Die Stuttgarter Fußgängerzone gleicht stellenweise einem Umschlagplatz für den Güterverkehr. An das geltende Zeitlimit von 18 bis elf Uhr hält sich kaum noch ein Transporteur.

Stuttgart - Königstraße, 12 Uhr mittags: Die Fußgängerzone gleicht stellenweise einem Umschlagplatz für den Güterverkehr. An vielen Stellen stehen Transporter mit geöffneten Seiten- oder Hecktüren, überall werden Waren entladen. Auch nachmittags sind noch viele Paketdienste und Auslieferungsfahrzeuge in der Innenstadt unterwegs – trotz deutlich sichtbarer Hinweisschilder an den Einfahrten in die Fußgängerbereiche: „Lieferverkehr 18 – 11 Uhr frei“.

„An diese Zeiten hält sich kaum jemand“, sagt Joachim Elser, der Leiter der städtischen Verkehrsüberwachung. Die unter hohem Zeitdruck stehenden Fahrer der Transporter parkten oft auch in der zweiten Reihe und verhielten sich gegenüber Passanten manchmal nicht besonders rücksichtsvoll. „Kontrollen sind wegen des fehlenden Personals leider allenfalls in Einzelfällen möglich“, erklärt Elser. Von der Polizei gebe es praktisch keine Unterstützung.

Die Citylogistik gilt als ein altes, aber nach wie vor ungelöstes Problem. Die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) hat schon vor gut zwei Jahren Verbesserungen gefordert. „Die Lage des Wirtschaftsverkehrs ist prekär“, sagte damals Andreas Richter, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Seit gut einem Jahr sitzen Vertreter aus mehreren Ämtern der Stadt in einem von der IHK organisierten Arbeitskreis zusammen, der ein effizientes und umweltgerechtes Belieferungskonzept erarbeiten soll.

Mobile Depots in der City sind eine Idee

Ursprünglich sollten dem Gemeinderat bereits im Januar erste Ergebnisse und ein Vorschlag für einen Modellversuch präsentiert werden. Der Termin wurde aber auf März vertagt. Im Rathaus verweist man zurückhaltend auf einen noch nicht abgeschlossenen Gesprächs- und Diskussionsprozess. Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn wolle vor der Präsentation im Gemeinderat noch eigene Vorstellungen einbringen. Auch die IHK gibt sich auf Anfrage ziemlich zugeknöpft. Solange man mit der Stadt noch im Gespräch sei, wolle man sich zum Thema öffentlich nicht äußern.

Nach StZ-Informationen soll den Stadträten ein Modellversuch präsentiert werden. Dieser sieht mindestens zwei aus großen Containern gebildete Depots in der Innenstadt vor. Als ein möglicher Standort gilt der zentral gelegene Bereich Kronprinzstraße. Dort könnten Pakete auf Lastenfahrräder mit Elektroantrieb umgeladen und an die Geschäfte in der Fußgängerzone verteilt werden, ist zu hören. Auch die bereits 2012 veröffentlichte IHK-Studie „Innenstadtlogistik mit Zukunft“ empfiehlt „mobile Depots in Kombination mit einer Auslieferung zu Fuß oder mittels Lastenfahrrad“. Offen ist allerdings noch die Frage, ob es zwei große oder zahlreiche kleinere Depots auf umgewidmeten Parkstreifen geben soll.

Stadt denkt an Benutzervorteile für saubere Transporter

Die IHK möchte auch größere Lieferzeitfenster in der Fußgängerzone. „Die Kammer wünscht ein bis 12 Uhr verlängertes Zufahrtsrecht für den Gütertransport“, bestätigt man bei der Stadt. Dieser Forderung sei aber noch keineswegs entsprochen worden. Bei den mobilen Güterdepots könnten zeitliche Beschränkungen ganz wegfallen: „Denkbar ist hier etwa, dass das Abstellen eines mobilen Depots jederzeit erlaubt ist, wenn die Feinverteilung der Waren zu Fuß, mit Fahrrädern oder mit kleinen Elektrofahrzeugen erfolgt“, heißt es in der IHK-Studie.

Auf der Wunschliste des Verbandes steht auch noch ein Beauftragter für den Wirtschaftsverkehr. Dabei könnte es sich um einen Mitarbeiter der städtischen Verkehrsleitzentrale handeln, der die Verhältnisse auf den Straßen für den Wirtschaftsverkehrs optimieren soll.

Starker Zuwachs bei Kleintranportern

Im Rathaus gibt es eine gewisse Bereitschaft, der Güterzustellung in der City ein verlängertes Zeitfenster zu genehmigen. Dieses soll allerdings wegen der von Brüssel jüngst gerügten hohen Luftbelastung nur für besonders schadstoffarme Fahrzeuge gelten. In Frage kommen dafür Transporter mit Erdgasantrieb und Lastenräder mit Elektromotor. „Für besonders saubere Transporter sind Benutzervorteile denkbar“, heißt es bei der Stadt. Wegen des zunehmenden Online-Handels sei davon auszugehen, dass es in Zukunft immer mehr Paketzustellungen gebe. Eine umweltgerechte Zustellung sei deshalb nur noch mit besonders sauberen Transportern und zu Fuß möglich.

Dass die Flotte der Kleinlaster in Stuttgart bereits in den vergangenen Jahren ganz erheblich zugenommen hat, zeigt der Blick in die Zulassungsstatistik: „Seit 2010 hat sich die Zahl der in der Stadt angemeldeten Lastwagen von 12 572 auf 14 479 erhöht“, sagt Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amtes. Das sei ein bemerkenswertes Plus von 15 Prozent. Bei den Kleintransportern bis 3,5 Tonnen betrage der Zuwachs sogar 20 Prozent. „Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Personenwagen hingegen lediglich um um 6,6 Prozent gestiegen.“

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