Fachkräftemangel Kein Verständnis für Pedanterie
Zwei Frauen sind nach Georgien abgeschoben worden. Das Land sollte sich für die Rückkehr der beiden Georgierinnen einsetzen, findet Barbara Czimmer.
Zwei Frauen sind nach Georgien abgeschoben worden. Das Land sollte sich für die Rückkehr der beiden Georgierinnen einsetzen, findet Barbara Czimmer.
Haben fleißige, arbeitswillige Einwanderer Chancen in Deutschland auf eine sichere Bleibe und ein gesichertes Einkommen? Nach den jüngsten Abschiebungen vom Baden-Airport nach Georgien sind Zweifel angebracht.
Keine Frage, den beiden Georgierinnen ist kein juristisches Unrecht widerfahren. Das Aufenthaltsgesetz sieht nun einmal vor, dass Menschen abgeholt und abgeschoben werden können, wenn sie der Aufforderung zum Verlassen des Landes nicht nachgekommen sind. Als gerecht wird das in diesen Fällen nicht empfunden.
Händeringend suchen Firmen Azubis und Fachkräfte, nicht nur für sogenannte Mangelberufe. Doch die Beamten zeichnen die Abschiebung einer angehenden Erzieherin und einer Altenpflegerin kalt ab. Das ist unverständlich, ja empörend. Man kann es als bürokratische Pedanterie und Erbsenzählerei bezeichnen, denn nur wenige Wochen später hätte die Entscheidung über eine Duldung zugunsten der Frauen ausfallen können – und die Pflegeeinrichtung wie auch der Kita-Träger hätten ein Personalproblem weniger.
Der Vorgang vermittelt den Eindruck, als hätten die Entscheider in der Sache noch nie Kinderbetreuung gebraucht oder nach einer Pflegerin suchen müssen. Wegen des Fachkräftemangels will die Landesregierung das Chancen-Aufenthaltsrecht sofort und nicht erst 2023 anwenden. Doch nicht einmal das scheint sich in allen Verästelungen des verzweigten Behördenapparats verfangen zu haben. Die Gesellschaft, die das Geld für Sprachkurse und Ausbildung der Menschen aufbringt, erwartet von der Landesregierung klare Ansagen an ihre Mitarbeiter. Ein schöner Zug wäre es nun, sich in diesen Fällen für die Wiedereinreise der beiden Frauen starkzumachen.