Klimaschutz konkret Autarker Wohnanhänger macht Station in Böblingen

An Fronleichnam auf dem Flugfeld-Parkplatz: Der als Schmetterling daherkommende Wohnanhänger kann mit seinen Kollektorflügeln den Strom für das Elektroauto liefern. Foto: /Drofitsch/Eibner

Auf seiner Reise um die Welt machte der „Solar Butterfly“ Station auf dem Flugfeld in Böblingen und viele Initiativen stellten sich vor. Das mobile Tiny House ist nachhaltig unterwegs und sammelt gute Ideen gemeinsam den Klimawandel aufzuhalten.

Der Landkreis Böblingen kennt viele Gegensätze. Hier Motorcorner mit seinen PS-starken Boliden, dort – nur wenige Metern entfernt auf dem Flugfeld-Festplatz – an Fronleichnam das solarbetriebene Tiny House namens „Solar Butterfly“. Mit seinen aufgefalteten Flügeln steigt es keineswegs in die Lüfte, sondern sammelt fleißig Energie für sich und den Antrieb des Tesla, den Tourdirektor Stefan Kratz durch ganz Europa und mehrere Kontinente steuern will.

 

Schweizer Solar-Pionier will Klimaschützer vernetzen

Los ging es vor wenigen Wochen in der Schweiz, wo Solar-Pionier Louis Palmer das sehr ungewöhnliche Fortbewegungsmittel konzipierte, um es in die Welt auszusenden „auf der Suche nach 1000 Lösungen gegen den Klimawandel“. Auch klimaneutrale Mobilität soll nämlich immer öfter möglich werden. Den Beweis will Palmer mit dem Solar Butterfly einlösen. Dabei handelt es sich um – ein dem Schmetterling ähnliches – sogenanntes Tiny House, also ein kleines, mobiles Haus, das mit großen Fotovoltaik-Flächen und Rädern ausgestattet ist. „Der Solar Butterfly ist komplett autark funktionstüchtig“, betont Stefan Kratz. Dies beinhaltet auch die Wasserversorgung: Das Wasser wird auf dem Dach eingesammelt, mit Solarstrom zu Trinkwasser verarbeitet und für Bad und Küche aufgewärmt.

Nach Reutlingen, Rottenburg und Nagold waren jetzt Böblingen und Sindelfingen Gastgeber. Organisiert wurde die Aktion vom Landkreis Böblingen und dessen Energieagentur sowie den Städten Böblingen und Sindelfingen. Eingefunden hatten sich auch Car-Sharing-Anbieter, Aktivisten von „Omas for Future“, die Energieagentur Böblingen und Spezialisten für Fotovoltaikanlagen mit ihren Ständen.

Sonne satt und starke Windböen auf dem Flugfeld

Nicht nur Sonne satt gab es an Fronleichnam. Wie bestellt sorgten Windböen zur Eröffnung für ein mahnendes Ausrufezeichen in Zeiten des Klimawandels und einige umgewehte Zelte und Stellwände. In seiner Begrüßung betonte Thomas Wagner, Verkehrsdezernent des Landkreises, dass nachhaltige Mobilität in den Kommunen und im Kreis Böblingen gelingen kann, wenn gemeinsam umgesteuert werde.

Auch Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz und Sindelfingens Erster Bürgermeister Christian Gangl begrüßten die Klimaaktivisten und ließen sich das Innenleben des Schmetterlings zeigen, der im Laufe der Reise mit immer neuen nachhaltigen Ideen ausgestattet werden soll. Allein das zulässigen Höchstgewicht von drei Tonnen beschränkt die Möglichkeiten: „Weshalb wir höchstens 50 Liter aufbereitetes Regenwasser mitführen können“, weiß Stefan Kratz, der bereits einige Ideen für eine nachhaltigere Zukunft auf seiner Reise eingesammelt hat. „Ein junger Mann hat mit seiner Idee, Fotovoltaik-Module in entsprechender Höhe wie auf den Blättern einer Sonnenblume anzuordnen schon Preise gewonnen, weil so Flächen geschont werden“, sagte der Tourdirektor und kam auch auf speziellen Humus als Co2-Senke zu sprechen. Dieses neue Projekt sorge dafür, dass Co2 gebunden wird und der Humus noch dazu den Artenreichtum fördere. Finanziert werde das Projekt über das neue klimapolitische Steuerungsinstrument der Co2-Zertifikate.

Solarmodule anordnen wie die Blätter einer Sonnenblume

Das Tiny House stieß auch auf großes Interesse der Besucher. Warum die Kraft der Sonne nie zu 100 Prozent in den Batterien lande, wollte ein Besucher wissen. „Da nie das ganze Lichtspektrum von der Silizium-Schicht der Kollektoren eingefangen werden kann, weshalb in der Raumfahrt auch noch Germanium eingesetzt wird, um das eingefangene Lichtspektrum und damit den Wirkungsgrad zu erhöhen“, wusste es der promovierte Luft- und Raumfahrtingenieur Belz ganz genau. Das speziell von der Hochschule Luzern in der Schweiz entwickelte Gefährt ist gleichzeitig auch ein Wohnmobil, das den Besuchern praktisch aufzeigen soll, wie eine Familie heute ohne CO2-Emissionen reisen, leben und arbeiten kann.

Der Solar Butterfly kann sich dank seiner großen Solarflügel mit insgesamt 80 Quadratmetern auf Knopfdruck in einen Schmetterling verwandeln. „Dies symbolisiert die Transformation – so wie sich die erdgebundene Raupe zum freifliegenden Schmetterling verwandelt, kann sich auch die Gesellschaft von der Nutzung fossiler Treibstoffe hin zu nachhaltigen Energien wandeln“, erklärte Tourdirektor Stefan Kratz. Mit dem selbst produzierten Strom kann der Schmetterling pro Tag über 200 Kilometer gefahren werden. Das Tiny House ist zum größten Teil aus sehr leichtem und neuartigem Ozean-Kunststoff hergestellt. Dieser besteht aus ehemaligen PET-Flaschen.

Ohne CO2-Emissionen reisen, leben und arbeiten

Das Solar-Butterfly-Projekt wird in mehreren Etappen durchgeführt und hat am 23. Mai 2022 mit einer rund 25 000 Kilometer langen Europareise begonnen. Jetzt geht es nach Nordrhein-Westfalen, dann nach Holland und Frankreich, anschließend nach Berlin und Warschau, danach über die baltischen Staaten nach Finnland und zum Nordkap. Es folgen weitere fünf Kontinente, bis das Team am 12. Dezember 2025, pünktlich zum 10. Jahrestag des UNO-Klimaabkommens, in Paris sein Ziel erreicht sein soll.

Der Solar Butterfly

Initiator
Louis Palmer besuchte Böblingen bereits 2011 im Rahmen des von ihm organisierten Zero Emission Race. Zuvor war er 2008 als erster Mensch in einem Solarauto um die Welt gefahren.

Ziel
Spannende Projekte sowie Pioniere aufsuchen, die an Lösungen gegen die globale Erwärmung arbeiten.

Finanzen
Die Kosten für den Bau und die vierjährige Reise werden gedeckt über Crowdfunding, Veranstaltungen und Partner.

Kommunikation
Der Solar Butterfly bietet nicht nur Wohnraum für vier Personen, sondern beinhaltet auch ein integriertes Filmstudio, in dem Berichte über nachhaltige Lösungen und Pioniere aufgezeichnet und über soziale und konventionelle Medien publiziert werden und unter „solarbutterfly.org“ informiert wird.

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