Klinikverbund Südwest Eine Abbaustrategie ist erkennbar
Die Sparpläne des Klinikverbunds Südwest könnten nicht nur für das Krankenhaus Herrenberg, sondern auch das in Leonberg gravierende Folgen haben.
Die Sparpläne des Klinikverbunds Südwest könnten nicht nur für das Krankenhaus Herrenberg, sondern auch das in Leonberg gravierende Folgen haben.
Es ist eine Woche her, da wurden in einer hektisch einberufenen Pressekonferenz jene Eckpunkte verkündet, mit der sich der Klinikverbund Südwest für die Zukunft, vor allem für die vom Bundesgesundheitsminister betriebene Reform der deutschen Krankenhäuser wappnen will. Die anvisierten Schritte sind Empfehlungen eines Gutachtens, das die auf Kliniken spezialisierte Beratungsfirma Lohfert & Lohfert erstellt hat. Und die haben es in sich: Das Krankenhaus in Herrenberg soll seinen 24-Stunden-Betrieb verlieren, was de facto einer Aufgabe des Klinikstandorts gleichkommt. Besonders bitter: Die beliebte Geburtenstation ist damit weg.
Diese soll auch in Leonberg verschwinden. Zwar hatte der Klinikverbund noch vor einem Jahr – ähnlich der erfolgreichen Geburtshilfe in Herrenberg – einen hebammengeführten Kreißsaal eingeführt, der prompt zu höhren Geburtszahlen geführt hat. Doch die wohnortnahe gynäkologische Versorgung scheint den Sanierern zu teuer.
Der personelle Aufwand sei zu hoch, wird argumentiert. Andere Fachleute hingegen verweisen darauf, dass Leonberg als Haus der Notfallversorgung ohnehin rund um die Uhr ein Ärzteteam präsent hat, das auch bei Geburtsproblemen eingreifen könne.
Nach einer ersten Schockstarre angesichts der hastig verkündeten Pläne dämmert nun vielen Beteiligten, vor allem aber den Betroffenen, was die Folgen sind, würden die Vorschläge Realität: In Herrenberg gäbe es nur noch eine Art bessere Notfallpraxis zu den üblichen Bürozeiten. Das Angebot in Leonberg würde sich vornehmlich auf die Bauch- und Darmchirurgie sowie die Unfallchirurgie beschränken.
In diesen bewegten Zeiten besser als nichts, könnte man meinen. Zumal dies zwei wichtige wie erfolgreiche Abteilungen sind. Doch geht man ins Detail, sind die Grundzüge einer Abbaustrategie erkennbar. Denn perspektivisch empfehlen die Gutachter „standortübergreifende chefärztliche Strukturen.“ In der Praxis: Der Chef sitzt in der neuen Flugfeldklinik in Böblingen und schaut in Leonberg allenfalls gelegentlich nach dem Rechten.
Das kennen wir doch schon: Mit diesem Modell wurde über Jahre die Gynäkologie mehr schlecht als recht geführt. Und auch die anderen Fachkliniken innerhalb des Leonberger Krankenhauses hätten wohl ihre Chefs verloren, hätte es vor zehn Jahren nicht massive Proteste gegeben. Mittlerweile ist unstrittig, dass das Etablieren von Chefärzten, die gleichsam Aushängeschilder der Klinik sind, der richtige Weg war.
Der kostet zugegebenermaßen Geld. Aber wenn es die Politik und der Klinikverbund ernst meinen mit Leonberg als starkem Haus der Basisversorgung, darf an der Chefarztfrage nicht gerüttelt werden. Andernfalls bekämen wir das, was Landrat Roland Bernhard schon 2013 mit Verve dementiert hatte: das Krankenhaus als Portalklinik, also als eine bessere Notaufnahme fürs Flugfeld.
Am Montag will der Klinikverbund mit einem Informationsabend in Herrenberg die Wogen glätten. Mit Blick auf die dortige Geburtshilfe ist schwer vorstellbar, dass dieses Unterfangen gelingt. Am Mittwoch macht die Beruhigungstour um 18 Uhr in der Leonberger Steinturnhalle Station. Auch da dürfte es für die Gutachter und die Geschäftsführung eher ungemütlich werden. Die alleinige Versicherung, dass Leonberg ein 24/7-Betrieb bleibt, wird kaum ausreichen. Die Strategen werden gut erklären müssen, warum nicht nur die Geburtshilfe, sondern die ganze Gynäkologie aufgegeben und die eigenen Chefärzte abgeschafft werden sollen.