Klimafreundliche Kraftstoffe Keine Erlaubnis für sauberen Care-Diesel
Der Kraftstoff, der die Dienstwagenflotte der Bosch-Geschäftsführung antreibt, bleibt für private Autofahrer unzugänglich.
Der Kraftstoff, der die Dienstwagenflotte der Bosch-Geschäftsführung antreibt, bleibt für private Autofahrer unzugänglich.
Stuttgart - Entgegen den Hoffnungen des Autozulieferers Bosch und der Kraftstoff-Industrie darf der klimafreundliche Care-Diesel auch künftig nicht an deutschen Tankstellen verkauft werden. Mit dem Spezial-Kraftstoff, der aus Abfallstoffen wie Tierfett oder Pflanzenresten gewonnen wird, kann die CO2-Emission von Verbrennungsmotoren um mehr als 60 Prozent verringert werden.
Bosch setzt den so genannten paraffinischen Diesel seit einem Jahr testweise in den Dienstwagen der Geschäftsführung ein und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Er kann theoretisch in jedem Dieselfahrzeug ohne Änderung an den technischen Systemen verwendet werden. Für Normalverbraucher allerdings bleibt der Sprit in seiner Reinform weiterhin unzugänglich. Denn die Bundesregierung hat sich dagegen entschieden, eine Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes zu ändern.
Kraftstoffe der Europanorm EN 15940, zu denen auch der Care-Diesel gehört, werden an deutschen Tankstellen – wie schon in der Vergangenheit, aber im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – in Deutschland nicht erlaubt. Allenfalls eine Beimischung zu normalem Dieselkraftstoff ist zugelassen. Bosch hatte sich im Sinne der Klimadiskussion dafür ausgesprochen, die Rechtsverordnung anzupassen und sich dabei an den europäischen Nachbarländern zu orientieren. „Leider wurde bei der Neufassung der Richtlinie eine große Chance verpasst, CO2-reduzierten Kraftstoffen in Deutschland zu einer größeren Verbreitung zu verhelfen“, sagt Ansgar Christ, Produktmanager für Pkw-Antriebssysteme bei Bosch: „Endverbraucher hätten sicher gerne die Chance gehabt, an der Tankstelle einen weitgehend CO2-neutralen Kraftstoff tanken zu können.“
Beim Umweltbundesamt erklärt man die Entscheidung zum einen damit, dass die insgesamt geringen Mengen des Diesels, der sich aus Abfallstoffen gewinnen lässt, gegen die Nutzung im Straßenverkehr sprächen. Dort gebe es mit der Elektromobilität in weiten Bereichen eine Alternative. Zum zweiten sei technisch nicht auszuschließen, dass auch Palmöl zur Herstellung verwendet werde. „Dessen energetische Nutzung ist jedoch nur wenig nachhaltig und daher nicht gewollt“, betont Philipp Eichler, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, im Interview unserer Zeitung.
Die Care-Diesel-Frage wirft ein Schlaglicht auf die Debatte um Klimaschutz und neue Mobilitätsformen. Dabei plädiert Bosch wie auch andere Zulieferer und Autohersteller für ein technologie-offenes Vorgehen. Demgegenüber treten beispielsweise VW und die Bundesregierung angesichts strenger EU-Grenzwerte für die Konzentration auf strombetriebene Autos und den Ausbau der Ladeinfrastruktur ein.