Königstraße in Stuttgart Lieferanten ignorieren die Sperrzeiten

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Stuttgarter Fußgängerzone gleicht stellenweise einem Umschlagplatz für den Güterverkehr. An das geltende Zeitlimit von 18 bis elf Uhr hält sich kaum noch ein Transporteur.

Transporter und Passanten kommen sich  in der City oft  zu nahe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Transporter und Passanten kommen sich in der City oft zu nahe. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Königstraße, 12 Uhr mittags: Die Fußgängerzone gleicht stellenweise einem Umschlagplatz für den Güterverkehr. An vielen Stellen stehen Transporter mit geöffneten Seiten- oder Hecktüren, überall werden Waren entladen. Auch nachmittags sind noch viele Paketdienste und Auslieferungsfahrzeuge in der Innenstadt unterwegs – trotz deutlich sichtbarer Hinweisschilder an den Einfahrten in die Fußgängerbereiche: „Lieferverkehr 18 – 11 Uhr frei“.

„An diese Zeiten hält sich kaum jemand“, sagt Joachim Elser, der Leiter der städtischen Verkehrsüberwachung. Die unter hohem Zeitdruck stehenden Fahrer der Transporter parkten oft auch in der zweiten Reihe und verhielten sich gegenüber Passanten manchmal nicht besonders rücksichtsvoll. „Kontrollen sind wegen des fehlenden Personals leider allenfalls in Einzelfällen möglich“, erklärt Elser. Von der Polizei gebe es praktisch keine Unterstützung.

Die Citylogistik gilt als ein altes, aber nach wie vor ungelöstes Problem. Die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) hat schon vor gut zwei Jahren Verbesserungen gefordert. „Die Lage des Wirtschaftsverkehrs ist prekär“, sagte damals Andreas Richter, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. Seit gut einem Jahr sitzen Vertreter aus mehreren Ämtern der Stadt in einem von der IHK organisierten Arbeitskreis zusammen, der ein effizientes und umweltgerechtes Belieferungskonzept erarbeiten soll.

Mobile Depots in der City sind eine Idee

Ursprünglich sollten dem Gemeinderat bereits im Januar erste Ergebnisse und ein Vorschlag für einen Modellversuch präsentiert werden. Der Termin wurde aber auf März vertagt. Im Rathaus verweist man zurückhaltend auf einen noch nicht abgeschlossenen Gesprächs- und Diskussionsprozess. Der Oberbürgermeister Fritz Kuhn wolle vor der Präsentation im Gemeinderat noch eigene Vorstellungen einbringen. Auch die IHK gibt sich auf Anfrage ziemlich zugeknöpft. Solange man mit der Stadt noch im Gespräch sei, wolle man sich zum Thema öffentlich nicht äußern.

Nach StZ-Informationen soll den Stadträten ein Modellversuch präsentiert werden. Dieser sieht mindestens zwei aus großen Containern gebildete Depots in der Innenstadt vor. Als ein möglicher Standort gilt der zentral gelegene Bereich Kronprinzstraße. Dort könnten Pakete auf Lastenfahrräder mit Elektroantrieb umgeladen und an die Geschäfte in der Fußgängerzone verteilt werden, ist zu hören. Auch die bereits 2012 veröffentlichte IHK-Studie „Innenstadtlogistik mit Zukunft“ empfiehlt „mobile Depots in Kombination mit einer Auslieferung zu Fuß oder mittels Lastenfahrrad“. Offen ist allerdings noch die Frage, ob es zwei große oder zahlreiche kleinere Depots auf umgewidmeten Parkstreifen geben soll.

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