die berührenden Momente fest. „Super Aktion“, schreibt jemand in den Kommentaren. Es regnet Herzen, viele sind blau – so färben AfD-Anhänger ihre Emojis.
Der Mann, der da in Spendierhosen durch den Stuttgarter Osten läuft, heißt Philip Hopf. Der Geschäftsführer des Finanzunternehmens HKC Management mit Sitz in der Olgastraße verfolgt mit dem zur Schau gestellten Altruismus eine klare Botschaft: „Ich muss den Rentnern helfen, weil sie sonst im Müll nach Flaschen suchen müssen“, sagt der 39-Jährige in einem seiner Podcasts. Soll heißen: Wenn der böse Staat weg ist, wird alles gut. Denn so tief ist Deutschland aus seiner Sicht gesunken. Die Ampel-Regierung verschleudere das Geld in aller Welt und habe nichts für die Ärmsten im eigenen Land übrig.
Den Podcast „Lanz & Precht“ auf Spotify überholt
Hopf ist erfolgreich – wohl an den Finanzmärkten, vor allem aber im Internet. Sein Podcast „Hoss und Hopf“, bei dem er mit dem jungen deutsch-persischen Crypto-Investor Kiarash Hossainpour über „allgemeine politische Themen“ plaudert, hat es mittlerweile bis in die Spitze der deutschsprachigen Podcast-Charts geschafft. Bei Spotify haben die beiden sogar „Lanz & Precht“ hinter sich gelassen. Er befasse sich eben mit polarisierenden Themen, erklärt Hopf gegenüber unserer Zeitung sein Erfolgsrezept. „Das trauen sich viele nicht mehr.“
In diesem Haus in der Stuttgarter Olgastraße sitzt die Firma von Philip Hopf. Foto: red/Wein
Hossainpour ist vor einiger Zeit von Berlin nach Dubai umgesiedelt. Hopf harrt im „Hochsteuerland Deutschland“ aus. Doch es gibt aus seiner Sicht Hoffnung, wenn man ins AfD-Programm schaut. Das analysiert er in den Podcasts genauso „vorurteilsfrei“ wie zuvor die Programme der Querdenkerpartei „Die Basis“ und der SPD. Die AfD plane viele Steuersenkungen, lobt er nach der Durchsicht. „Das hätte ich gar nicht gedacht.“ Einen Minuspunkt gibt es allerdings dafür, dass sich die Partei nicht zu Kryptowährungen äußere.
Ein Youtuber hält dagegen
Hopf habe einen unglaublich großen Einfluss, gerade auf jüngere Nutzer, sagt Marwin Klages. Der 20-jährige Youtuber, der in Berlin Grundschullehramt studiert, warnt in einem Video vor dem Treiben der beiden „Selfmade-Millionäre“. In seinem Video widerlegt er Falschaussagen, die Hopf immer wieder verbreitet: dass Deutschland das höchste Steuerniveau in Europa habe, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufgenommen habe als der Rest Europas zusammen, dass deutsches Leitungswasser giftig sei. „Das lässt sich alles googeln“, sagt Klages.
Allerdings seien schon die Themen fragwürdig. „Werden wir von einem versteckten System kontrolliert?“ „Warum bauen die Eliten Bunker auf Hawaii?“ „Hochverrat durch Bundeskanzler Scholz?“ – kaum ein Verschwörungsmythos, der von „Hoss und Hopf“ nicht bearbeitet werde. Im Ergebnis bleiben sie dabei meist im Nebulösen – irgendetwas wird schon dran sein.
Teil einer rechtslibertären Subkultur
Das Fatale aus der Sicht von Klages: Über die Plattform Tiktok prasselten die Botschaften der beiden ungefiltert und zugespitzt schon auf 14-Jährige ein. Dabei müssen Hoss und Hopf ihre Youtube-Sendungen nicht einmal selbst auf das Tiktok-gängige Anderthalb-Minuten-Format zusammenstutzen. Sie forcieren die Verbreitung in Form eines Wettbewerbs unter jugendlichen Kanalbetreibern. Wer mit seinem Zusammenschnitt mehr als eine Million Klicks generiert, profitiert von der Ausschüttung von 2000 Euro. Zuspitzen lohnt sich also. „Das polarisiert unheimlich.“
Auch Michael Blume, der baden-württembergische Beauftragte gegen Antisemitismus, verfolgt den Podcast mit Sorge. Für ihn ist er Teil einer „rechtslibertären Subkultur, die vor allem junge Männer anzieht“ und den „Bitcoin als Befreiungsbewegung“ darstelle. Der entfesselte Markt werde in ihr zum Star, alle staatliche Regulierung zum Problem. „Wer nicht sein komplettes Leben auf Krypto-Investitionen und Tiktok-Reichweite aufgebaut hat, wird in einer solchen Welt als Versager hingestellt, als NPC, also Nichtspielercharakter“, sagt Blume.
Kaffeesatzleserei für 100 Euro
Hans-Peter Burghof, Professor an der Universität Hohenheim, hält Hopfs Youtube-Aktivitäten für eine „Customer-Journey der besonderen Art“. Mit den teils drastischen politischen Meinungsäußerungen werde die aktuelle Unzufriedenheit mit der Politik genutzt, um Zusammenhalt in der gemeinsamen Empörung zu schaffen, sagt der Finanzwissenschaftler. Die wirtschaftlichen Interessen dahinter seien leicht zu erkennen. Es gehe darum, die eigenen Angebote bekannt zu machen.
Technische Analysen, wie sie HKCM für 100 Euro – teilweise auch schon für taschengeldgängige 25 Euro – pro Monat und Produktgruppe an 22 600 Kunden verkauft, seien in der Wissenschaft umstritten. Für Burghof sind sie „Kaffeesatzleserei“. „Wenn es so einfach wäre, die Entwicklung von Preisen an Kapitalmärkten vorherzusagen, müsste niemand arm bleiben. Und niemand, der es verstanden hätte, würde versuchen, es anderen beizubringen“. Denn das würde ja nur den Gewinn schmälern. Im Schnitt sei der Privatanleger bei solchen Modellen immer der Verlierer, „und sei es durch die mit dem häufigen Handeln verbundenen Transaktionskosten“.
Die Fans mögen die Kritik nicht
Ihre wachsende Fangemeinde aber feiert „Hoss und Hopf“ für ihre „ungeschminkten Wahrheiten“. Gerade für Jugendliche sind sie die großen Stars. „In meiner Klasse sind nur Loser“, schreibt ein 16-Jähriger und bittet die beiden Idole um Hinweise, wie er in die richtigen Kreise hineinkommen könnte. Kritiker wie Marwin Klages haben es da nicht leicht. Seit er sein Video hochgeladen hat, erreichen ihn derbe Beschimpfungen, allerdings vor allem von älteren Usern. Er solle erst einmal erwachsen werden, lauten noch die zahmsten Kommentare. Sachlich diskutiere keiner. „Sogar eine Morddrohung habe ich erhalten.“