Der Eduard-Pfeiffer-Platz hat schon jetzt seine schönen Ecken. Die Steinbänke neben dem Trinkwasser-Brunnen und dem Denkmal sind besonders begehrt. An diesem Platz, der eigentlich eine große Kreuzung von fünf Straßen ist, geben sich die Menschen aber auch mit Behelfsplätzchen zufrieden. So setzen sich die Familien auf die Gehsteigkante, um das Eis der noch recht neuen, aber schon legendären Schleckerei zu genießen. Sie hocken in Hauseingängen und auf Fenstersimsen, es wuselt überall an diesem warmen April-Nachmittag.
Vom gelben Tischchen mit den zwei Klappstühlen vor seinem Salon hat Mariusz Kloz einen guten Blick auf das Treiben. Der Friseur, der erzählt, dass er in Polen geboren und aufgewachsen ist, schneidet hier seit mehr als 30 Jahren Haare. Man muss aber nicht unter die Schere, um einen Kaffee aufs Haus zu bekommen, wie eine Tafel am Eingang verspricht.
Sieben bis neun Parkplätze weniger
„Ich bin dafür, etwas zu ändern, ich finde Neues immer gut“, sagt der Friseur. „Auch wenn ich ein paar Jahre eine Baugrube sehe. Es würde die Gegend beleben.“ Was Kloz meint, sind die Pläne, aus der Ostheimer Kreuzung einen echten Platz zu machen. Weil dafür aber den Autofahrern sieben bis neun Parkplätze abgeknapst werden sollen, kocht die Stimmung in der Siedlung an manchen Stellen hoch. Es hat sich eine Gegnergruppe formiert, aus Fenstern an der Neuffenstraße hängen gelbe Banner mit Sprüchen wie „Wir sagen Nein“ oder „Stoppt Umgestaltung“.
Unter Stadtplanern ist es derweil landauf, landab ein Thema, dass Städte sich verändern sollten; angesichts steigender Temperaturen und Starkregen durch den Klimawandel sind Konzepte von der blau-grünen Stadt in Fachkreisen längst in aller Munde. Gemeint ist damit: weniger versiegelte Fläche und mehr Bäume, um die Sturzfluten eines Extremwetters besser an Ort und Stelle zu halten – damit das Wasser an heißen Tagen zur Abkühlung wieder verdampft. Die Idee dahinter: die Stadt als Schwamm.
Beispiel ist auch der Bismarckplatz in Stuttgart
Auch in Stuttgart soll sukzessive Asphalt gegen Grün getauscht werden. „Bei sämtlichen Neubau- und Umgestaltungsmaßnahmen im öffentlichen Straßenraum prüfen wir generell, ob und wie die Prinzipien des Schwammstadt-Konzepts umgesetzt werden können“, sagt ein Sprecher der Stadt. Einige Plätze befänden sich in der Planung, wie der Bismarckplatz oder der May-Ayim-Platz alias Gutenbergplätzle.
Der Schützenplatz in Stuttgart-Mitte ist seit ziemlich genau einem Jahr fertig; der einstige Parkplatz, der jetzt ein Ort zum Verweilen ist, gilt der Stadt als Paradebeispiel. „Die Umgestaltung war insofern einfacher, weil sich dort relativ früh eine Anliegergruppe bildete, die konstruktive eigene Ideen eingebracht hat“, erklärt der Sprecher. „Beim Eduard-Pfeiffer-Platz gibt es eine Mehrheit von Anliegern, die eine Umgestaltung befürwortet, und eine relativ kleine Minderheit, die jegliche Umgestaltung des Eduard-Pfeiffer-Platzes ablehnt.“ Der Bezirksbeirat Ost werde voraussichtlich am 24. April entscheiden, wie es weitergeht.
Die Stadt verfolgt allerdings nicht an allen Stellen in Stuttgart den Plan, dass Autos Platz machen für Neues. So gibt es aktuell eine lokalpolitische Debatte um den Bihlplatz in Stuttgart-Süd. Der Bezirksbeirat möchte hier mehrheitlich umbauen, was allerdings zehn Parkplätze kosten würde. Die Stadt ist dagegen. Das Argument: „Die Stadtverwaltung spricht sich nicht gegen die Entfernung der unschönen Parkplätze auf dem Bihlplatz aus“, sagt der Sprecher, „sondern plädiert nur für eine Erhaltung der Parkplätze, weil keine geeigneten Ersatzparkplätze geschaffen werden können“.