Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Bauherren hängen in der Luft
Das knallgelbe Hausnummernschild soll im Straßenbild auffallen. Schließlich ist Nachahmen ausdrücklich erwünscht: Gebäude haben mit bundesweit rund 120 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) im Jahr einen bedeutenden Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland. Mit der Auszeichnung, so Eininger, erhalten die Bauherren nicht nur eine offizielle Anerkennung ihrer nicht unerheblichen finanziellen Investition, sondern auch das gute Gefühl, das „Richtige“ getan zu haben.
Neubau auf den Mauern eines alten Stalls
Dieses Gefühl haben Wilfried Veeser und seine Frau Dorothea, die seit Dezember in ihrem Neubau mit KfW-Effizienzhausniveau 55 wohnen. Auf dem Weiler Schafhof entstand in nur neun Monaten ein modernes klimabewusstes Mehrfamilienhaus, das auf einem alten Viehstall aufgebaut wurde. Der Wendlinger Architekt Michael Gruber nahm sich des über 113 Jahre alten Gebäudes an: Der ursprüngliche Heubarn konnte abgetragen und eine neue Decke über der alten aufgebaut werden. Der auf dem Stall aufliegende Neubau ist ganz aus Holz. „Insgesamt wurden rund 240 Kubikmeter Holz verbaut, zusätzlich noch 150 Kubikmeter Zellulose, also Recyclingmaterial“, berichtet Veeser. Durch die Holzbauweise mit entsprechender Dämmung, einer Wärmeluftpumpe und einer Fotovoltaikanlage auf dem wieder errichteten Walmdach entstand so ein modernes klimabewusstes Haus, das jetzt neben fünf Wohneinheiten eine Beratungsfirma, eine gemeinnützige Bildungsarbeit und im alten Stall des Erdgeschosses die neu gegründete gemeinnützige Gesellschaft reNature People beherbergt.
Lesen Sie aus unserem Angebot: KfW-Förderstopp – was tun?
Ein „Klimahaus“ soll das Interesse der Bürger an gutem, energetischem Standard wecken. Es soll Bauwilligen wertvolle Anregungen liefern und die vielfältigen Möglichkeiten energieeffizienten Bauens und Renovierens aufzeigen, erläutert die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, Christine Griebel. Dabei geht es nicht nur Klimaschutz: „Eine durchdachte Sanierung mit dem Blick fürs Ganze reduziert die Energiekosten um bis zu 80 Prozent, macht unabhängig von steigenden Energiepreisen und stellt eine sichere Altersvorsorge dar.“
Mehr als 200 Wohngebäude wurden prämiert
Das Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ ist ein landesweites Projekt und wird mit einheitlichen Kriterien in mehreren Kommunen vergeben. Inzwischen gibt es bereits mehr als 200 prämierte Wohngebäude, darunter gut 80 Neubauten, berichtet Matthias Rauch von der federführenden Landesenergieagentur KEA-BW. Die ausgezeichneten Klimahäuser im Landkreis Esslingen stehen in neun Städten und Gemeinden: In Kirchheim sind es fünf, in Nürtingen drei, in Beuren zwei, außerdem jeweils eins in Bissingen, Dettingen, Hochdorf, Holzmaden, Köngen und Ostfildern. Die Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser umfassen insgesamt mehr als 30 Wohneinheiten mit einer gesamten Wohnfläche von fast 4100 Quadratmetern. Auch in diesem Jahr nimmt der Landkreis Esslingen wieder Bewerbungen zur Auszeichnung als Klimahaus entgegen, kündigt Griebel an.
Das Teilnahmeformular und weitere Informationen sind bei Christine Griebel per E-Mail an griebel.christine@LRA-ES.de oder unter Telefon 07 11/39 02 43 962 erhältlich.
Klimahaus Baden-Württemberg
Gütesiegel
Das Gütesiegel „Klimahaus Baden-Württemberg“ hat die Landesenergieagentur KEA-BW unter der Schirmherrschaft des Umweltministeriums entwickelt. Sie ist im Hintergrund Dienstleister für die Kommune, die die Hausnummer verleiht. Projektstart war Ende 2014, Anfang 2015. Inzwischen beteiligen sich die Städte Karlsruhe und Pforzheim sowie die Landkreise Böblingen, Rottweil, Esslingen und der Neckar-Odenwald-Kreis.
Voraussetzungen
Als Mindestanforderung gilt seit 1. Februar dieses Jahres im Neubau mindestens der Standard KfW-Effizienzhaus 40, bei Sanierungen KfW-Effizienzhaus 55 oder Denkmal.
Teilnahme
Antragsberechtigt sind Eigentümer, Architekten oder Energieberater. Das Angebot ist für Hausbesitzer kostenlos.