Entwicklung in Stuttgart-Vaihingen So umweltfreundlich sind E-Fuels

Von Götz Schultheiss 

Alle Reden vom Elektroauto. Das ist aber sehr teuer. Bis sich dies ändert, sind synthetische Kraftstoffe, im Idealfall E-Fuels, die Alternative für die CO2-Reduzierung beim Autofahren. In Stuttgart-Vaihingen werden solche entwickelt.

Bis es günstigere Elektrofahrzeuge gibt, könnten weniger betuchte Autofahrer die Staus guten Gewissens  mit E-Fuel angetriebenen Autos genießen. Foto: Sebastian Gollnow
Bis es günstigere Elektrofahrzeuge gibt, könnten weniger betuchte Autofahrer die Staus guten Gewissens mit E-Fuel angetriebenen Autos genießen. Foto: Sebastian Gollnow

Filder - Die Filderebene ist ein gesegneter Landstrich, nicht nur, was den fruchtbaren Ackerboden anlangt. Firmen mit hoher technischer Kompetenz, Universitäten und Forschungseinrichtungen setzen Impulse, die wesentlich sein können, den Kampf gegen die drohende Umweltkatastrophe zu gewinnen.

Seit geraumer Zeit beschäftigen sich Wissenschaftler des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) in Vaihingen damit, wie man mit Strom aus Wasser und CO2 aus der Luft Kraftstoff macht. Damit haben sie Erfolg. Wenn dann der Strom auch noch aus erneuerbaren Energien stammt, dann ist dieser Prozess komplett klimaneutral. Bis man diese E-Fuels in großem Stil herstellen kann, dauert es nach Einschätzung der Wissenschaftler noch rund drei Jahre.

Deutlich besser, aber nicht ganz klimaneutral, sind synthetische GTL-Diesel, die aus Erdgas hergestellt werden. Die Scharr-Gruppe, deren Sitz im Synergiepark ist, betankt damit ihre Stuttgarter Fahrzeugflotte, die aus 35 Lastwagen und 90 Transportern und Autos besteht. Bei Scharr ist man sich bewusst, dass es sich beim so genannten GTL-Diesel um eine Übergangslösung handelt. „GTL-Produkte sind eine Vorstufe für zukünftige strombasierte, regenerative Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, die aus Sicht von Scharr einen wesentlichen Beitrag auf dem Weg zur CO2-Neutralität leisten werden“, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.

E-Fuel wäre eine Brückentechnik bis E-Autos preiswerter werden

Expertenwissen, was die synthetischen Kraftstoffe, also E-Fuels und GTL-Diesel bewirken können, gibt es an der Universität Stuttgart am Institut für Verbrennungsmotoren und Kraftfahrwesen. Professor Michael Bargende, ein Experte für Antriebsstoffe, weist auf ein grundsätzliches Problem hin, denn von der EU gebe es zur CO2-Reduktion schwierige Direktiven. „Wenn wir über Kraftstoffe für Transport und Verkehr sprechen, dann zählen nur die Abgase, die aus dem Auspuff kommen, egal wie klimaneutral die Herstellung ist“, sagt er. Der E-Fuel, den das ZSW klimaneutral herstelle, werde deshalb gar nicht als klimaneutral anerkannt. Anders sehe es bei Kraftstoffen für die Energiewirtschaft aus: „Sie hat ebenfalls die Auflage, bei ihrer Produktion CO2 zu reduzieren. Dabei geht es zum Beispiel um Generatoren, die mit Verbrennungsmotoren betrieben werden. Sie sind beispielsweise für Schnellladestationen von Tesla unverzichtbar, aber auch als Kerosinersatz für die Luftfahrt“, sagt er. Damit gewännen E-Fuels und deren CO2-Neutralität große Bedeutung. Dies werde auch von der EU anerkannt.

Heilsame Wirkung aus höherem Spritpreis und Reduzierung von CO2

Es gebe also „massive Gründe“, synthetische Fuels zu produzieren. Wenn diese ihren Beitrag zur CO2-Reduzierung leisteten, dann werde die EU diesen vielleicht auch für den Verkehrssektor anerkennen. Außerdem sei es für die CO2-Reduzierung der mit Erdgas betriebenen Autos wichtig, bis zu 15 Prozent Wasserstoff ins Erdgasnetz einzuspeisen.

Allein aufs Elektroauto zu setzten, birgt nach Ansicht des Experten Gefahren, denn Elektroautos sind teuer. Wohl mit Anspielung auf die Gelbwestenbewegung in Frankreich sagt er: „Wenn es Autos für rund 15 000 Euro nicht mehr gibt, dann schließen wir Leute, die sich diese gerade noch leisten könnten, vom Individualverkehr aus. Damit wäre meiner Meinung nach der soziale Friede gefährdet.“

Eine bessere Variante sei es, den Kraftstoff zu verteuern und CO2 zu verringern. Ein gutes Beispiel sei Tschechien. Dort gebe es einen überalterten Fahrzeugbestand. „Die Leute dort fahren wenig, weil der Spritpreis im Verhältnis zum Einkommen zwar viel höher ist als in Deutschland. aber dennoch wird niemand vom Fahren mit dem Auto ausgeschlossen“, sagt er. Dann gibt er noch zu bedenken: „Rund 50 Prozent der Autos, die im kommenden Jahr bei uns gekauft werden, fahren noch im Jahre 2030.“

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