Klinikverbund Südwest Gutachter empfehlen zentrale Flugfeldklinik

Das anvisierte Großkrankenhaus soll auf dem orange markierten Areal des Flugfelds zwischen Böblingen und  Sindelfingen gebaut werden. Foto: Klinikverbund Südwest/Stampe
Das anvisierte Großkrankenhaus soll auf dem orange markierten Areal des Flugfelds zwischen Böblingen und Sindelfingen gebaut werden. Foto: Klinikverbund Südwest/Stampe

Ein Gutachten empfiehlt den Bau einer zentralen Klinik auf dem Flugfeld und die Schließung der Häuser in Böblingen und Sindelfingen.

Böblingen: Gerlinde Wicke-Naber (wi)
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Böblingen/Sindelfingen - Wirtschaftlich sinnvoll ist allein der Neubau eines zentralen Klinikums auf dem Flugfeld und die Schließung der beiden bisherigen Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen. Dies ist das Ergebnis eines Gutachtens, das der Klinikverbund Südwest in Auftrag gegeben hatte. Die drei Gesellschafter des Klinikverbunds – die Landräte Roland Bernhard (Böblingen) und sein Calwer Kollege Helmut Riegger sowie der Sindelfinger Oberbürgermeister Bernd Vöhringer – präsentierten gestern gemeinsam mit Elke Frank, der Geschäftsführerin des Klinikverbunds, die Studie der Öffentlichkeit.

334 Millionen Euro würde der Neubau einer Klinik mit 734 Betten kosten. Als optimalen Standort empfehlen die Gutachter das Flugfeld mit dem S-Bahn- und Autobahnanschluss. Auch aus politischen Gründen sei das der beste Platz, sagte der Böblinger Landrat Bernhard. „Das ist quasi neutrales Gelände. Es wäre schwieriger, den Bürgern zu vermitteln, dass das neue Klinikum in einer der Städte gebaut wird.“ Auch ein geeignetes Areal auf dem Flugfeld hat das Tübinger Büro Teamplan, das das Gutachten erstellt hat, bereits untersucht und für passend befunden. Und wenn es nach dem Willen der Gesellschafter und der Geschäftsführung geht, kann die neue Flugfeld-Klinik nach sieben Jahren Bauzeit bereits im Jahr 2020 eröffnet werden.

Was mit den Gebäuden der beiden bestehenden Kliniken passieren soll, steht noch in den Sternen. Auch die Finanzzierung des Neubauvorhabens ist noch nicht geklärt. „Wir haben aber bei einem Vorgespräch im Sozialministerium positive Signale für eine Förderung erhalten“, berichtete Roland Bernhard.

Auch eine Fusion der Häuser Calw und Nagold wird geprüft

Die kleineren Häuser des Verbunds in Herrenberg und Leonberg sollen erhalten bleiben. Allerdings müssten auch sie für weitere 64 Millionen Euro saniert werden. Für die Häuser Calw und Nagold ist eine ähnliche Konzeption wie für Böblingen/Sindelfingen im Gespräch. Mit einem gesonderten Gutachten, das in spätestens einem Jahr vorliegen soll, soll nun geprüft werden, wie wirtschaftlich eine Zusammenlegung der beiden dortigen Kliniken an einem Standort ist.

Auch die demografische Entwicklung berücksichtigten die Gutachter bei ihren Berechnungen. Ein Neubau würde der Klinik pro Jahr von 2025 an etwa 8000 neue Patienten bringen. Rund ein Zehntel davon seien Patienten der anderen vier Häuser des Verbunds. Doch insgesamt würden auch die kleinen Häuser finanziell von einem Zentralklinikum auf dem Flugfeld profitieren, so das Fazit der Gutachter.

Das Büro Teamplan hatte den Auftrag gehabt, mehrere Varianten zu prüfen: die Beibehaltung des Status quo mit einer Klinik in Böblingen und einer in Sindelfingen, die Zusammenlegung beider Häuser am jetzigen Standort Böblingen, eine gemeinsame Klinik am jetzigen Standort Sindelfingen sowie die Variante eins Neubaus.

92 Millionen Euro müssten in die Sanierung der bestehenden Kliniken investiert werden, wollte man sie beide erhalten, errechneten die Gutachter. Doch diese Variante sei wegen der Doppelstrukturen unwirtschaftlich. Vieles muss momentan doppelt vorgehalten werden: der Empfangsbereiche, die Notfallambulanz. „Dies würde sich in den kommenden 50 Jahren auf ein Defizit von einer halben Milliarde Euro summieren“, so die Gutachter.

Die Zusammenlegung an einem der bestehenden Standorte sei vor allem ein logistisches Problem. Denn die Klinik müsste unter dem laufenden Betrieb saniert und erweitert werden. Rund 17 Jahre Planungs- und Bauzeit und eine Investitionssumme von 294 Millionen Euro veranschlagen die Gutachter für den Standort Böblingen, 19 Jahre Planen und Bauen sowie 356 Millionen für den Umbau des Sindelfinger Krankenhaus zum zentralen Standort.

Die Gesellschafter wollen noch dieses Jahr eine Entscheidung

Am wirtschaftlichsten – so die Gutachter – sei ein Neubau: Bereits im Jahr 2024 würde ein solches neues Großklinikum ein positives Ergebnis erwirtschaften. Bei den beiden anderen Varianten der Zentralisierung an einem der bestehenden Klinkstandorte wäre dies erst im Jahr 2033 beziehungsweise 2035 der Fall.

Nun soll das Gutachten, das am Montag bereits den Böblinger und Calwer Kreisräten und den Sindelfinger Gemeinderäten in einer gemeinsamen Sitzung vorgestellt worden war, in den Gremien diskutiert werden. Die Gesellschafter hoffen, dass diese noch Ende dieses Jahres den Beschluss für eine zentrale Klinik fällen.




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