Kliniken Verliert Vaihingen sein Krankenhaus?

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)

Vaihingen/Enz - Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Das Krankenhaus in Vaihingen/Enz ist mit 60 Betten das kleinste im gesamten kommunalen Klinikverbund RKH. Der Standort schreibt konstant rote Zahlen – 2013 lag das Jahresdefizit bei 940 000 Euro. Und: nur wenige Kilometer entfernt, in Mühlacker betreibt die RKH ein größeres, wirtschaftlich offenbar weit besser aufgestelltes Krankenhaus.

Von einer Schließung des Standorts Vaihingen mochte dennoch am Donnerstag bei der Präsentation des Standortgutachtens der RKH niemand sprechen. Vielmehr legt das Gutachten nahe, das Haus in Vaihingen zu einem „Gesundheitszentrum“ umzubauen. Chefärzte, Pförtner oder Notfallversorgung auf den Stationen – die Fixkosten in Vaihingen seien für die Grundversorgung außerordentlich hoch, so Jörg Martin, RKH-Geschäftsführer.

Das Krankenhaus als „medizinisches Annahmezentrum“?

Wenn das Haus zu einem Gesundheitszentrum umgebaut werde, dann falle ein Großteil dieser Kosten weg. Stationäre Versorgung sei dann zwar nicht mehr so wie heute in Vaihingen möglich. Jedoch solle weiterhin ein breites Spektrum an Fachabteilungen und eine Notfallversorgung angeboten werden.

Dieser Weg dürfte für die RKH allerdings schwierig werden. Denn die Kassenärztliche Vereinigung im Land (KVBW) achtet genau darauf, dass in den Kreisen kein Überangebot an ambulanten ärztlichen Leistungen besteht. In praktisch allen Fachgruppen im Landkreis Ludwigsburg gibt es laut der KVBW-Bedarfsplanung bereits heute ein Überangebot. Dass der RKH für Vaihingen zusätzliche Arztsitze genehmigt werden, scheint ausgeschlossen. Gangbar erscheint laut dem KVBW-Sprecher Kai Sonntag allenfalls der Weg, dass niedergelassene Ärzte ihre Praxis in das geplante „Gesundheitszentrum“ verlegen. Die Idee, ein Krankenhaus durch ambulante Angebote zu ersetzen, sei äußerst ungewöhnlich, sagt Kai Sonntag.

Auch der Vaihinger Oberbürgermeister Gerd Maisch ist skeptisch bezüglich des Konzepts. „Ich denke, dass ein Krankenhaus für Vaihingen/Enz seine Berechtigung hat.“ Vor allem für die wachsende Zahl älterer Menschen sei es wichtig, eine Rundumversorgung am Wohnort zu haben. Aber er fürchte, dass Vaihingen zum „medizinischen Annahmezentrum“ verkomme.

Einige Fakten sind nicht positiv für Vaihingen

Die RKH hat allerdings bereits Fakten geschaffen, die sich wirtschaftlich nicht positiv für den Standort Vaihingen auswirken. So wird Mühlacker sukzessive als Zentrum für Langzeitbeatmung von Intensivpatienten ausgebaut. Zudem soll es dort einen Herzkatheder geben, der das Krankenhaus Mühlacker fachlich aufwertet.

Weit weniger radikal könnten die Änderungen an den anderen kleinen Standorten ausfallen. Marbach etwa profitiert offenbar davon, dass es am Westrand der Holding liegt und somit nur bedingt interne RKH-Konkurrenz hat. Zudem solle Marbach weiter als medizinisches Zentrum für ältere Patienten ausgebaut werden. Laut Martin wird erwogen, kranke Menschen, die zudem noch Demenz hätten, künftig stärker in Marbach zu behandeln. „Die gehen in größeren Häusern eher unter.“

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Vaihinger Rathauschefs an. „Ich sehe auch in Vaihingen ein großes Potenzial für Altersmedizin“, sagt Gerd Maisch. In der Stadt und Umgebung gebe es rund 400 Pflegeplätze. Mit Blick auf die Alterung der Gesellschaft „wird Marbach auf Dauer für die älteren Menschen in einem Kreis mit 520 000 Einwohnern nicht ausreichen“, kritisiert der Oberbürgermeister.




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