Damit liegt Göppingen durchaus im Landestrend. Von 2011 bis 2021 hat sich laut Auskunft des baden-württembergischen Sozialministeriums die Zahl der im Krankenhausplan aufgelisteten Kliniken in Baden-Württemberg um 13 Prozent von 236 auf 205 Einrichtungen verringert. Auch in der Region Stuttgart ist die Krankenhauslandschaft in Bewegung. Ein Überblick.
Neue Wege in Marbach Im Kreis Ludwigsburg ist der Krankenhausbetrieb in Vaihingen/Enz bereits eingestellt worden. In den Räumlichkeiten unterhält unter anderem die für die Kliniken im Kreis zuständige Regionale Krankenhaus-Holding (RKH) ein Simulationszentrum. Auch das Krankenhaus in Marbach hat seine Arbeit mittlerweile weitgehend eingestellt. Dort finden noch ambulante Operationen von RKH-Kooperationspartnern statt, und zwar in den Bereichen Chirurgie, Endoskopie und Augenheilkunde.
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Künftig soll an diesem Standort ein Gesundheitscampus mit verschiedenen Einrichtungen entstehen. Weitere Schließungen, das betont der Ludwigsburger Landrat Dietmar Allgaier, seien nicht geplant: „Es ist mir persönlich sehr wichtig, dass wir weiterhin die Voraussetzungen für die hervorragende fachliche Arbeit in unseren Kliniken gewährleisten. Der Landkreis Ludwigsburg und auch der Kreistag stehen zu den Kliniken in kommunaler Trägerschaft, heute und auch in der Zukunft.“ Deshalb planten Kreis und RKH aktuell den Umbau und die Erweiterung des Klinikums Bietigheim.
Aus zwei macht eins Auch die Nachbar-Landkreis Böblingen und Calw und der dort aktive Klinikverbund Südwest stellen sich auf die sich wandelnden Rahmenbedingungen ein – allerdings mit weit weniger gravierenden Folgen als in Geislingen. Teil der bereits im Jahr 2014 verabschiedeten Medizinkonzeption zur Sicherung der wohnortnahen Notfall- und Basisversorgung ist die Zusammenlegung der Häuser in Sindelfingen und Böblingen. Dazu wird ein Neubau auf dem Böblinger Flugfeld an der Autobahn 81 zwischen den beiden Nachbarstädten entstehen.
Damit trage man der immer interdisziplinärer werdenden Gesundheitsversorgung Rechnung und vereine die verschiedenen Fachbereiche der beiden heutigen Standorte in einer Gebäudehülle. Die Infrastruktur für die Städte Sindelfingen und Böblingen bleibe dabei komplett erhalten. Wie überall in der Region investiert auch der Klinikverbund Südwest kräftig in den Ausbau und die Modernisierung der sechs Standorte. Insgesamt will der Verbund zusammen mit seinen Trägern, den Landkreisen Böblingen und Calw, in den kommenden Jahren rund eine Milliarde Euro investieren.
Konkurrenz im Kreis Esslingen Weder im Kreis Esslingen noch im Rems-Murr-Kreis gibt es aktuell Überlegungen, auf Klinikstandorte zu verzichten. Der Rems-Murr-Kreis hat bereits in den vergangenen Jahren mit der Schließung der Standorte in Waiblingen und Backnang sowie dem Neubau des Rems-Murr-Klinikums in Winnenden und dem Festhalten am Standort Schorndorf die Konsolidierung der Standorte vorgenommen.
Erst vor Kurzem hat Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) dem Kreis einen Scheck über 10,3 Millionen Euro für die weitere Entwicklung des Campus am Rems-Murr-Klinikum Winnenden übergeben. Zusätzlich wurde eine Planungsrate für den Funktionsneubau am Standort Schorndorf von 6 Millionen Euro vereinbart.
In Esslingen gibt es eine Sondersituation: Die Kreisstadt leistet sich ein städtisches Krankenhaus – und wird das auch weiterhin tun. Gerade erst hat der scheidende Oberbürgermeister Jürgen Zieger ein Investitionspaket im Umfang von 270 Millionen Euro verkündet.
Aber auch die Medius-Klinken, die ehemaligen Kreiskliniken, planen weiterhin mit drei Standorten in Nürtingen, Ostfildern und Kirchheim. Allerdings wurden das Plochinger Krankenhaus und die Psychiatrie in Nürtingen schon vor Jahren geschlossen.
Konzentration als Gewinn Das Sozialministerium befürwortet den Strukturwandel: Künftig werde es größere und leistungsfähigere Häuser geben, in denen Kapazitäten gebündelt würden und leistungsstärkere Angebote möglich seien, heißt es in einer Stellungnahme. Konzentration heiße nicht, dass eine Klinik schließe und nichts bleibe: Man könne ambulante OPs anbieten, Ärztehäuser schaffen oder Primärversorgungszentren – Gesundheitszentren, in denen Beratung und Hilfe angeboten werden. Wörtlich heißt es: „Von dort sollen sie von Lotsen dahin vermittelt werden, wo man ihnen am besten helfen kann.“ Ziel der Landesregierung seien leistungsfähige, wirtschaftlich gesicherte und eigenverantwortlich wirtschaftende Krankenhäuser.