Seit Ende Oktober vergangenen Jahres gastiert die Ausstellung „Körperwelten – Am Puls der Zeit“ im ersten Obergeschoss in den Königsbau-Passagen. Mehr als 45 000 Menschen haben laut dem Veranstalter, der Cofo Entertainment GmbH, die „weltweit erfolgreichste Anatomieschau“ in Stuttgart bereits besucht. Nun ist das Gastspiel bis zum 3. März verlängert worden. Ursprünglich sollte die Ausstellung nur bis zum 28. Januar auf den rund 2000 Quadratmetern zu sehen sein.
Gezeigt werden etwa 20 Ganzkörper- und etwa 120 Einzel-Exponate – darunter auch Organe, um zu verdeutlichen, wie sie funktionieren. „Zu sehen sind gesunde und kranke Organe“, sagt Kuratorin Angelina Whalley. Unter anderem werden die Themen Herzinfarkt, Krebs und Hirnschlag aufgegriffen. „Wir wollen den menschlichen Körper darstellen – mit seinen vielen Facetten, seiner Verwundbarkeit und seinem Potenzial, angesichts der Herausforderungen, denen er sich im 21. Jahrhundert konfrontiert sieht“, sagt Whalley. Die Ausstellung fordere den Besucher auf, die dauerhafte Reizüberflutung des modernen Lebens und ihre langfristigen Auswirkungen auf Körper und Geist kritisch zu hinterfragen.
Über Erläuterungen zur Ernährung, Bewegung oder Stärkung des Immunsystems hinaus will die Ausstellung aufzeigen, wie ein gesundes langes Leben in der heutigen Zeit gelingen kann. „Körperwelten ist eine Ausstellung, die den Blick auf uns selbst und unsere Lebensweise nachhaltig verändert. Die faszinierenden echten menschlichen Exponate ermöglichen umfassende Einblicke in den komplexen Aufbau unseres Innenlebens und erklären leicht verständlich Funktionsweise und Zusammenspiel der Körpersysteme und Organe, aber auch häufige Erkrankungen“, sagt Whalley.
Doch es gibt auch Kritiker, die das anders sehen, wie zum Beispiel Stadtdekan Christian Hermes: „Neben dem morbiden Charme des Gruselkabinetts mit, echten Toten‘ haben wir es paradoxerweise hier mit einer interessanten Bewältigungsstrategie zu tun, sich das Beängstigende von Tod und Toten vom Leib zu halten versucht, indem diese Menschen zu hygienischen Plastikpuppen, zu Nekro-Porn-Objekten verdinglicht werden. Man kann also Leichen begegnen in einer völlig sicheren und ungefährlichen Darreichungsform, erregt gaffend, ohne Beziehung, ohne Verantwortung. Ich wage mal die These: Die plastinierten Leichen sind das perfekte industrielle Produkt, um den realen Tod realer Menschen vergessen oder vermeiden zu können. Das ist moralisch ziemlich bescheiden, aber viele finden das toll.“
Drei Einzelhändler sollen auf die Ausstellung folgen
„Und das aus gutem Grund“, heißt es bei Cofo Entertainment. „Die aktuellen Umfrage-Ergebnisse belegen, dass die Erwartungen des Publikums mit einem sensationellen Wert von 95 Prozent erfüllt oder sogar übertroffen werden.“ Unter den bis dato 45 000 Besuchern sei ein Familienanteil von über 20 Prozent zu verzeichnen. Mehr als 4500 Jugendliche seien im Rahmen von Schulausflügen in der Schau gewesen. Unter anderem konnten Nachwuchsforscher zwischen acht und zwölf Jahren – ausgestattet mit Arztkittel in Kindergröße, Stethoskop und Quizheft – entdecken, wie der menschliche Körper aufgebaut ist.
Auch der Centermanager der Königsbau-Passagen, Maximilian Schlier, ist vom Ausstellungskonzept auf den Flächen im ersten Obergeschoss überzeugt. Vor den Körperwelten waren an 158 Öffnungstagen schon rund 80 000 Menschen bei „The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ zu Gast. „Das sind zwei sehr tolle und erfolgreiche Ausstellungen“, sagt Schlier.
Allerdings soll das Ausstellungskonzept im ersten Obergeschoss weiterhin erst einmal nur eine Zwischenlösung sein. Die rund 2000 Quadratmeter große Fläche soll in naher Zukunft wieder Einzelhändlern Platz bieten. Drei Geschäfte sollen dort entstehen. Interessenten gibt es schon. Nun fehlt nur noch die Baugenehmigung. Die hofft Schlier zeitnah zu erhalten, sodass pünktlich zur Fußball-Europameisterschaft im Sommer Eröffnung gefeiert werden kann.