Klinikum Ludwigsburg KI und Telemedizin sollen in der Notaufnahme Luft schaffen

Mit einer hochauflösenden Kamera können die Mediziner diagnostizieren – auch wenn sie selbst nicht beim Patienten vor Ort sind. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Anfang 2024 soll in der Notaufnahme ein KI-basierter Diagnosecheck zum Einsatz kommen. Das soll helfen, die Patienten zu steuern. Ebenso wie der Einsatz von Telemedizin. Erste Versuche stimmen zuversichtlich.

Ludwigsburg: Karin Götz (kaz)

Auch wenn sich einiges tut in den Häusern der Regionalen Kliniken Holding (RKH) und damit auch in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in Ludwigsburg: Die ZNA ist nach wie vor überlastet. 90 000 Notfälle weist die RKH-Statistik für die Häuser Ludwigsburg und Bietigheim im Jahr aus. Zwei Drittel in Ludwigsburg, eines in Bietigheim. „Tendenz steigend“, betont der Sprecher der RKH, Alexander Tsongas. Mindestens ein Drittel der Notfälle seien gar keine, vielmehr handele es sich um Bagatellfälle. „Die Patienten gehören nicht in die Zentrale Notaufnahme, sondern in die Notfallpraxis oder zum Hausarzt.“

 

Welche Anlaufstelle ist für einen Patienten die richtige?

Eine Lösung des Problems soll das System RKH Care bringen. „Damit versuchen wir diejenigen herauszufiltern, die in der ZNA richtig sind und diejenigen, die es eben nicht sind“, so Tsongas. Um eine smarte Patientensteuerung hinzubekommen, die in der Folge auch die Notaufnahme entlastet, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel eine digitale Diagnose-Checkliste. Über eine App können die Patienten oder deren Angehörige mittels Künstlicher Intelligenz (KI) herausfinden, ob die ZNA die richtige Anlaufstelle ist, oder die Notfallpraxis oder am nächsten Tag der Hausarzt. Auch Online-Termine können so gebucht werden.

Diese Form der Triage durch Künstliche Intelligenz unterstützt die Entscheidungsfindung der Patienten. Dadurch wird, so die Hoffnung von RKH-Geschäftsführer Jörg Martin, die Notaufnahme, die „aus allen Nähten platzt“, entlastet und die Patienten müssten andererseits nicht stundenlang in der ZNA warten.

Wer die App nicht nutzen kann oder mag kann natürlich nach wie vor in der Zentralen Notaufnahme anrufen. Eine Fachpflegekraft wird dann den KI-basierten Diagnose-Check durchführen. Dass es Patienten geben wird, die weder die App nutzen noch zum Telefon greifen, ist Martin bewusst. „Wir können noch nicht sagen, wie gut und wie schnell es angenommen wird. In Spanien gibt es so ein System schon aber in Deutschland betreten wir damit absolutes Neuland. Es ist eine Art Erziehungsprozess.“ Anfang 2024 will der RKH-Chef damit an den Start gehen.

Für Betriebsratschef Martin Oster ist das geplante System, also die Sichtung und die Selektion noch vor der Aufnahme in die ZNA im Gesamtkontext ein Beispiel von vielen, die unterm Strich zur Entlastung der Notaufnahme beitragen können.

Mehr Expertise durch Telemedizin

Eine weitere Möglichkeit der Entlastung soll das Nutzen von Telemedizin sein. Die Zentrale Notaufnahme des RKH- Krankenhauses Mühlacker wird seit einigen Wochen beispielsweise telemedizinisch von der Neurologie im RKH-Klinikum Ludwigsburg versorgt. Deren Leiter Holger Kugel ist überzeugt von dem eingeschlagenen Weg. „Wir sind ein kleines Krankenhaus ohne Neurologie und können durch die telemedizinische Kooperation mit zwei Oberärzten in Ludwigsburg unseren Patienten deren Expertise anbieten, ohne dass sie 40 Kilometer weit fahren und dann dort womöglich noch ein paar Stunden warten müssen.“ Für die betroffenen Ärzte sei es zwar durchaus ein gewisser Mehraufwand, doch der Nutzen überwiege – gerade auch für den Patienten.

In vier Fällen habe man in den vergangenen Wochen die Zusammenarbeit schon nutzen können. Eine Patientin war in ihrer Wohnung gestürzt und längere Zeit auf dem Boden gelegen. „Die Ursache für den Sturz war kardiologisch“, berichtet Kugel. Das lange Liegen habe aber zu Nervenschäden am Arm geführt. „Die Patientin konnte ihn nicht mehr richtig bewegen und wir konnten mit den Kollegen aus Ludwigsburg abklären, ob wir operieren müssen oder noch warten.“

Mit Blick in die Zukunft wünscht sich Holger Kugel eine Kooperation via Telemedizin auch für den psychiatrischen Bereich: „Chirurgische Befunde können wir gut am Telefon besprechen, aber in der Neurologie und in der Psychiatrie ist es gut, wenn die Kollegen den Patienten durch die Kamera auch sehen können.“

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