Klimawandel in Stuttgart Flugzeuge fotografieren besonders hitzige Orte in der Stadt

So sehen die Thermobilder aus: Je roter die Flächen sind, um so höher steigen dort im Sommer die Temperaturen. Foto: Stadt Stuttgart

Mit Spezialkameras an Bord haben Flugzeuge im August 2023 die Stadt Stuttgart fotografiert. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und zeigen auch, was kühlende Effekte hat.

Klima/Nachhaltigkeit : Thomas Faltin (fal)

Ganz früh am Morgen und ganz spät am Abend ist ein Flugzeug im vergangenen August an zwei Tagen über das Stadtgebiet geflogen und hat sehr spezielle Bilder geschossen: Sie zeigen, wie stark sich ein Wohngebiet oder ein Waldstück über Nacht abgekühlt hat und wie sehr sich Straßen oder Gewerbegebiete tagsüber aufheizen. Diese Thermobilder der österreichischen Firma AVT-ZT besitzen eine hohe Auflösung, sodass man in jedes Quartier hineinzoomen und für diese Gebiete eigene Schlüsse ziehen kann.

 

Wie der Stadtklimatologe Rainer Kapp vom Amt für Umweltschutz erläutert, zeigt etwa der Veielbrunnenpark im neuen Neckarpark, dass dort nachts die Temperaturen deutlich stärker sinken als in den umliegenden Straßen und Gebäuden; auch tagsüber bleiben die Temperaturen moderater. Dabei ist der Park gar nicht besonders groß, und die Bäume sind noch nicht besonders alt. Als Gegenbeispiel nennt Kapp das Römerkastell, wo es rund um die Häuser eine große asphaltierte Fläche ohne jegliche Beschattung gibt – dort steht die Hitze geradezu.

Solche Erkenntnisse sollen künftig in die Stadtplanung einfließen. Es geht darum, Hotspots zu erkennen und womöglich klimagerecht umzubauen. Es geht aber auch darum, jene Gebiete zu identifizieren, wo sich der Boden schnell abkühlt, und diese Flächen zu schützen. Das müssen nicht nur Parks und Waldgebiete sein; das südliche Stadtgebiet mit den Fildern ist zum Beispiel wegen der höheren Lage im Sommer auch deutlich kühler als die Innenstadt.

Allerdings muss die Stadt die Bilder noch aufarbeiten. Zum Beispiel, so Rainer Kapp, würden auch Waldflächen oft als überhitzt angezeigt. Das stimme auch, gelte aber nur für das Kronendach, nicht für den Waldboden darunter: „Der Wald ist ein guter Kaltluftlieferant.“

In noch viel stärkerem Maße dient auch die derzeit laufende Überarbeitung des Klimaatlas’ diesem Ziel. Seit drei Jahren läuft ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt, das jetzt nochmals um drei Jahre verlängert worden ist. Mit neuen Daten zum Klimawandel und etwa auch zu Starkregen soll besser erkannt werden, wo in der Stadt eine Anpassung an den Klimawandel notwendig wäre und wie dieser aussehen könnte. Was die stärkere Hitze anbetrifft, sind bekannte Maßnahmen das Pflanzen von Bäumen mit großen Kronen oder die Begrünung von Fassaden.

Für die Region Stuttgart gehen die Forscher davon aus, dass künftig Hitzephasen noch heißer werden und länger dauern und dass die Starkregen intensiver werden.

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