Kochen mit Kindern Wie man Küche und Kinder unter einen Hut bekommt

Eltern und begeisterte Hobbyköche und Food-Blogger: Perry und Maria Martins Lopes. Foto: privat/LOPES

Ein Ehepaar aus Bietigheim-Bissingen versucht den Beweis: Auch mit Nachwuchs kann es gelingen, nicht nur Nahrung auf den Tisch zu bekommen. Ihre Kreationen präsentieren sie auf einem Blog.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Bietigheim-Bissingen - Wer auf dem Blog von Maria und Perry Martins Lopes durch die Rezepte scrollt, dem läuft fast zwangsläufig das Wasser im Mund zusammen. Koteletts in cremiger Kaffee-Zitronen-Sauce preisen die beiden beispielsweise an oder einen Fischburger mit Tomaten-Basilikum-Mayo. Die Bilder sehen fast unecht gut aus, die Zutaten wie gemalt. Dass das Ehepaar aus Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) täglich gemeinsam am Herd steht und das Essen so gekonnt in Szene setzt, ist an und für sich nichts Besonderes. Food-Blogs gibt es im World Wide Web mittlerweile wie Salz im Atlantischen Ozean.

 

Was die Arbeit der beiden 30-Jährigen zu etwas Besonderem macht, sind die Umstände: Die beiden haben zwei Kinder, die Tochter ist vier Monate alt, ihr größerer Bruder wird bald zwei. Während viele Eltern nach der Geburt ihrer Kinder sich vom Herd verabschieden, war das beim Ehepaar Martins Lopes anders. „Am Wochenende kochen wir auch mal zweimal“, sagt Perry. „Wir essen dasselbe wie unser Sohn.“ Wenn der einen Wunsch äußert, müssen sich die Eltern schon nicht so viele Gedanken machen. Frisch sollte es aber in jedem Fall sein, wenn möglich regional – dann schmeckt’s auch dem Kind. Erbsen und Würstchen gehen immer. Weniger beliebte Zutaten – Karotten oder auch Brokkoli – lassen sich gut in Bratlingen oder Bällchen verarbeiten.

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Bei Kindern kommt es offenbar häufig weniger auf den Geschmack an als auf Form und Textur des Essens. Große Abstriche müsse man ansonsten eigentlich nicht machen, was Zutatenvielfalt und Kreativität angeht. „Nur so scharf würzen wie früher, das geht nicht mehr“, sagt Perry. Ansonsten ist natürlich jedes Kind anders zugänglich für neues Essen. „Wir haben Glück“, sagt Maria, „unserer isst sogar Oktopus.“

Wenn die Mama kocht, kocht der Sohn mit

In Deutschland werde, unabhängig davon, ob Paare Kinder hätten, weniger gekocht als in ihren Heimatländern – Maria ist Griechin, Perry Halbportugiese. „Auch befreundete Paare tun sich da teils schwer“, sagt sie. Dass in vielen Familien statt eines reichhaltigen Essens eher Fertiggerichte auf den Tisch kommen, wissen beide – und finden das ein bisschen schade. Denn viel braucht es eigentlich nicht, um es anders zu machen. Kochen mit Kindern sei kein Hexenwerk. Bei Familie Lopes sieht das meist so aus: Die Tochter sitzt in der Wippe, während Mama den Kochlöffel schwingt. Der Familie kommt dabei zugute, dass sie eine relativ große Küche hat. Maria rührt in ihren Zutaten am echten Herd, der Sohnemann tut es ihr gleich – in seiner Spielküche. „Er liebt seine Messbecher und seine Waage“, sagt die Mama. Unter Aufsicht darf das Kind dann auch mal im richtigen Essen rühren. „Man muss die Kids halt beschäftigen“, sagt Maria Lopes. Wenn die sich erst einmal an das Ritual, das Kochen ja auch ist, gewöhnt hätten, sei es kein Problem mehr.

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Eine Tiefkühlpizza kommt auch mal auf den Tisch

Für die Mutter zweier Kinder sei das Schnibbeln „wie ihr Yoga“, sagt sie. Die vierköpfige Familie kocht immer abends gemeinsam, Vater Perry hat dann gleich etwas für den nächsten Arbeitstag. Natürlich hat sich auch bei Familie Martins Lopes einiges an den Essgewohnheiten geändert, seit die Sprösslinge auf der Welt sind. „Bis wir Kinder hatten, haben wir über acht Jahre keine einzige Tiefkühlpizza gegessen“, sagt Perry. Die kommt mittlerweile auch mal auf den Tisch – und auch wesentlich mehr Fertigmaultaschen. Und: So intensiv und häufig, wie sie das ohne Kinder getan haben, bloggt das Ehepaar inzwischen auch nicht mehr.

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Irgendetwas bleibt mit Kindern eben doch auf der Strecke. Drei Rezepte fanden in der Woche zu Beginn des Projekts ihren Weg ins Netz. Mittlerweile sind es eher zwei pro Monat. „Das ist halt schon auch Aufwand“, sagt Perry, der die Bilder schießt, die jeden Foodstylisten erblassen lassen. Fürs Netz eigenen sich im Übrigen eher die Gerichte aus der Heimat seiner Frau. „Alles, was eher pampig aussieht – etwa Eintöpfe oder jede Art von Risotto –, ist schwerer in Szene zu setzen“, sagt Perry Lopes. Einen Vorteil hat das Weniger an Blogeinträgen aber auch. Das Essen steht nicht mehr so lange auf der Anrichte und kann noch warm verzehrt werden.

Was sich aus wenigen Zutaten zaubern lässt

Blog
 Der Blog von Maria und Perry Martins Lopes ist im Netz unter www.resipis.de zu finden. Die Inhalte sind zudem in einer App für I-Phone und Android verfügbar. Beides hat Maria Lopes, die gelernte Kommunikations- und Web-Designerin ist, selbst aufgesetzt. Die Seite hat nach Angaben des Ehepaars im Monat bis zu 200 000 Besucher.

Rezepte
 Besondere Features des Blogs sind unter anderem eine Zutatensuche. Wer zwei oder mehr Zutaten zur Hand hat und wissen möchte, was sich damit kochen lässt, dem spuckt die Internetseite ein passendes Rezept aus. Außerdem lassen sich Rezepte auch nach „Schmutzgrad“, „Kostenfaktor“ und „Zeitspanne“ filtern.

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