Annette Schneider (Name geändert) hat eine ganz klare Meinung zum Ludwigsburger Krankenhaus: „Da hilft nur noch abreißen.“ Zu viele Mängel hätte selbst der sogenannte Neubau, der 1975 in Betrieb gehen konnte. Die Krankenschwester nennt mehrere Beispiele aus ihrem täglichen Kampf mit den technischen Unzulänglichkeiten. So zum Beispiel die Heizung im Büro. „Die können wir nicht selbst an- und ausschalten, da muss jedes Mal der Techniker kommen.“ Deshalb müsse die Heizung selbst am Wochenende vom Herbst bis zum Frühjahr durchlaufen, und wenn es zu warm werde, könne man nur das Fenster öffnen.
Auch in den Patientenzimmern gebe es Probleme. Wegen der Legionellenfilter tröpfele das Wasser teilweise nur noch, im zehnten Stock gebe es auf zwei Stationen kein warmes Wasser. „Das heißt, wir holen mit der Waschschüssel in der Küche Wasser und waschen damit dann die Patienten.“ Die Duschen ließen sich nicht richtig regulieren, das Wasser sei mal zu kalt, mal zu heiß – oder es bleibe ganz weg. „Wir mussten schon Patienten in ein Leintuch hüllen und ins Nachbarzimmer bringen, um dort das Duschgel wieder abzuspülen“, nennt Schneider ein drastisches Beispiel. Generell seien die Sanitärräume, auch die WCs im Besucherbereich, in keinem guten Zustand.
Abreißen ist eine Überlegung, die wegen der ständigen hohen Sanierungskosten des Klinikums schon von einzelnen Mitgliedern des Aufsichtsrats ins Gespräch gebracht wurde. Und eine Idee, mit der auch Geschäftsführer Jörg Martin liebäugelt. Eine aktuelle Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Regionale Kliniken Holding (RKH) befasst sich ebenfalls mit der Überlegung, im Landkreis ein Zentralklinikum zu bauen, das die beiden Kliniken in Ludwigsburg und Bietigheim ersetzen könnte.
Doch ob es dazu kommt, ist zumindest fraglich. Nicht nur, weil die Rathauschefs von Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen für die Erhaltung der Kliniken auf ihrer Gemarkung kämpfen wollen und die Kosten für einen Neubau enorm wären. Hinzu kommt: Das Krankenhaus in Ludwigsburg wurde bis in die jüngste Vergangenheit immer wieder erweitert und modernisiert. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts fielen gar 15 private Wohnhäuser südlich des Klinikums dessen Erweiterung zum Opfer. Der Grund: Die Psychiatrie und die Strahlenklinik sollten von der Königsallee in die unmittelbare Nachbarschaft geholt werden, zudem wurde die Kinderklinik neu gebaut.
Mehr als siebzig Millionen in den letzten paar Jahren
In den vergangenen Jahren wurde das knapp 28 Millionen Euro teure Frauen-Kind-Zentrum eröffnet, die Notaufnahme wurde für 19 Millionen neu gebaut – und die Psychiatrie aufgestockt, für 5,9 Millionen Euro an. Die Strahlenklinik bekam unlängst einen Linearbeschleuniger, für den ein Anbau nötig war (zusammen 4,5 Millionen), für sechs Millionen wurde eine hochpreisige „Wahlleistungsstation“ eingerichtet, fünf Millionen Euro flossen in die Station mit Allgemein- und Viszeralchirurgie und noch einmal fünf Millionen Euro in die Kinderstation, um nur die neueren Beispiele zu nennen.
Und die Investitionspläne am Standort gehen weiter. An der Ecke Harteneckstraße/Meiereistraße soll das Gebäude der Pflegefachschule abgerissen werden, auf dem Gelände wird, so der Plan, ein Neubau für ambulante Behandlungen entstehen. Aus Sicht der Ludwigsburger Stadtverwaltung, die dafür schon einen neuen Bebauungsplan entworfen hat, trägt dies zu einer nachhaltigen Bestandsentwicklung des Klinikums Ludwigsburg am Standort bei. Die Planungen des Klinikums entsprächen den Zielen und Empfehlungen des „Rahmenplans Klinikum“, den der Gemeinderat der Stadt bereits 2021 als Entwicklungskonzept beschlossen hat.
Getrennte Standorte wären keine Alternative
Erhebliche Investitionen also, die man – würden ein Neubau und ein Umzug ernsthaft erwogen – in den Sand gesetzt hätte. Denn eine andere Nutzung der neuen Gebäude wäre kaum möglich. Würde man die neuen Bauten beibehalten und lediglich mit den Bettenhäusern an einen anderen Standort umziehen, hätte man dieselbe Situation wie in der Vergangenheit, nämlich weit auseinanderliegende Abteilungen. Und da es in Ludwigsburg ohnehin an einem geeigneten Standort mangelt, wäre die Distanz noch größer als früher.
Änderung in der Chefetage
Geschäftsführung
Jörg Martin ist seit 2013 Geschäftsführer der RKH Kliniken, heute RKH Gesundheit, und wird voraussichtlich im Herbst vorzeitig ausscheiden.
Stellenausschreibung
Künftig soll es wieder zwei Geschäftsführer geben – einen kaufmännischen und einen medizinischen. Die Stelle für den kaufmännischen Geschäftsführer wurde bereits Mitte Februar ausgeschrieben, nun folgte die Stellenanzeige für den medizinischen Geschäftsführer. Gesucht wird eine charismatische Führungspersönlichkeit mit hoher Managementkompetenz, einem abgeschlossenen Medizinstudium mit Promotion und betriebswirtschaftlicher Zusatzqualifikation sowie Kommunikationsstärke.