Klinikverbund Südwest wappnet sich Fieber-Ambulanz für Corona-Kranke

Der Klinikverbund trennt von sofort an Infizierte von anderen Patienten. Vor jedem Krankenhaus wird eine zweite Notaufnahme für Schwerkranke mit Corona-Symptomen eingerichtet.

Johannes Böer, der Chefarzt der Sindelfinger Notaufnahme, zeigt die neue Fieber-Ambulanz. Foto: factum/Jürgen Bach 5 Bilder
Johannes Böer, der Chefarzt der Sindelfinger Notaufnahme, zeigt die neue Fieber-Ambulanz. Foto: factum/Jürgen Bach

Sindelfingen - Für Patienten mit Fieber oder Husten gibt es von nächster Woche an eine eigene Notaufnahme an jedem der sechs Krankenhäuser des Klinikverbunds Südwest. Dort werden sie sofort untersucht und mit einem Abstrich wird getestet , ob sie mit dem Corona-Virus infiziert sind. Bis das Ergebnis vorliegt – zumeist ist das nach vier bis fünf Stunden der Fall –, bleiben die Patienten auf einer Isolierstation.

Alle anderen Patienten ohne Corona-Symptome, die mit einem Beinbruch, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall kommen, werden in der normalen Notaufnahme untersucht – strikt getrennt von den möglicherweise Corona-Infizierten.

Vor der Klinik werden mögliche Corona-Infizierte von anderen Patienten getrennt

Aktuell liegen 22 Menschen, bei denen das Virus nachgewiesen worden ist, in den Kliniken des Verbunds, der in den Kreisen Böblingen und Calw insgesamt sechs Häuser hat. Neun dieser Patienten sind so schwer krank, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden, sieben davon werden beatmet. Im Moment noch sind die Krankenhäuser in Böblingen und Calw die Anlaufstellen für Corona-Infizierte. „Doch von kommender, spätestens von übernächster Woche an, rechnen wir mit deutlich mehr Corona-Kranken in den Kliniken“, sagt Gerald Tomenendal vom Klinikverbund, der im Krisenstab des Landkreises sitzt. Deshalb werden nun alle Kliniken so umgestaltet, dass sie bereits am Eingang die möglichen Corona-Infizierten von den anderen Patienten trennen. In Böblingen ist diese sogenannte Fieberambulanz in der Mitarbeiter-Cafeteria eingerichtet worden – und bereits am Freitag in Betrieb gegangen. Als nächstes folgt am Montag die Sindelfinger Klinik.

„Wir sind kein Corona-Testzentrum für Urlaubsrückkehrer, die wissen wollen, ob sie infiziert sind“, stellt Jörg Noetzel, der Chef des Klinikverbunds klar. „Wir nehmen nur Patienten auf, die eindeutig ein Fall für das Krankenhaus sind.“ Also Menschen, die mit Fieber und großer Atemnot kommen oder vom Rettungsdienst gebracht werden. „Alle anderen Patienten schicken wir wieder weg. Sie erhalten von uns einen Informationszettel mit Adressen des Gesundheitsamts“, sagt Noetzel.

In zehn Isolierbetten müssen die Patienten auf das Testergebnis warten

Sechs Kabinen für Patienten gibt es in der Sindelfinger Fieberambulanz, die in der Halle eingerichtet wurde, in der üblicherweise die Rettungswagen parken. „Die Patienten bleiben etwa 30 Minuten bei uns“, erklärt Johannes Böer, der Chefarzt der Sindelfinger Notfallmedizin. „Nach dem Abstrich werden sie in die Decision Unit gebracht.“ Dafür gibt es in Sindelfingen zehn Isolierbetten. Dort warten die Patienten auf das Testergebnis. Sollte sich herausstellen, dass der Patient infiziert ist, kommt er auf die Corona-Station. Diese hat Platz für 20 Menschen.

Aufgerüstet werden im Klinikverbund auch die Intensivstationen. „Das größte Problem ist die Beschaffung von Beatmungsgeräten“, sagt der Klinikchef. „Derzeit haben wir drei Monate Wartezeit bei Bestellung.“ Vor Corona verfügte der Klinikverbund über 33 Beatmungsplätze, mittlerweile sind es 50.

Doch um italienische Verhältnisse zu vermeiden, braucht man noch mehr Geräte – und vor allem mehr Personal. „Wir schulen auch normale Pfleger in Intensivpflege. Und bei den Ärzten helfen auch die Orthopäden aus“, sagt Böer. Dringend suchen die Kliniken weitere Pflegekräfte mit intensivpflegerischen Kenntnissen. Sehr gefragt sind aber auch Reinigungskräfte und Wachleute. Denn wegen des Corona-Virus ist der Zutritt zu den Krankenhäusern reglementiert. Außer den Mitarbeiten dürfen nur die Angehörigen von lebensbedrohlich Erkrankten und Eltern kranker Kinder ins Haus.




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