Kochduell in Weissach Ein grenzenloser Spaß am Küchenherd

Von Torsten Schöll 

Beim ersten Kochduell in der Flachter Festhalle zeigen drei internationale Teams ihr kulinarisches Können.

Bürgermeister Daniel Töpfer entpuppt sich als Moderationstalent und unterhält die Zuschauer, die den Köchen über die Schulter schauen dürfen. Foto: factum/
Bürgermeister Daniel Töpfer entpuppt sich als Moderationstalent und unterhält die Zuschauer, die den Köchen über die Schulter schauen dürfen. Foto: factum/

Weissach - „Drei, zwei eins, an die Pfannen, an die Löffel!“ Weissachs Bürgermeister Daniel Töpfer ist ein Moderationstalent. Am Freitagabend gibt er um 18.40 Uhr nicht nur den Startschuss zum „Ersten Weissacher Kochduell“, er führt auch höchst unterhaltsam durch den Abend in der Flachter Festhalle. Eine Stunde haben die drei internationalen Teams Zeit, um ihre Küchenkreationen zuzubereiten und möglichst gekonnt auf den Tellern der Juroren zu präsentieren. Danach gilt’s: Wem ist das beste Multikulti-Gericht des Abends gelungen?

Was sich nach einer Variante hinlänglich bekannter und reichlich aufgeregt inszenierter Fernsehformate anhört, ist in Flacht einfach ein großer Spaß – „und Höhepunkt unserer Ausstellung ‚Von Spätzle bis Heckengäu-Kaviar‘ – Kostproben unserer Esskultur“, wie die Organisatorin des Kochduells und Leiterin des Heimatmuseums Flacht, Barbara Hornberger, erklärt. Von Aufregung in der Küche keine Spur. Es herrscht gelöste Stimmung unter den drei Teams, bestehend aus in Weissach lebenden Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan sowie zwei deutschen Hobbyköchinnen.

Kurzfristig am Herd

Die Syrerin Rana Karkanawi und die Kochbuchautorin Karin Momberger aus Rutesheim, Letztere ganz kurzfristig eingesprungen, haben sich eine Kombination aus Ouzi – einem arabischen Blätterteiggericht – und gefüllten Apfeltaschen mit Rosenwasser vorgenommen: „Ich liebe es zu kochen“, schwärmt die 41-jährige Syrerin, während sie in der Küche der Festhalle konzentriert die Füllung aus Reis, Erbsen und Hackfleisch zubereitet.

Nebendran versucht sich das schwäbisch-syrische Team Nummer 3 aus Mohamed Faris und Patricia Spreiter aus Weissach an arabisch inspirierten und mit Gemüse gefüllten Putenrollen, die mit Sesambutterkartoffeln gereicht werden. Team 3 scheint im Vorteil. Der 43-Jährige Faris ist Profikoch und arbeitet in einem Stuttgarter Restaurant: „Die Putenrollen werden in Butter angebraten und müssen dann für 20 Minuten in den Ofen“, erklärt Faris, der an seinem Arbeitsplatz in Stuttgart nicht arabisch kocht, sondern: gutbürgerlich-schwäbisch!

Reis mit Karotten, Rindfleisch und Rosinen

Das afghanische Team um Mutter und Tochter Khoshnawa, sprachlich und fachlich unterstützt durch den 21-jährigen Ramin Nawabi, trägt die Startnummer 2. Sie zaubern die afghanische Spezialität Qabili, ein Reisgericht mit Karotten, Mandeln, Rosinen und Rindfleisch. Dazu gibt es einen Salat aus Tomaten, Minze, Zwiebeln und Petersilie, wobei Mutter Aziza Khoshnawa bei der Petersilie nicht so sicher ist, ob sie wirklich in ihr Gericht gehört. Seis drum: Improvisation ist alles. Schließlich entpuppen sich die eingekauften Blätterteig-Platten bei Team 1 auch als chinesischer Frühlingsrollenteig.

Während für die Köche die Uhr tickt, versucht sich Bürgermeister-Moderator Töpfer in der Festhalle als Quizmaster, um den Zuschauern die Wartezeit zu verkürzen. Küchenfragen stehen auf dem Programm, für die es gespendete Preise einzusammeln gilt. Das dreiköpfige Juroren-Team, das kurzfristig verändert werden musste, weil die beiden eigentlich eingeplanten Köche Issam Abdul Karim und Jakob Schön ausgefallen waren, ergänzt Töpfer spontan um Oliver Balmes.

Spontanes Jury-Mitglied

Der Küchenchef aus Weissach wollte zwar ursprünglich nur zuschauen, war bei einer Quizfrage aber so unvorsichtig zu erwähnen, dass er vom Fach ist. Womit die Jury an diesem Abend aus Töpfer, Balmes sowie der Landfrauen-Ortsvorsitzenden Vera Härlin und Simone Voss, Sachgebietsleiterin Sozialbetreuung im Landratsamt Böblingen, besteht.

Als Barbara Hornberger wissen lässt, dass den Teams noch zehn Minuten bleiben, steigt auch die Betriebstemperatur in der Küche. Wird es eng? Rana Karkanawi schüttelt den Kopf: „Das reicht.“ Und auch Ramin Nawabi ist sich sicher: „Wir werden fertig.“

Team 2 hat am Ende die Nase vorn

Natürlich muss hier am Ende keiner ein halb fertiges Gericht präsentieren. Die ohnehin nicht sehr strengen Regeln des Kochduells werden großzügig ausgelegt – es soll schließlich schmecken. Was es dann auch tut: Die Juroren zeigen sich verzückt ob der interkulturellen Küchen-Kreationen. Kritische Worte sind selten. Profikoch Balmes erkennt mit geübtem Blick, dass das durchgegarte Rindfleisch von Team 2 „sicher nicht in der letzten Stunde fertig wurde“. Was dann auch verrät, dass alle Teams mit etwas Vorbereitung ins Kochduell gestartet sind.

Am Ende hat das Team 2 der Familie Khoshnawa die Nase vorn. Das Reisgericht aus Afghanistan macht das Rennen. Nur einen Punkt dahinter liegt das syrisch-deutsche Team Karkanawi/Momberger. Drittplatziert: Mohamed Faris und Patricia Spreiter. Sieger aber waren am Ende alle, auch die Zuschauer, weil der Abend eindrucksvoll zeigte, dass Integration nicht nur gelingen, sondern auch Spaß machen kann.




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