Beziehungskiller unterschiedliches Konsumverhalten
Nicht unwichtig bei der Sache: ich hatte während meines Studiums drei bis vier lukrative Nebenjobs. Vom Kellnern auf dem Wasen über Promotion-Jobs bis hin zum Hiwi-Job an der Uni war alles dabei. Weil ich es schlichtweg hasse, aufs Geld schauen zu müssen. Ich will paar Bier in einer Kneipe trinken können, wenn mir danach ist und wenn ich mal ein paar coole Schuhe sehe, dann will ich sie mir einfach leisten können, fertig aus. Meine küchenpsychologische Erklärung gefällig? Während meiner Kindheit und Jugend war mir in meinem Elternhaus das große Sparen von A bis Z so intensiv durchdekliniert worden, dass sich aus purem Trotz ein deutlicher Hang zum German Hedonismus (viel Kohle für (Lebens-)Genuss auf den Kopf hauen, aber niemals Kohle, die man nicht hat) in meinem Hinterkopf festgesetzt hat. Aber zurück zum eigentlichen Thema.
Beziehungskiller unterschiedliche Einkommensverhältnisse
Ich hatte für eine Studentin jedenfalls kein schlechtes Budget und traf mich mit meinem Tinder-Date in einer Stuttgarter Cocktailbar, die ich vorgeschlagen hatte, weil ich sie richtig toll fand, obwohl die Preise alles andere als Studi-freundlich waren. Wir hatten ein super Gespräch und einen richtig guten Abend, ich orderte noch einen Cocktail nach und noch einen.
Als am Ende des Abends die Rechnung kam, fielen meinem Gegenüber aber fast die Augen aus dem Kopf, woraufhin ich meine Karte zückte und die Rechnung für uns beide übernahm. Immerhin hatte ich die Bar vorgeschlagen und er offensichtlich ein Problem, die Rechnung zu begleichen. So. Und hier endet die Liebesgeschichte auch schon abrupt, denn der Typ hat mich daraufhin schlichtweg geghostet. Ob sein männliches Ego gekränkt war oder er meinen verschwenderischen Lebensstil scheiße fand, werden wir wohl nie erfahren – so oder so war klar, dass es irgendwas mit dem Thema Geld zu tun gehabt haben muss. Schade Schokolade.
In den folgenden Jahren kam mir das Thema in den unterschiedlichsten Varianten unter: Beziehungsstreits wegen gemeinsamer Anschaffungen. Beziehungsstreits wegen unterschiedlichem Konsumverhalten. Beziehungsstreits wegen unterschiedlichem Spar-Verhalten. Beziehungsstreits, weil eine Person von beiden (oder auch mal beide gleichzeitig) die Last der Finanzen ungerecht verteilt findet.
Ich hatte zum Beispiel mal einen intensiven Streit darüber, wem das Sofa nach einer Trennung gehört, wenn beide Parteien der Beziehung den gleichen Betrag zur Anschaffung beigetragen haben, ein dritter Teil des Betrags aber von den Eltern der einen Partei geleistet worden war. Oder wie geht man mit Anschaffungen um, die beide Parteien nutzen (eine sauteure Kaffeemaschine), aber eine Partei nicht bezahlen will, weil sie die für überflüssig hält?
Gemeinsames Konto oder Splitwise?
Die Lösung für die meisten Paare ist ein gemeinsames Konto, auf das jede:r einzahlt und das für Einkäufe, Urlaube, et cetera genommen wird. Ein befreundetes Paar hat eine weitere Lösung für sich gefunden: Sie nutzen eine Ausgaben-Überblicks-App wie etwa Splid, Tricount oder Splitwise, um ihre gemeinsamen Ausgaben – und das geht bei einer Runde Bier für beide los – zu tracken, aufzuteilen und direkt auszurechnen, wer wem wie viel schuldet.
Ich habe mit meinem aktuellen Partner eine andere Lösung gefunden: eine Excel-Tabelle, die unsere Gehälter und Einnahmen ins Verhältnis setzt. Kosten für größere Anschaffungen, Haushaltskosten, Miete und Co. werden in diesem Verhältnis untereinander aufgeteilt. Kleinere gemeinsame Anschaffungen trägt eine Person. Und wenn ein Ungleichgewicht empfunden wird, wird es angesprochen. Das scheint uns fair, weil es auch die Gender Pay Gap beim Gehalt berücksichtigt, ohne jeden ausgegebenen Euro penibel aufzuteilen.
Über Geld spricht man
Diskussionen über die Notwendigkeit einiger gemeinsamer Anschaffungen erspart es einem leider nicht. Wenn wir uns aber nicht einig werden, zahlt die Person, welche die Anschaffung tätigen möchte, den vollen Preis. Stichwort Kaffeemaschine.
Fürs gegenseitige Verständnis hat uns aber ein Blick zurück in die Kindheit und Jugend weitergebracht, und darauf, welchen Umgang mit Geld wir aus unserem Elternhaus mit auf den Weg bekommen haben. Wie so oft, liegen da – auch was das Thema Geld angeht – einige Leichen begraben. Und manche davon muss man eben ausbuddeln und entsorgen. Und um das Sofa-Thema kümmern wir uns, wenn es soweit ist mit der Trennung.