Kolumne über Sex & Liebe: Beziehungskram Sextoys: Total überbewertet?!

Sextoys sind ein viel diskutiertes Thema. Foto: privat

Ob im Internet, der Fernsehwerbung oder im Supermarkt – um Sextoys kommt man seit einiger Zeit nicht mehr herum. Unsere Autorin fragt sich: Ist der Hype um die sexy Spielzeuge berechtigt? [Plus Archiv]

In meinem Leben wurde ich schon häufig schief angesehen. Beispielsweise wenn ich erwähne, dass ich keinen Kaffee trinke. Mittlerweile gehört der Satz „keine Sextoys nutzen“ aber irgendwie auch dazu. Kein Wunder. Spätestens seit es im Fernsehen angefangen hat „im Karton zu rappeln“ oder es im Supermarkt Adventskalender voller Spielzeuge für Erwachsene gibt, ist das ehemalige Tabu gebrochen. Versteht mich nicht falsch, das finde ich super! Aber irgendwie fühlt es sich nun so an, als sei man prüde, wenn man sich nicht von einem vibrierenden Ding in der Hose befriedigen lässt oder seinen Alltag mit Liebeskugeln bestreitet.

 

Wie, du nutzt keine Sexspielzeuge?

Wenn das Gespräch auf das Thema Sex fällt, steht man als Single schnell im Fokus. „Wie machst du das eigentlich?“, „Gibt es da jemanden?“, „Wie, du hast noch nie einen Vibrator benutzt?“. Selbst wenn man das Glück hat, als Single regelmäßig mit einem Menschen zu schlafen, ist Solo-Sex doch trotzdem toll und wichtig. Allein schon zur Entspannung. Meine beste Freundin schwört auf den Satisfyer und hat mir in den letzten Jahren häufig empfohlen, mir so ein Teil zuzulegen. „Aber Vorsicht! Das Ding macht süchtig...“, war ihre Warnung dazu. Ich konnte mir das nie vorstellen. Wieso sollte ich mir ein kaltes Plastikteil an die Klitoris halten? Gehts noch unpersönlicher?

Angebotsüberfluss

Doch die Neugier und vielleicht auch ein bisschen der Druck von außen siegten letztendlich und ich machte den Selbstversuch. Herausforderung Nummer eins: Sich im Angebotsüberfluss zurechtfinden: ob Liebeskugeln, Nippelklemmen, Druckwellenvibratoren oder solche, die mit sich drehenden Kugeln den G-Punkt stimulieren sollen – auch in Kombi erhältlich. Als Anfängerin ist man da schnell überfordert. Also erinnerte ich mich daran, was meine beste Freundin mir riet: Ich sagte alle Termine der nächsten fünf bis sieben Werktage ab und bestellte den „süchtigmachenden“ Satisfyer.

Es rappelt in der Kiste

Herausforderung Nummer zwei: Das blöde Teil aus der Verpackung zu bekommen. Aber mit wenig Geduld und etwas Gewalt schaffte ich auch das. Nun saß ich da, mit diesem Ding in meiner Hand, etwas überfordert und mit wenig Lust, das Gerät an mir auszuprobieren. Ich mag viel lieber eine warme Hand an meinem Körper als ein kaltes Ding, das aussieht als wolle es meine Klitoris aufessen. Zum Glück erzählte ich meinem Sexpartner davon und wir versuchten uns gemeinsam mit dem Spielzeug anzufreunden. Anfangs erst mal an der Hand. Ich bin mir sicher: Die vielen Einstellungen braucht kein Mensch. Langsam, schnell, noch schneller. Mit verschiedenen Abständen und Druckvariationen. Aber die Druckwellen fühlten sich ganz angenehm an. Also Augen zu und durch. Meine erste Reaktion: Ich musste lachen. Es kitzelte und hatte wenig von sinnlicher Befriedigung. Aber je mehr wir uns mit dem Vibrator vertraut machten, desto besser fanden wir die richtigen Punkte und Einstellungen. Es fühlte sich zumindest ein bisschen gut an. Und ich kam zum Höhepunkt. Ob der jetzt besser war als sonst? Definitiv nein.

Wirklich so schlimm?

Seit diesem Versuch hab ich das Teil nur noch einmal alleine ausprobiert. Auch da, eher Ernüchterung. Aber ganz ehrlich: Nur weil der Vibrator nichts für mich ist, heißt das nicht, dass ich keinen Spaß an Sexspielzeugen haben kann. Da gibt es ja noch ganz viel anderes... Und auch der Satisfyer wird vielleicht mal wieder zum Einsatz kommen. Zum Glück hat jede:r seine Vorlieben und lebt sie in unterschiedlichster Form aus. Zumindest kann ich jetzt mitreden und erklären, warum ein Vibrator aktuell nichts für mich ist.

Diese Kolumne erschien erstmals alm 23. Oktober 2023

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