Klinikgelände in Böblingen Bis in einem Jahr soll es einen Investor geben

Die Stadt Böblingen möchte, dass auf dem Klinikgelände einmal Zukunftsindustrien entwickelt werden. Foto: /T. Bischof/Archiv

Kompromiss beim Klinik-Monopoly: Ein Wettbewerb soll entscheiden, wer das Böblinger Krankenhausareal erwirbt und entwickelt.

Bis vor Kurzem konkurrierten sie im Monopoly um ein wichtiges Böblinger Zukunftsareal, nun ziehen sie an einem Strang: Landkreis und Stadt Böblingen wollen mit einem Wettbewerb den richtigen Investor für das Böblinger Klinikareal finden.

 

Wie mehrfach berichtet hat dieses rund zehn Hektar große Quartier über den Dächern von Böblingen zu heftigen Verwerfungen zwischen den beiden Institutionen geführt. Denn ab dem Jahr 2026, wenn die Flugfeldklinik ihren Betrieb aufnehmen soll, wird das Filetstück mit guter Anbindung an die Autobahn und viel Zukunftspotenzial frei. Das weckte Begehrlichkeiten: Aufseiten des Landkreises, dem das Gelände gehört, und aufseiten der Stadt Böblingen, die als Standortkommune planerisch bestimmen kann, was dort einmal passieren soll.

Die Fronten sind klar

Damit waren die Fronten klar. Hier der Landkreis, der den maximalen Kaufpreis erzielen möchte, dort die Stadt, die den Plan hat, an dieser Stelle ein Forschungsareal für Zukunftstechniken wie erneuerbare Energien, Künstliche Intelligenz und Medizintechnik zu entwickeln. Hinzu kam ein weiterer Interessent, der ein Auge auf das Gelände geworfen hatte: Das Land könnte sich vorstellen, dort eine Landeserstaufnahme für Geflüchtete (LEA) einzurichten.

Bevor die Lage eskalierte, und aus kommunalen Partnern unversöhnliche Gegner wurden, gab es nun eine Einigung: Stadt und Kreis haben sich zusammengerauft, um gemeinsam einen Investor für das Gelände zu finden. Sowohl der Kreis wie auch die Stadt haben gute Gründe für ihre Interessen.

Der Kreis ist auf einen möglichst hohen Preis für seine Immobilie angewiesen, denn die Kosten für den Bau der Flugfeldklinik explodieren. Mit dem Geld könnte wenigstens ein kleiner Teil der Kostensteigerungen gedeckt werden. Die bisher finanzierten 621 Millionen Euro sind nicht haltbar. Spätestens im Herbst soll klar sein, was an Mehrkosten für die neue Klinik aufläuft. Die Milliardengrenze könnte gerissen werden.

Bereits im Jahr 2019 hatte der Kreis einen Kaufinteressenten für das Areal gefunden. Die Verhandlungen wurden damals ohne Ergebnis abgebrochen. Anfang des Jahres hatte der Kreistag die Verwaltung beauftragt, das Areal zum „bestmöglichen Preis“ zu verkaufen. Laut Landrat Roland Bernhard gab es seitdem weiteres Interesse von vier Investoren, die bereits Angebote abgegeben haben. „Die Fläche ist sehr begehrt“, erläuterte er im Verwaltungsausschuss des Kreistags. In der Region gäbe es davon nicht viele.

Beide Parteien haben gute Gründe

Die Stadt Böblingen besitzt indes die planerische Hoheit für das Gelände. Heißt: Sie kann per Bebauungsplan regeln, was dort möglich ist und was nicht. Da der Bau der neuen Klinik auf dem Flugfeld Böblingen wertvolles Gewerbegelände gekostet hat, soll nun das bisherige Klinikgelände Raum für Zukunftsindustrien in Böblingen bieten. Damit ist klar, dass ein Käufer die städtebaulichen Pläne der Stadt umsetzten muss.

Dieser Kompromiss ist nun offenbar gefunden. Wie Roland Bernhard im Verwaltungsausschuss berichtete, werden Stadt und Landkreis einen Wettbewerb aufsetzten, an dessen Ende der Investor das Rennen macht, der die Preisvorstellungen des Landkreises ebenso erfüllt wie die planerischen Vorgaben der Stadt.

In einem Jahr soll der Investor gefunden sein

In einem Jahr soll dieser Wettbewerb abgeschlossen sein. Dann möchte man dem Kreistag das Unternehmen, das diesen Kriterien am ehesten entspricht, vorschlagen. Von den Kreisräten gab es grünes Licht für dieses Vorgehen. Die Hinweise waren jedoch deutlich, dass man nicht nur ein passendes planerisches Konzept erwartet, sondern auch ein gutes Vermarktungsergebnis.

Bis dahin, verspricht der Landkreis, sämtliche Gespräche über den Verkauf ruhen zu lassen. Falls der Wettbewerb jedoch kein Ergebnis erzielen sollte, geht es wieder zurück auf Los beim Monopoly um das Klinikareal. Dann nimmt der Landkreis die Gespräche mit den bisherigen Interessenten wieder auf. Dazu zählt auch das Land mit seinem Plan, in Böblingen eine LEA zu errichten.

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