Kommentar zum Protestcamp Deeskalation

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Das Zeltdorf am Bahnhof mag nicht schön sein – ein echtes Problem ist es aber nicht. Stuttgart hat wahrlich schon anderes ausgestanden.  

An diesem Anblick scheiden sich im Schlossgarten die Geister. Foto: Honzera
An diesem Anblick scheiden sich im Schlossgarten die Geister. Foto: Honzera

Stuttgart - Der Schlossgarten besitzt für die Bürger der Stadt eine besondere Symbolkraft - spätestens seit dem 30. September 2010, als bei den Auseinandersetzungen zwischen Gegnern von Stuttgart 21 und der Polizei mehr als einhundert Menschen durch den Einsatz von Wasserwerfern verletzt worden sind. Mit geradezu religiöser Leidenschaft ringen die Lager in einem ideellen Streit darum, wer rechtmäßiger Besitzer der Parkflächen ist.

Vor diesem Hintergrund ist auch der nun aufflammende Konflikt um das Zeltdorf beim Hauptbahnhof zu sehen. Dort haben sich in den vergangenen Monaten Projektgegner eingerichtet, von denen selbst das Aktionsbündnis gegen Stuttgart21 nicht mehr genau sagen kann, ob es den Zeltbewohnern überhaupt noch in erster Linie um den Protest gegen den Tiefbahnhof geht. Aber diese Unterscheidung ist müßig: Sie sind Teil der Bewegung gegen das Bahnprojekt wie andere Gruppen auch.

Die Zustände dürfen nicht aus dem Ruder laufen

Bliebe die Frage, ob es in Ordnung ist, dass ein wachsender Kreis von Menschen einen bedeutenden Abschnitt des Schlossgartens auf eine Weise nutzt, die einem womöglich ebenfalls wachsenden Teil der Bevölkerung missfällt. Auch diese Frage lässt sich angesichts der nach wie vor angespannten Lage in der Stadt nicht abstrakt, sondern nur ganz praktisch beantworten.

Wer kann bei dieser Vorgeschichte ein Interesse an einer erneuten Eskalation der Verhältnisse haben? Niemand. Und wäre es angemessen, Menschen von einem Gelände zu vertreiben, das in absehbarer Zeit Teil der größten Baustelle Europas werden soll?

Es wird deshalb vor allem an den organisierten Projektgegnern liegen, dafür zu sorgen, dass die Zustände in dem Zeltdorf nicht aus dem Ruder laufen, wofür es bis jetzt aber keine Anzeichen gibt. Die Stadt und ihre Bürger werden es aushalten, auch die, die sich daran stören. Stuttgart hat wahrlich schon anderes ausgestanden in seiner jüngeren und jüngsten Geschichte.

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