Klinikverbund Südwest Showdown mit ungewissem Ausgang

Dar Krankenhaus Leonberg behält mindestens fünf Jahre die Gynäkologie. Foto: Simon Granville

Einschnitte in Leonberg, Abbau in Herrenberg: Am Montag stimmen die Kreistage über das Medizinkonzept ab. Gegenwind aus Calw.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Am Montag um 15 Uhr soll, salopp gesagt, ein Knopf an die Sache gemacht werden. Doch diese heute gängige Umschreibung deutet nicht ansatzweise die Konsequenzen aus den Tagesordnungspunkten 2 und 3 an, die im Böblinger Kreistag dann beschlossen werden sollen.

 

Worum geht es?

Der Klinikverbund Südwest, zu dem die Häuser in Böblingen, Calw, Herrenberg, Leonberg, Nagold und Sindelfingen gehören, schreibt tiefrote Zahlen. Jüngst wurde das aktuelle Defizit für das laufende Jahr mit 57,24 Millionen Euro angegeben. Bisher war sogar von einem 70 Millionen-Loch die Rede.

Es muss also eisern gespart werden. Zehn Millionen Euro im Jahr soll der Geschäftsführer Alexander Schmidtke, der vor einem Jahr als Sanierer geholt wurde, wettmachen. Sparen lässt sich auch hier am besten beim Personal. Doch in den einzelnen Häusern wird schon jetzt unter akutem Personalmangel und hoher Arbeitsbelastung gestöhnt. Die dauerhafte Verunsicherung erhöht den Frust. Die Fluktuation ist groß.

Was passiert mit den Kliniken?

Zentraler Punkt ist ein Umpflügen der Kliniklandschaft. Auf dem Flugfeld bei Böblingen entsteht eine Großklinik mit allen medizinischen Disziplinen. Dass die jetzt mit 750 Millionen Euro bezifferten Kosten am Ende bei einer Milliarde stehen werden, gilt bei vielen Experten als sicher. Die jetzigen Krankenhäuser in Böblingen und Sindelfingen gehen dann in dem Neubau auf.

Hauptleidtragender ist der Standort Herrenberg. Dort ist künftig lediglich ein „integriertes Gesundheitszentrum“ mit 120 Betten und Tagesoperationen geplant. Die erfolgreiche Geburtenstation wird ins Flugfeld verlegt, der 24-Stunden-Betrieb entfällt – und damit der Status eines Krankenhauses.

Davon ist in Leonberg keine Rede. Als nördlicher Außenposten ist das Krankenhaus für den Klinikverbund von strategischer Bedeutung. Medizinischer Leuchtturm bleibt dort die Innere Klinik. Jedoch soll in fünf Jahren die Gynäkologie dicht gemacht werden. In Leonberg hofft man, sie mit steigenden Geburtenzahlen noch zu retten.

Was bedeutet die Fusion?

Der Klinikverbund hat zwei kreiseigene Krankenhausgesellschaften und damit etliche Doppelstrukturen – bis hin zu zwei Aufsichtsräten. Daraus soll nun eine Gesellschaft gemacht werden, die für alle Häuser in den zwei Kreisen zuständig ist. Für all das ist die Zustimmung beider Kreistage nötig.

Wie ist die politische Ausgangslage?

Beide Gremien tagen am Montag parallel. Im Böblinger Kreistag wird mit einer breiten Mehrheit für das Medizinkonzept und für die Fusion der Klinikgesellschaften gerechnet. Im Schwarzwald ist es komplizierter. In der Kreisstadt Calw ist man alles andere als begeistert, dass das dortige Krankenhaus zugunsten der Klinik in Nagold verkleinert werden soll. Hinter den Kulissen rumort es.

Ob es im Calwer Kreistag am Montag eine Entscheidung zugunsten einer Fusion gibt, scheint nicht ausgemacht. Sollte es aber kein „Ja“ aus dem Schwarzwald geben, stünden auch im Kreis Böblingen die Signale erst einmal auf rot. „Keine Fusion, kein Medizinkonzept“, bringt es ein Insider auf den Punkt.

Weitere Themen