KommentarKommentar zum Rosensteintunnel Widerstand

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Der Bau des 1,1 Kilometer langen Rosensteintunnels ist im Gemeinderat seit Langem umstritten. Ein Kommentar von Wolfgang Schulz-Braunschmidt.

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Stuttgart - Der Bau des 1,1 Kilometer langen Rosensteintunnels ist im Gemeinderat seit Langem umstritten. Und bei den Bürgern ist der Widerstand im Vergleich zu den 660 Einsprüchen bei der ersten Auslegung der Pläne nach der Präsentation der überarbeiteten Version sogar noch erheblich gewachsen: Nahezu 1000 Bürger haben im August schriftlich ihre Zweifel angemeldet. Dabei hatte die Stadt - deren Oberbürgermeister neuerdings gern das Thema Bürgerbeteiligung im Munde führt - die Pläne schon mal vorsichtshalber in den Sommerferien öffentlich ausgelegt. Dennoch steht nun fest, dass mehr Bürger denn je nicht glauben, dass das 200 Millionen Euro teure Straßenbauprojekt sinnvoll und vor allem umweltgerecht ist.

Auch innerhalb der Stadtverwaltung gilt der Bau des Rosensteintunnels, der Verkehre bündeln und dadurch vor allem Bad Cannstatt entlasten soll, als "problematisch", weil andere Stadtbezirke - Zuffenhausen und Ost - mit mehr Verkehr belastet werden. Außerdem steigen die Stickoxidwerte im Bereich Löwentor so stark an, dass die eigenen Gutachter der Stadt raten, die dort stehenden Wohnhäuser zu kaufen und mit Millionenaufwand künstlich zu "beatmen". Anderswo rund um die Tunnelröhren werde die Luft aber besser, verspricht die Stadt. Das stimmt. Aber selbst an vielen sogenannten entlasteten Straßen - etwa Schönestraße und Pragstraße - ist laut Gemeinderatsvorlage hinterher die "Einhaltung der Grenzwerte" nur durch "weiterführende Maßnahmen" zu erreichen.

Eine zukunftsorientierte Verkehrsplanung in einer stark mit Feinstaub und Stickoxiden belasteten Großstadt sieht anders aus. Der Fall Rosensteintunnel zeigt deutlich auf, dass die herkömmliche Verkehrspolitik an ihre Grenzen stößt: Wo heute schon verbindliche Grenzwerte überschritten werden, kann nicht noch mehr Verkehr gebündelt werden. Nur weniger Blech auf der Straße kann dann die Luftqualität maßgeblich verbessern. Denn das schadstofffreie, nur mit sauberem Sonnenstrom betankte Elektroauto ist noch lange nicht in Sicht.

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