Klimawandel und Ernährung Leiden Sie schon unter Fleischscham?
Nach den Fridays for Future und den Fridays for Hubraum stehen uns womöglich schon bald Fridays for Beefsteak ins Haus, meint unser Kolumnist Werner Ludwig.
Nach den Fridays for Future und den Fridays for Hubraum stehen uns womöglich schon bald Fridays for Beefsteak ins Haus, meint unser Kolumnist Werner Ludwig.
Stuttgart - Programme zur Spracherkennung werden immer besser, haben aber nach wie vor Schwächen. So führen etwa starke Dialekte oder laute Störgeräusche leicht zu Verständnisproblemen, verbunden mit Rückmeldungen wie: „Ich habe Ihre Eingabe nicht verstanden – möchten Sie zurück zum Hauptmenü?“ Sprache ist eben verdammt komplex. Worte klingen teilweise sehr ähnlich und gehen oft nahezu nahtlos ineinander über. Dabei entstehen Sätze, deren Sinn bisweilen nicht mal dem Sprechenden selbst restlos klar ist. Wie soll da eine Software verstehen, was das Gesagte bedeutet?
Bei der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation klappt es in der Regel besser, doch undeutliche Artikulation oder regional unterschiedliche Aussprachegewohnheiten sorgen auch hier immer wieder für Missverständnisse. Legendär ist die Geschichte der sächsischen Touristin, die ins portugiesische Porto reisen wollte. Als sie bei der offensichtlich nicht dem sachsofonen Sprachraum entstammenden Mitarbeiterin eines Reisebüros am Telefon ein Flugticket nach „Bordo“ bestellte, bekam sie stattdessen eines ins französische Bordeaux zugeschickt. Erst am Flughafen bemerkte sie, dass sie ein Ticket für das falsche Reiseziel in Händen hielt. Sie trat den Flug denn auch nicht an und verlangte die Rückzahlung des Ticketpreises. Ein Gericht wies ihre Forderung jedoch zurück.
Saubere Aussprache ist das A und O. Sonst kann es passieren, dass ein Vegetarier im Restaurant Linsen mit Spätzle und Seitan-Würstchen ordert – die werden aus Weizeneiweiß hergestellt – und hernach auf seinem Teller aus toten Tieren produzierte Saitenwürstchen vorfindet. Fleischesser mit betont weicher Artikulation könnten wiederum enttäuscht sein, wenn sie beim Griechen den Grillteller Kreta bestellen und durch ein Missverständnis des Kellners den klimafreundlichen, garantiert fleischfreien Greta-Teller erhalten – mit Soja-Gyros, Beyond-Meat-Souflaki und Gemüse-Bifteki.
Fleischesser haben es in diesen Tagen ohnehin schwer – vor allem wenn sie eine Vorliebe für Rindfleisch haben. Schließlich tragen die Methanrülpser der Rindviecher erheblich zum Treibhauseffekt bei, der die Temperaturen immer schneller steigen lässt. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis zur Flugscham und zur SUV-Scham auch noch die Fleischscham hinzukommt. Nicht alle Steakliebhaber werden sich das gefallen lassen. Schon bald könnten sie sich nach dem Vorbild von Fridays for Hubraum unter dem Motto Fridays for Beefsteak zusammenrotten und, gigantische Gasgrills hinter sich herziehend, durch die Städte ziehen.
Verkehrsexperten befürchten schon, dass es freitags auf den Straßen noch enger wird, wenn dort neben Autos, Fahrrädern, E-Scootern und Fußgängern auch noch immer mehr Protestierende Platz beanspruchen. Deshalb sollten nicht zu viele Veranstaltungen auf den Freitag gelegt werden – so attraktiv das mit Blick auf das nahende Wochenende auch sein mag. Insofern ist es zu begrüßen, dass die Demonstranten von Extinction Rebellion, die sich gegen Umweltzerstörung und massenhafte Ausrottung vieler Tier- und Pflanzenarten durch unsere Zivilisation wehren, auch andere Wochentage für ihre Aktionen nutzen.
Nach Ansicht radikaler Umweltschützer beruht der Ansatz von Extinction Rebellion jedoch auf einem Denkfehler. Denn aus Sicht des Ökosystems Erde wäre zumindest die Ausrottung der Art Mensch eher von Vorteil. Nicht umsonst hält sich in Planetenkreisen hartnäckig der folgende Witz. Planet 1 zu Planet 2: „Meine Güte, du siehst ja total übel aus!“ Planet 2: „Stimmt, ich habe Homo sapiens.“ Planet 1: „Keine Sorge. Das geht vorbei.“