Fellbach - Welchem Kandidaten die Bürger politisch mehr über den Weg trauen, wird sich erst bei der Landtagswahl am 14. März entscheiden. Sicher aber ist schon jetzt, dass sowohl der Italo-Grüne Alfonso Fazio als auch der CDU-Politiker Siegfried Lorek am Herd eine ganz passable Figur abgeben – und trotz aller inhaltlichen Unterschiede kulinarisch durchaus auf Augenhöhe sind.
Bewiesen wurde das bei einem live übertragenen „Kochduell“ der beiden Kandidaten im Fellbacher Restaurant Italfisch. Unter den Augen der aus Ex-OB Christoph Palm und dem Schmidener Sternekoch Michael Oettinger gebildeten Fachjury versuchte Fazio sich an einem für Lebenslust und Leidenschaft stehenden Pastagericht, während sich Lorek mit einer modernisierten Version eines Schwaben-Klassikers mühte.
Sternekoch Michael Oettinger und Fellbachs Ex-OB Christoph Palm als Schiedsrichter
Heraus kamen, so viel sei schon mal verraten, zwei durchaus leckere Gerichte, die Küchenprofi Michael Oettinger in der Kategorie „solide Hausmannskost“ einordnete. Spaghetti mit Knoblauch, Öl und Peperoni hatte sich der Waiblinger Stadtrat Fazio auf den Rezeptblock geschrieben, verfeinert wurde der Sugo mit frischen Tomaten, Anchovis und Kapern aus Apulien. Für den temperamentvollen Lokalpolitiker ein „g’mähtes Wiesle“, für die fast 50 Zuschauer im Internet ein Grund für erhöhte Speichelproduktion. Damit geschmacklich auch wirklich nichts schief gehen kann, hatte Fazio gleich drei verschiedene Käsesorten mitgebracht, zweimal Pecorino, einmal Parmesan.
Während der politische Außenseiter Knoblauch schälte und Tomaten viertelte, rührte der seit 2016 im Landtag sitzende Lorek in seinem Spätzlesteig – und gab offen zu, dass er sich das mit den Eiern und dem Mehl erst mal von seiner Frau hatte erklären lassen müssen. Dass die Spätzle-Premiere dem aus Südbaden eingewanderten Polizeiexperten ganz ordentlich gelang, erfüllte Lorek durchaus mit Stolz: „Ich bin ganz zufrieden mit meinen Spätzle“ strahlte er beim Nachfüllen der Metallpresse überm brodelnden Kochtopf. Für den innovativen Touch hatte sich Lorek übrigens für Kürbispüree im Teig entschieden – eine Kombination, bei der dem aus dem Allgäu stammenden Fotografen das puristische Herz blutete.
Bei beiden Hobbyköchen fehlt der letzte Pfiff – wohl auch wegen der Corona-Maske
Geschmacklich konnte die Variante indes durchaus punkten – auch wenn es sowohl bei Lorek als auch bei Fazio am letzten Pfiff fehlte. „Man merkt deutlich, dass die beiden jetzt mit Maske kochen – und deshalb auch nicht abgeschmeckt haben“, sagte Oettinger übers fehlende Salz.
Dass es überhaupt zu dem Kochduell kam, liegt an einer Beschwerde, die selbst ausgefuchste Wahlkampfstrategen nicht besser hätten planen können. Um auch bei jüngeren Altersschichten ins Gespräch zu kommen hatte sich CDU-Mann Siegfried Lorek von seinem Schwaikheimer Parteifreund Tobias Schneider ein Computerspiel programmieren lassen, bei dem er unter dem Titel „Sigi go“ im Gameboy-Stil durch den Wahlkreis hüpft. Während es in Korb durch die Weinberge geht und in Fellbach über Pixel-Sigi die stadtbekannten Tower-Falken kreisen, taucht im Waiblinger Level eine Figur auf, die rot vor Wut und mit erhobenen Fäusten auf einer Rems-Insel zornigelt. Dass mit dem Männchen er selbst gemeint ist, war für Alfonso Fazio keine Frage. Mehr oder weniger erbost forderte der streitbare Stadtrat ob der digitalen Schmähung eine Wiedergutmachung ein – und Lorek zum coronakonformen Duell am Küchenherd auf.
CDU-Mann Lorek muss ins Wahlkampf-Spiel nun einen positiven Pixel-Fazio integrieren
Den für den Sieg vereinbarten Preis muss der CDU-Mann dem Kontrahenten jetzt wohl zuerkennen. Ausgemacht war, dass ein positiver Pixel-Fazio zu sehen ist, wenn es im Computerspiel auf Stimmenfang geht – und der Waiblinger das Kochduell für sich entscheidet. Das hat der als unabhängiger Kandidat antretende Grüne am Samstag laut der Jury – wenn auch mit hauchdünnem Vorsprung. Als Gewinner fühlen dürfen sich freilich beide Hobbyköche – so viel Aufmerksamkeit wie für Spaghetti und Spätzle gibt es für politische Botschaften eher selten.