Klinikum Esslingen Die digitale Krankenakte ist Standard
Das Klinikum Esslingen arbeitet mit der digitalen Krankenakte. Schritt für Schritt werden die Möglichkeiten weiter ausgebaut.
Das Klinikum Esslingen arbeitet mit der digitalen Krankenakte. Schritt für Schritt werden die Möglichkeiten weiter ausgebaut.
Mit einer Pilotstation hat alles angefangen. Die Rede ist von der elektronischen Patientenakte, genannt EPA, die den Arbeitsalltag von Pflegekräften und Ärzteschaft am Klinikum Esslingen erleichtern soll. Seit 2021 ist die Dokumentation dort Schritt für Schritt digitalisiert worden.
„Inzwischen sind wir bestens ausgestattet“, erklärt Monika Zeller und zeigt auf die mobilen Stehpulte samt den Rechnern. Auf deren Bildschirmen ist alles vermerkt von der Patientenaufnahme, dem Behandlungsvertrag bis zur Pflegeanalyse und den Pflegeprozessen, und während eines Klinikaufenthalts wird auch der gesamte Verlauf der Behandlungen digital dokumentiert.
Zeller hat die Stabsstelle Pflegedirektion inne und zählt damit zu den Pionierinnen der digitalen Umsetzung am Klinikum, wo sie Schulungen aller Art anbietet. Neben einer Hotline gebe es außerdem einen monatlichen Austausch über Tipps und Tricks im Umgang mit der Software. Und so sei die Anwendung mit der Zeit inzwischen immer komfortabler geworden, erklärt die Fachfrau.
Die Patienten kommen mit den digitalen Möglichkeiten bisher vor allem in Kontakt, wenn der Blutzucker gemessen wird und vor der Übertragung der Werte ins Labor mittels W-Lan das Patientenarmband gescannt wird. In einem nächsten Schritt sollen auch Vitalwerte wie Körpertemperatur und Blutdruck digital erfasst werden. Das werde momentan pilotiert, sagt Monika Zeller.
„Früher hatten wir den dreifarbigen Kugelschreiber für die Dokumentation“ erinnert sich Pflegedirektorin Silke Bortenlänger, die berichtet, welche Herausforderung die digitalen Schulungen vor allem für ältere Pflegekräfte bedeuteten, während die 20-Jährigen, das im Vorbeigehen erledigten.
Auch die Anamnese samt der gesamten klinischen Vorgeschichte von Patienten und Patientinnen sind in der elektronischen Akte hinterlegt. „Heute können wir strukturierter arbeiten und vermeiden Doppeldokumentation“, erklärt Michaela Patera von der Teamleitung der onkologischen Station die Vorteile. Dank Digitalisierung griffen nun alle auf alles zu und das sogar gleichzeitig. Sehr komfortabel sei es, wenn nicht nur die jeweilige Vorgeschichte, sondern auch die ärztlichen Anordnungen gelesen werden können. Und zum Komfort gehöre auch, dass inzwischen jede Pflegekraft Zugriff auf einen Rechner habe.
Früher lautete die Frage dagegen ständig: „Wer hat die Akte?“ Und erschwerend kam dazu, dass Handschriften nicht immer gut lesbar waren. Bei der Dokumentation auf Papier musste außerdem viel geblättert werden, um alle Informationen zu einem Fall zusammen zu bringen, erklären die Pflegefachkräfte.
Auch der Gang ins Archiv und die oft langwierige Suche nach früheren Befunden aus zurückliegenden Krankenhausaufenthalten in abgelegten Akten gehöre nun der Vergangenheit an, lobt der EPA-Experte Sascha Woitkowiak. Und dank der Filterfunktionen seien bestimmte Fragestellungen wie nach der Medikamentierung oder Schmerzen auf einen Klick zu erfahren.
Hilfreich sei die digitale Patientenakte vor allem bei einem Schichtwechsel, wenn sich die Pflegekräfte auf einen Blick über den jeweiligen Zustand und die Pflegeaufträge für die Patienten auf ihrer Station informieren wollen. Wie bei einer Ampel werde beispielsweise sichtbar, welche Pflegeleistung noch anstehe.
Die Frage nach einer möglichen Zeitersparnis, die zu mehr Zeit im Umgang mit den Patienten führen könnte, sei gar nicht so leicht zu beantworten, erklärt Patera, das liege in der Natur der Sache, da in der digitalen Patientenakte mehr Informationen dokumentiert würden als früher auf Papier – und das brauche wiederum Zeit.