Wer kennt ihn nicht, den Ratschlag „Never fuck the company“ oder wie meine Freundin Bea ihn für sich abgewandelt hat: „Never fuck the same Kostenstelle“. Doch warum gibt es eigentlich nicht den Spruch „Never fuck the Freundeskreis“? Das kann nämlich mindestens genauso viel Ärger mit sich bringen. Woher ich das weiß? Dreimal dürft ihr raten…
Meine beste Freundin meinte vor einer Weile zu mir, sie fühle sich, wie ein Scheidungskind, und wir beide wissen ganz genau, was das bedeutet, da wir beide Scheidungskinder sind. Der Spruch tat mir im Herzen weh, obwohl sie mir versicherte, dass das nicht meine Schuld sei. Trotzdem machte ich mir natürlich mal wieder viel zu viele Gedanken und überlegte, was ich nach der Trennung von meinem Ex-Freund anders machen hätte können und wie ich die Situation jetzt für sie und den restlichen Freundeskreis erträglicher gestalten konnte.
Liebe auf den ersten Blick
Sieben Jahre ist es her, dass wir uns alle kennengelernt haben. Wir kamen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands nach Stuttgart, um dort unser Master-Studium zu absolvieren. Eigentlich war es schon am Einführungstag Liebe auf den ersten Blick. Wir tranken das erste gemeinsame Bier, führten die erste Diskussion darüber, welcher Fußballverein der einzig wahre war und waren das erste Mal zusammen im Schocken feiern – damals noch studifreundlich ohne Eintritt.
Von da an verbrachte die Clique viel Zeit zusammen. Wir gingen mittags in die Mensa, saßen in den Vorlesungen nebeneinander, tranken ein frühes Bier am Palast und verreisten gemeinsam. Das war ein wunderbares Gefühl. Niemand von uns hatte erwartet, im Master-Studium noch so gute Freund:innen kennenzulernen.
All together
Wie nicht anders zu erwarten, wenn eine Gruppe von Frauen und Männern so viel Zeit miteinander verbringt, dauerte es nicht lange bis sich das erste Liebespaar bildete. Anna und Laurin trafen sich vermehrt zu zweit, saßen in den Vorlesungen immer nebeneinander und verkündeten noch im ersten Studienjahr, dass sie jetzt ein Paar seien. Auch bei Jonas und mir war schnell klar, dass da eine Anziehung da war. Doch er war in einer festen Beziehung, es war kompliziert. Schließlich kamen aber auch wir zusammen.
Und es war so cool, einen Partner zu haben, der auch ein Teil des eigenen Freundeskreises war. Keine Interessenskonflikte, was wir am Wochenende unternahmen oder welche Leute wir zum Gartenfest einluden. Klar, hatte jeder auch noch Freund:innen außerhalb der Uni-Clique aber die Best Friends waren dieselben. Die Jahre vergingen so, bis wir uns trennten.
Sollen wir Freunde bleiben?
Uns war immer klar gewesen, dass eine Trennung extrem schwierig werden würde. Sowohl für uns als auch für unsere Freunde. Schon als es anfing zu kriseln, sprachen wir immer wieder darüber, dass wir es hinbekommen mussten, bei einer Trennung weiter Freunde zu bleiben.
Die ersten Wochen und Monate, nachdem wir nicht mehr zusammen waren, versuchten wir unser Bestes. Wir performten einen nahtlosen Übergang von jahrelanger Beziehung zu besten Kumpels. Ich war bei seiner Geburtstagsreise dabei, er kam sonntags zum Tatort-Schauen. Was für eine Show! Ich verrenkte mich, um es möglichst für alle angenehm zu machen und um den Freundeskreis nicht zu zerstören – am Ende zerstörte ich mich ein Stück selbst.
Mein Ex, die Neue und ich
Als Jonas dann schnell eine neue Freundin hatte, drückte ich die Stop-Taste. Feierabendbier mit dem Ex und seiner Neuen? Das war mir dann wirklich too much. Das mussten doch alle verstehen, oder?
Ich mied Events, von denen ich wusste, dass Jonas auftauchen würde, trat aus der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe aus und versicherte allen, dass es für mich die bessere Option sei, sich bei gemeinsamen Gruppenaktivitäten zurückzuhalten.
Wann wird es wieder so wie früher? Nie!
Die meisten verstanden meine Entscheidung, anderen musste ich sie immer wieder erklären und bedauern, dass es eben nicht mehr so wie früher werden würde. Obwohl wir bereits seit Monaten getrennt waren, waren Jonas und ich noch regelmäßig Thema. Ich wollte eigentlich nur meine Ruhe, doch das war kaum möglich - ähnlich wie man nach einer Affäre mit einem Kollegen oder einer Kollegin diese:n auch nicht einfach aus seinem Leben verbannen konnte, sondern regelmäßig im Büro oder in Teams-Konferenzen begegnete.
Es war mühsam und anfangs schwang die Angst mit, durch die Trennung meine besten Freunde zu verlieren. Würden sie mich nach und nach vergessen, wenn ich bei den großen Festen nicht mehr dabei war? Würde die Neue meinen Platz einnehmen? Was verpasste ich, wenn ich nicht da war?
Kann man sich aussuchen, in wen man sich verliebt?
Trotz dieser Gedanken war ich mir sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben und sagte mir, dass wirklich gute Freunde auch nach wie vor den Kontakt zu mir suchen würden (taten sie!). Der Abstand tat mir gut. Ich konnte mich endlich neu sortieren und kam zur Ruhe.
Eines der vielen Learnings aus dieser Zeit war: Ein Freund aus dem engen Freundeskreis? Für mich mittlerweile ein absolutes Tabu! Klar, du kannst dir nicht immer aussuchen, in wen du dich verknallst. Meist kannst du aber selbst entscheiden, ob du dich diesem Gefühl hingibst.
Sich in den Chef, den Kumpel oder den Teamkollegen zu verlieben, ist nicht nur wahnsinnig kompliziert, sondern bringt nach einer Trennung viel Aufruhr in das soziale Umfeld. Andererseits ist eines im Leben klar: Es verändert sich stetig und das ist normal und okay. Dabei ist es nicht meine Aufgabe, die Feel-Good-Managerin für alle zu sein und es immer allen anderen recht machen zu wollen, sondern wichtig, auf meine eigenen Bedürfnisse zu hören.
*Namen von der Redaktion geändert