Kolumne: Fehlersuche bei Porsche Ein Hoch auf unsere Irrtümer!

Von Uwe Bogen 

Warum der Schauspieler Richy Müller mit 61 Jahren so jung aussieht? An seinem „besten Fehler“ liegt’s. Auf Fehlersuche bei Porsche in Zuffenhausen – beim spannenden Abend des jungen Netzwerks M-Lounge.

Schauspieler   Richy Müller (li.) und Eurowings-Chefpilot Stefan-Kenan Scheib   im Porsche-Zentrum in Zuffenhausen. Foto: Lichtgut/ Rettig
Schauspieler Richy Müller (li.) und Eurowings-Chefpilot Stefan-Kenan Scheib im Porsche-Zentrum in Zuffenhausen. Foto: Lichtgut/ Rettig

Stuttgart - Niemals sollte man den Fehler machen, seine Fehler zu vertuschen oder gar zu ignorieren. Denn dann lässt man den Nutzen sinnlos verstreichen, den man aus seinen Missgeschicken, Ausfällen oder Irrtümern ziehen kann.

Was war Ihr bester Fehler? Der Pralinen-Unternehmer Ronald M. Arndt, 31, der 2013 die M-Lounge (das M steht für Menschen) für junge Netzwerker und Entscheidungsträger gründete und wechselnde Locations aufsucht, stellt diese Frage nicht irgendwo. Er stellt sie in einem Stadtteil, in dem Fehler gemacht wurden, die Wirtschaftsgeschichte geschrieben haben. Nach den besten Fehlern seiner Gäste erkundigt sich Fliegenträger Arndt in Zuffenhausen.

Schlechtes ist für etwas gut

Einst hat hier Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, vielleicht geblendet von Erfolgen, den hochriskanten Plan ersonnen, wie der kleine Sportwagenhersteller den um ein Vielfaches größeren VW-Konzern übernehmen könnte. Es war ein riesiger Fehler, wie man heute weiß. Doch war es in Wahrheit nicht gut, dass Porsche VW nicht schlucken konnte, weil dem David des Autobaus damit ein Abgas-Skandal von zuvor unvorstellbarem Ausmaß erspart blieb? Schlechtes ist für etwas gut. Die Gäste des Abends unterstreichen diese Weisheit mit ihren Geschichten.

Einleuchtend erklärt „Tatort“-Kommissar und Porsche-Markenbotschafter Richy Müller
, warum er nicht aussieht, als sei er 61 Jahre alt. Immer wieder wird er nach seinem Rezept fürs Jungbleiben gefragt. Einst hat er 20 Jahre lang, so räumt er im Porsche-Zentrum in Zuffenhausen vor etwa 200 Zuhörern ein, nicht viel gemacht, sondern vor allem gefaulenzt. Sein Fehler sei es gewesen, die meisten Angebote für Filme abzulehnen, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügten. Dabei habe er eine Familie mit vier Kindern ernähren müssen. Das ständige Neinsagen sei zwar ein Fehler gewesen. Doch damit sei er sich treu geblieben, wofür er später belohnt worden ist. Hätte er schlechte Filme gedreht, hätte er nicht das Angebot für den „Tatort“ bekommen. Hätte er nicht 20 Jahre so wenig getan, also seine freien Radikale ruhen lassen, würde er heute viel älter aussehen.

Sitzenbleiben kann sich lohnen

Ein Fehler von Eurowings-Chefpilot Stefan-Kenan Scheib war es, zu Beginn seiner Karriere etwas verbissen gewesen zu sein. Als er ein Flugzeug mal donnernd aufsetzte, habe die Flugbegleiterin übers Mikrofon von einer „harten, aber herzlichen Landung“ gesprochen. Der Pilot musste lachen – das entkrampfte ihn für die Zukunft. Gastgeber Arndt, der handgemachte Pralinen online verkauft, erzählt, dass er in der achten Klasse sitzengeblieben ist. Dadurch kam er in die Klasse, in der seine heutige Frau saß.

Manche Fehler können so schön sein, dass man sie nicht auslassen sollte. Wenn man nur immer schon vorher wüsste, welcher Fehler einfach nur Mist ist und welcher Positives bringt.

Richy Müller lobt seinen Vorgänger Steck

Nicht als Fehler sieht es Richy Müller an, dass die meisten Szenen im Stuttgarter „Tatort“ in Karlsruhe oder Baden-Baden gedreht werden. Der Sender müsse sparen – und die Mehrheit der Zuschauer würde es nicht merken, wo sich die Straßen befinden, die im Film zu sehen sind. „Glaubt jemand, dass alle Teile im Porsche in Zuffenhausen gefertigt werden?“, fragt der 61-Jährige. Und dann sagt er diesen schönen Satz über Dietz-Werner Steck, den schwäbisch sprechenden Bienzle, seinen Vorgänger: „Seine Fußstapfen waren so groß, dass ich in sie quer getreten bin – quer mit meinen kleinen Füßen.“ Es ist kein Fehler, die Alten zu loben. Und dass der am Chiemsee lebende Müller als Stuttgarter TV-Kommissar kein Schwäbisch kann, zeigt nur, dass selbst Porsche-Fahrer nicht perfekt sind.

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