Das Engagement der Menschen im Altkreis für Flüchtlinge aus der Ukraine ist beeindruckend. Doch nicht alles, was gebracht wird, wird auch gebraucht.

Altkreis Leonberg - Wahnsinn – dieser Begriff umfasst sehr viel, wenn nicht gar fast alles, was die Menschen in diesen Tagen umtreibt. Ein von Tag zu Tag schlimmer werdender Krieg inmitten Europas, der uns fassungslos, hilflos und sprachlos gleichermaßen macht. Nicht nur angesichts des unvorstellbaren Leids der Menschen in der Ukraine, sondern auch wegen der im Tiefen nicht weniger schlummernden Angst, der Krieg könnte irgendwann bei uns ankommen. Die Aufgeregtheiten um einen Überschall-Knall am Freitag sind bezeichnend für die Gefühlslage vieler Menschen.

Unglaubliche Spendenbereitschaft

Auf der anderen Seite gibt es eine unglaubliche Hilfsbereitschaft. Binnen nur einiger Tage wurden auch in unserer Raumschaft beeindruckende Aktionen auf die Beine gestellt. Privatpersonen, Vereine, Kirchen und Kommunen arbeiten oft Hand in Hand, um die Not jener Menschen, die ihre Heimat verloren haben und nun in klirrender Kälte in Behelfsunterkünften einem ungewissen Schicksal entgegensehen, wenigstens ein wenig zu lindern.

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Die Spendenbereitschaft ist derart gewaltig, dass die Initiative in Gerlingen schon nach zwei Tagen nichts mehr annehmen konnte, weil einfach die Transportkapazitäten fehlen. Die Akteure des CVJM und einer Spedition verwiesen die buchstäblich Schlange stehenden Spender nach Leonberg zur dortigen Aktion.

Sommerartikel helfen im Winter nicht

In der Nachbarstadt wurden die Aktiven der Stadt, unterstützt von zahllosen Ehrenamtlichen, förmlich überrannt. Entsprechend schwankt deren Stimmung zwischen Euphorie angesichts der überwältigenden Resonanz und der zunehmenden Sorge um die Logistik angesichts der zahllosen Hilfsgüter, die sich vor und in der ehemaligen Postfrachthalle gestapelt haben.

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Und noch eins treibt die Helfer um: Längst nicht alles, was gebracht wird, wird auch gebraucht. Luftige Kleider, Ballerinas und andere Sommerartikel helfen im kalten Winter nicht weiter. Auch der Zustand mancher Gabe lässt, zurückhaltend formuliert, zu wünschen übrig. Wenn dann noch die eine oder der andere sich echauffiert, weil die Kleiderspenden nicht angenommen werden, so belastet das die ohnehin unter Dauerstress stehenden Aktiven nur noch mehr.

Die Menschen stehen zusammen

So beeindruckend die Anteilnahme ist: Es kommt vor allem auf das „Was“ und das „Wie“ an. Die Hilfsaktionen sind keine Altkleidersammlungen. Wer etwas tun möchte, sollte sich vorher unbedingt informieren, was wirklich benötigt wird. Im Zweifelsfall ist eine Geldspende der effektivste Weg, um gezielt zu helfen.

So bitter und dunkel diese Tage für uns alle sind, so bleibt unter dem Strich doch eine tröstliche Erkenntnis: In der Not stehen die Menschen zusammen – nicht nur in der Ukraine, sondern auch bei uns. Das sollte uns ein wenig Kraft geben.