Uwe-Bogen-Kolumne Schwules Ampelpärchen für Stuttgart?

Von Uwe Bogen 

Wird Stuttgart von Spaßbremsen regiert? Die sture Haltung der Ordnungsbehörde, keine Fußgängerampel mit Äffle & Pferdle zu erlauben, befördert republikweit alte Klischees. Jetzt plädiert der CSD auch noch für ein schwules Ampelpärchen.

Schwule Ampelpärchen gibt’s in Wien und in München zum CSD Foto: dpa
Schwule Ampelpärchen gibt’s in Wien und in München zum CSD Foto: dpa

Stuttgart - Daheim in seinem Badezimmer, erzählt Hermann Karpf, der persönliche Referent des Stuttgarter Ordnungsbürgermeisters Martin Schairer (CDU), hängt ein Äffle- und Pferdle-Kalender – jedes Jahr ein neuer. Der Mann ist ein Fan der schwäbischen Zeichentrickstars – doch im Straßenverkehr hört für ihn der Spaß auf.

Die „taz“ hat ihn mit einem Satz zitiert, der ihm nun Online um die Ohren gehauen wird. Befürworter vom Ampeläffle und Ampelpferdle beklagen ein merkwürdiges Demokratieverständnis im Rathaus. „Wir wollen das nicht, egal ob die Petition fünf Menschen unterschreiben oder 500 000“, soll Karpf gesagt haben. Über 10 000 Fans aus aller Welt fordern in der Online-Petition Stuttgart auf, dem Mainzer Beispiel zu folgen, wo ein Mainzelmännchen das rote und grüne Licht einer Fußgängerampel ziert. Fürs Quorum hätten 4300 Unterschriften gereicht.

Zählt der Bürgerwille nicht viel?

Wem gehört die Stadt? Selbst wenn die gesamte Bevölkerung von Stuttgart die beiden Lieblinge des Schwabenvolkes unbedingt auf einer Ampel wollen würde, käme rotes Licht aus dem Rathaus. Der Bürgerwille zählt demnach nicht viel. Der Referent vom CDU-Bürgermeister sagt zwar, dass die „taz“ ihn nicht korrekt zitiert habe, bleibt aber beim klaren Nein.

„Was ist, wenn ein Kind an so einer Ampel stirbt?“, fragt er.

Und was ist, wenn ein Kind an einer klassischen Ampel verunglückt? Muss dann das normale Männchen ausgetauscht werden? In der Straßenverkehrsordnung, Paragraf  37, Absatz 2, Nummer 5, heißt es, dass ein „Sinnbild Fußgänger“ das „Lichtzeichen für zu Fuß Gehende“ anzuzeigen hat. Wie dieses Sinnbild aussehen muss, ist nicht zweifelsfrei geregelt. Die Fans argumentieren, dass Äffle und Pferdle vermenschlicht sind. Um die gesetzliche Aufgabe optimal zu erfüllen, könnte man eine Vorlage für die Ampel wählen, auf dem die Beine des Schwabenduos länger sind. So könnte man das ­Stehen und Gehen auf Anhieb erkennen.

Seit 1933 gibt es Ampelmännchen im Straßenverkehr

Weltweit ist die Vielfalt groß: Mal tragen Ampelmännchen, die 1933 in Kopenhagen erfunden wurden, eine Kopfbedeckung (Spanien), mal Ski unterm Arm (Innsbruck), mitunter könnten sie einem Computerspiel entsprungen sein (Thailand). In München leuchtet – nach Wiener Vorbild – zum CSD ein schwules Paar grün oder rot. Auch für Stuttgart, findet CSD-Organisator Christoph Michl, wäre dies „eine hübsche Idee“. Heiko Volz, der Autor des Schwabenduos, hält es „fast für schade“, dass Äffle und Pferdle nicht schwul sind: „Sonst könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.“

In dieser Stadt scheut man Experimente. Der Fanclub würde sich über die Äffle- und Pferdle-Ampel am Bahnhof oder beim SWR freuen. Referent Karpf hätte nichts dagegen, wenn sie auf dem Gelände des SWR-Funkhauses installiert wird – nur nicht im öffentlichen Straßenverkehr.

Der SWR hat seine Liebe zu Äffle und Pferdle neu entdeckt

Je größer der Widerstand aus dem Rathaus wird, desto enger schließen sich die Reihen bei den Fans. So groß ist der ­PR-Nutzen für Äffle und Pferdle, dass man vermuten könnte, Bürgermeister Schairer sei Teil der Marketingstrategie. Und auch der SWR hat seine späte Liebe zu den beiden entdeckt, die der Sender vor Jahren vor die Tür gesetzt hat. Nach Ende des regionalen Werbefernsehens im Ersten hätte der SWR den Figuren eine Rubrik in der „Landesschau“ geben ­können – doch die Tradition war den Verantwortlichen egal. Jetzt sind Äffle und Pferdle mit voller Wucht zurückgekehrt. Das freut das Schwabenherz. Bestimmt kommt das Rathaus auch noch dahinter, wie man mit Schwabenliebe punktet.

Wo eine Wille ist, findet sich auch ein Fußgängerweg fürs Ampeläffle. Damit sich die Stadt nicht zum Affen macht.

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