Klimawandel in Ludwigsburg Erster Landkreis in Baden-Württemberg mit Hitzeaktionsplan

Die Cool-Map zeigt künftig, wo man sich an heißen Tagen abkühlen kann. Foto: Ralf Poller/Avanti

Der Kreis Ludwigsburg reagiert auf die steigende Zahl von heißen Tagen und stellt den Kommunen einen Maßnahmenkatalog zur Seite, wie Menschen vor Hitze geschützt werden können. Bei der genauen Ausarbeitung sind auch die Bürger gefragt.

Ludwigsburg : Anna-Sophie Kächele (ask)

Mehr heiße Tage, weniger abkühlende Nächte: Der Klimawandel ist längst messbar. Der Landkreis Ludwigsburg ist von den erhöhten Temperaturen noch stärker betroffen als Baden-Württemberg. Die durchschnittliche Temperatur lag im Jahr 2022 1,3 Grad über dem landesweiten Wert. Zwischen 2011 und 2022 waren es im Landkreis 18 heiße Tage mit über 30 Grad – vier mehr als in den zehn Jahren zuvor.

 

„Es wird insgesamt zu wenig verstanden, welches Gesundheitsrisiko Hitze darstellt“, sagt Robin Maitra, Klimaschutzbeauftragter der Landesärztekammer. Der Hemminger Arzt hat 2022 gemeinsam mit Karlin Stark, Leiterin des Gesundheitsdezernats, einen runden Tisch ins Leben gerufen, um einen Hitzeaktionsplan zu erarbeiten. Ludwigsburg ist damit der erste Landkreis in Baden-Württemberg mit einer Strategie.

Gesundheit braucht Klimaschutz und Klimaanpassung“, sagt Landrat Dietmar Allgaier (CDU). Als zweitgrößter Kreis in Baden-Württemberg – eng besiedelt und sehr stark versiegelt – müsse man so schnell wie möglich in die Umsetzung. Bei den Treffen des runden Tischs waren Vertreter verschiedener Bereiche wie Krankenhäuser und Arztpraxen, Pflegeheime und Schulen eingebunden.

Alarmkette

Sollte es an mindestens drei Tage in Folge über 32 Grad haben und/oder mehr als zwei tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt, wird die Hitzewarnstufe eins ausgelöst. Hat es mehr als 38 Grad, gilt Warnstufe zwei. Dabei alarmieren das Gesundheitsamt und die Kreisärzteschaft per Mail Einrichtungen, die mit besonders gefährdeten Personengruppen zu tun haben, also mit Kindern, älteren Menschen und Bürgern mit Erkrankungen. „Es ist angedacht, dass alle Player erreicht werden“, sagt Robin Maitra. Wie die Weiterleitung funktioniere, komme auf die jeweiligen Stellen an. „Aber dadurch erfolgt schon eine gewisse Sensibilisierung“, sagt Karlin Stark.

Webseite

Auf der Internetseite des Landratsamts Ludwigsburg werden in einem separaten Bereich Fragen zum Umgang mit Hitze beantwortet. Auf welche Symptome muss man achten? Was kann man vorbeugend tun? Auch Merkblätter und Anleitungen können heruntergeladen werden.

Cool-Map

Auf der Webseite haben Bürgerinnen, Bürger und Kommunen auch die Möglichkeit, kühle Plätze auf einer Karte einzuzeichnen. Dazu gehören beispielsweise Eisdielen, Freibäder, Trinkwasserbrunnen, aber auch schattige, öffentliche Plätze. Das Landratsamt prüft die Vorschläge und gibt sie anschließend frei.

Aktionspläne

Vertreter von elf gesundheitsrelevanten Bereichen haben Pläne erarbeitet, wie in ihrer eigenen Institution mit einem Hitzeereignis umgegangen werden kann. In Kraft treten die Pläne, wenn die Alarmkette ausgelöst wurde. In einer Arztpraxis sollte beispielsweise die Medikation von besonders gefährdeten Patienten oder die Sprechstundenzeiten überprüft werden. In Kindergärten wird unter anderem empfohlen, Ruhezeiten anzupassen und die Kinder nicht in der Sonne spielen zu lassen.

Der Hitzeaktionsplan wurde so angelegt, dass er von weiteren Einrichtungen als Vorlage übernommen werden kann und soll auch anderen Landkreisen als Inspiration dienen. „Er ist ein lebendiges Dokument und soll stetig angepasst werden“, sagt Stark.

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