Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim Der Mangel an Pflegekräften bleibt akut

Vorhandene Krankenhausbetten können nur dann belegt werden, wenn auch jemand da ist, der die Patienten versorgt. Foto: upixa - stock.adobe.com

Die Infektionswelle hat auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in Ludwigsburg und Bietigheim getroffen. Der Fachkräftemangel tritt dadurch noch deutlicher zu Tage.

Ludwigsburg: Sabine Armbruster (sar)

Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Kliniken Ludwigsburg Bietigheim sind wieder im Einsatz. Das sah vor zwei Wochen noch ganz anders aus. Da gab es, wie in anderen Unternehmen auch, einige Krankmeldungen, sodass auch nicht mehr alle Betten für die Patienten zur Verfügung gestellt werden konnten und einige Stationen ein Patientenlimit verhängen mussten. „Das war schon eine krasse Krankheitswelle“, sagte ein Betriebsratsmitglied.

 

Auch der Kliniken-Pressesprecher Alexander Tsongas berichtet, dass sich die Situation bei den an Atemwegsinfekten erkrankten Mitarbeitern inzwischen etwas entspannt habe. „Es sind wieder einige aus dem Krankenstand zurückgekehrt. Stand heute können in Bietigheim und Ludwigsburg nur einzelne Betten in unterschiedlichen Fachbereichen nicht belegt werden. Wir haben derzeit in Bietigheim und Ludwigsburg eine Belegung von 90 Prozent.“

Mehr als 90 Prozent Auslastung gar nicht möglich

Das sei allerdings nur eine Momentaufnahme, die sich täglich ändern könne. Deshalb bitte man auch alle Besucherinnen und Besucher, eine Maske zu tragen – die ja auch dem Selbstschutz diene.

Was aus diesen Zahlen allerdings nicht deutlich wird: Der Fachkräftemangel ist nach wie vor hoch. 1006 Patientenbetten, die sogenannten Planbetten, stehen offiziell in Ludwigsburg zur Verfügung. Die könnten aber wegen des Personalmangels gar nicht alle belegt werden, sagt das Betriebsratsmitglied. Die 90-prozentige Belegung sei praktisch schon eine Vollbelegung und die Belastung des Personals entsprechend hoch: „Wir fahren immer noch an der Auslastungsgrenze.“

Stationen geschlossen? Das ist eine Frage der Lesart

Eine Unschärfe gibt es auch bei der Frage, ob – wie aus Mitarbeiterkreisen zu hören ist – Stationen wegen des Personalmangels geschlossen werden mussten. Tsongas verneint das und beruft sich dabei auf die Regionaldirektorin Anne Matros. Allerdings ist es im Haus auch kein Geheimnis, dass wegen fehlender Fachkräfte Stationen zum Teil zusammengeführt wurden. So konnte man sonst notwendige Schließungen vermeiden. Generell setzt das Klinikum vermehrt auf ambulante Behandlungen, wodurch die Zahl der benötigten Betten in Zukunft ohnehin geringer sein dürfte.

Dass die Personalsituation wegen des Fachkräftemangels nach wie vor angespannt sei, bestätigt auch der Kliniken-Pressesprecher. Und es werde eher schlimmer werden: „Es gehen mehr in Ruhestand, als junge Leute nachkommen.“ Deshalb tut man alles, um neue Fachkräfte zu gewinnen – oder auch diejenigen, die ausgestiegen sind, wieder zurückzugewinnen. „Wir haben Anerkennungspraktikanten aus dem Ausland und akquirieren dort auch weiterhin Fachkräfte. Wir sind online aktiv, wir bieten attraktive Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitkonten, außerdem gibt es Mitarbeiter-Vorteile wie günstiges Fitnesstraining, Yoga und anderes“, zählt Tsongas auf.

Als Maximalversorger attraktiv

Erfolg habe man auch mit einem vierjährigen Teilzeitkurs der Pflegeausbildung zu verzeichnen. „Der ist in erster Linie für Frauen gedacht, die schon einen Beruf hatten und beispielsweise nach der Familienphase als Quereinsteigerinnen in der Pflege anfangen wollen.“ Insgesamt versuche man, die Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Tatsächlich sei es auch schon gelungen, aus umliegenden Landkreisen Fachkräfte anzuwerben.

Dass dies an Angeboten wie Yoga oder Fitnesstraining liegt, bezweifelt das Betriebsratsmitglied zwar: „Aber als Maximalversorger sind wir einfach medizinisch sehr interessant.“

Gesamtzahlen
 Im gesamten RKH-Klinikverbund, der Kliniken in mehreren Landkreisen umfasst, gibt es aktuell 86 Patienten, die mit Corona infiziert sind. 80 davon werden auf Normalstationen behandelt, sechs auf der Intensivstation. Der Grund für die Behandlung ist aber nicht die Corona-Infektion.

Ludwigsburg/Bietigheim Auf Ludwigsburg entfallen 41 Coronafälle, davon 39 auf Normalstation und zwei auf Intensiv, in Bietigheim sind es elf Corona-Patienten, die alle auf Normalstationen liegen.

Notaufnahme
Auch in der Ludwigsburger Notaufnahme dominieren schwere Atemwegsinfekte, nicht Corona.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Fachkräfte