Kliniken Wider die Konkurrenz unterm eigenen Dach

Das Krankenhaus (hinten) und das Ärztehaus Vaisana (rechts) sollen künftig wohl noch enger zusammenarbeiten. Foto: factum/Granville
Das Krankenhaus (hinten) und das Ärztehaus Vaisana (rechts) sollen künftig wohl noch enger zusammenarbeiten. Foto: factum/Granville

Die Klinikenholding will wieder schwarze Zahlen schreiben. Doch kleine Korrekturen reichen nicht, es geht an die Substanz: Der medizinische Bereich soll umstrukturiert werden. Unter anderem steht dem Vaihinger Krankenhaus womöglich eine Umwidmung zum Gesundheitshaus bevor.

Ludwigsburg: Melanie Braun (meb)
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Ludwigsburg - Es wurde mit Spannung erwartet. Schon seit Wochen wurde auf das noch ausstehende Gutachten verwiesen, wenn die Sprache auf die Regionale Kliniken-Holding (RKH) kam. Gestern ist das Ergebnis der Untersuchung vom Institute for Health Care Business nun vorgestellt worden. Es wurden jedoch weder große Überraschungen noch exakte Details darüber preisgegeben, was genau an den insgesamt neun Standorten der Holding geplant ist. Nur eines wird deutlich: Die Richtung, die die Klinikenleitung im vergangenen Jahr bereits vorgegeben hat, soll energischer denn je verfolgt werden. Und diese lautet: Sparen durch Spezialisieren.

Anlass für die Überlegungen zur Umstrukturierung war die schlechte Bilanz im Jahr 2012. Damals war erstmals ein negatives Betriebsergebnis für die Kliniken-Holding eingefahren worden, insgesamt erwirtschafteten die Krankenhäuser ein Minus von 14 Millionen Euro. 2013 hat sich die Finanzlage zwar deutlich verbessert, aber man müsse jetzt gegensteuern, um sich sanieren zu können, sagt Jörg Martin, der medizinische Leiter der Kliniken-Holding. Dabei reiche es nicht aus, bei Einkauf und Personal Synergien zu nutzen, wie man es bereits tue. Die Holding müsse sich ganz neu aufstellen und in jedem Krankenhaus klare medizinische Schwerpunkte setzen, wenn alle Standorte erhalten werden sollten.

Drei Landkreise - Eine Holding (Klicken Sie auf die Grafik für eine größere Ansicht)

Fachgruppen eingerichtet

Eine grobe Struktur ist bereits absehbar. So soll die Radiologie beispielsweise langfristig zentral von Ludwigsburg und Bruchsal koordiniert werden, am Bietigheimer Krankenhaus wird eine plastische Chirurgie etabliert und in Bretten ein Schmerztherapie-Zentrum. Parallel zu den ersten Vorbereitungen für diese Schwerpunktsetzung hat Jörg Martin bereits medizinische Fachgruppen eingerichtet, in denen sich Ärzte aus der gesamten Holding austauschen können. Damit soll auch gewährleistet werden, dass man sich untereinander kennt und Patienten an den richtigen Spezialisten weiter geleitet werden.

Zugute kommt der RKH laut dem Gutachten, dass sie in der Fläche keine Konkurrenz von Holdingfremden hat und dass ihr Marktanteil im Einzugsgebiet sehr hoch ist. Zudem verfügt sie über Einrichtungen, in denen Kranke und Verletzte aller Schweregrade versorgt werden können. Auch die Demografie arbeite für die Holding: In einer alternden Gesellschaft gebe es mehr Patienten, zudem verzeichne der Kreis Ludwigsburg noch einen Zuzug.

Kleine Häuser werden defizitärer

Zu schaffen mache der Kliniken-Gesellschaft hingegen, dass sich die einzelnen Häuser derzeit intern oft noch Konkurrenz machten, weil viele Leistungen an mehreren Standorten angeboten würden, sagt Boris Augursky, Geschäftsführer des Institute for Health Care Business. Außerdem wachse die Konkurrenz von außen, gleichzeitig würden die kleinen Häuser in der Holding immer defizitärer. Auch steigende Personalkosten, die nicht absehbare Verbesserung der Vergütungen für Krankenhäuser und der Fachkräftemangel seien schwierig.

Nun müssen die im Gutachten unterbreiteten Vorschläge noch von den Gremien der Krankenhausträger diskutiert und abgesegnet werden. Ziel ist es laut Jörg Martin, diese bald umzusetzen: „Wir müssen 2015 nutzen, um mit den großen Dingen zu beginnen“, sagt er. Allerdings: auch wenn die Umstrukturierung wie vorgesehen durchgezogen wird, ist laut dem Gutachten nicht mit großen Gewinnen zu rechnen, sondern zunächst nur mit einer roten Null. Doch das sei „sehr konservativ“ gerechnet, betont Jörg Martin. Da sei sicher noch mehr drin.




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